Maikäfersiedlung in München

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Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses

Nicht ganz so idyllisch wie der Name suggeriert, entstand die Münchener Maikäfersiedlung in den Jahren zwischen 1936 bis 1938 als Versuch, den sozialen Problemen der Zeit mit dem Bau einer „Volkswohnanlage“ zu begegnen. Der Architekt und damalige Siedlungsreferent Guido Harbers hatte 1935 die gemeinnützige Wohnstätten- und Siedlungsgesellschaft (GWG) wieder ins Leben gerufen und als erstes Projekt das Gelände zwischen Ramersdorf und Berg am Laim neu bebaut.

1939 zählte die Wohnanlage Berg am Laim rund 3900 Bewohner in 991 Wohnungen und 190 Eigenheimen. Die überwiegend an kinderreiche Familien vermieteten Wohnungen waren zwar in der Regel mit 37 - 45 Quadratmetern Wohnfläche (verteilt auf zwei Zimmer, einer Wohnküche und einem WC) recht klein, dafür aber für kinderreiche Familien erschwinglich. Den Gartenstadt-Idealen entsprechend, gehörte zu jeder Wohneinheit ein Gartenanteil von rund 60 qm.

Nur vier U-Bahn-Stationen vom Marienplatz entfernt – und somit noch „in bester Lage“ – steht die Siedlung heute vor tief greifenden Veränderungen. Im Rahmen einer Nachverdichtung und eines umfassenden Sanierungsprogramms soll die Wohnanlage nach und nach abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Dabei verfolgen die Münchener Architekten Zillerplus - die 2001 den dritten Platz des von der GWG ausgelobten städtebaulichen Wettbewerb zur Bebauung des Gebietes um die Echardinger- und Bad Schachener Straße gewonnen hatten - den Ansatz, die Infrastruktur zu verbessern und dennoch die Identität der Siedlung als Gartenstadt beizubehalten.

Den Auftakt und zugleich das neue Zentrum der Siedlung bildet an der Bad Schachener Straße ein siebengeschossiger Turm, der neben Läden und Büros auch 58 Wohnungen beinhaltet.  Mit seinen drei- bis viergeschossigen Flügelbauten stellt er sich gleichsam schützend vor die dahinter liegende kleinteiligere Bebauung. Die 1,5 bis 5-Zimmer-Wohnungen sollen durch ihre sehr unterschiedlichen Grundrisse zu einer sozialen Mischung beitragen. Die Maisonette- und Atriumwohnungen werden zwar über die an der lauten Straße liegende Südseite belichtet, jedoch von der ruhigen Hofseite im Norden belüftet. Direkt an der Verkehrsachse liegende Wohnungen verfügen über vorgeschaltete, einfachverglaste Loggien oder Atrien, die als akustische Puffer dienen. Die barrierefreie Erschließung fast aller Wohnungen wird über den Turm und dessen Aufzug ermöglicht. Mit einem Gemeinschaftsraum auf der zweiten Etage, der allen Bewohnern zur Verfügung steht, wird ein wenig dem alten Siedlungsideal Tribut gezollt.

Mauerwerk
Die Wohnanlage wurde aus Porenbetonsteinen gefertigt. Während die Außenwände zum Innenhof eine Dicke von 36,5 cm aufweisen, sind die Wände zu den Hauptverkehrsstraßen im Süden und Westen aus Schallschutzgründen rund 49 cm dick. Die vielfältigen Nutzungen des Hauses finden ihre Entsprechung in den Fassaden, die neben einer horizontalen Gliederung zum Teil leichte Verschiebungen von Öffnungen und Wandstärken aufweisen. Jeweils zwei Wohnungen nutzten gemeinsam ein durch Glasbauwände geteiltes Atrium.

Zwei weitere Gestaltungselemente sind Farbe und Struktur des Außenputzes, wobei die Farbwirkung maßgeblich durch die Beschaffenheit des Putzes bestimmt wird. Bei ein und demselben Farbton entsteht allein durch den Wechsel der Körnigkeit (8 und 5 mm, geglätteter Putz) der Eindruck einer Mehrfarbigkeit. Abhängig von der Körnung des Putzes und der jeweiligen Position der Passanten scheint die Fassade das Licht immer anders zu reflektieren. Dieses Spiel mit Farbe setzt sich auch im Innern des Gebäudes fort: Dort findet sie sich an den Fensterleibungen der halböffentlichen Bereiche, an einer Treppenhauswand, aber auch an den Wohnungseingangstüren und Loggien.

Bautafel

Architekten: Zillerplus Architekten, München
Projektbeteiligte: Thomas Bechinger, München (Farbkonzept); Irene Burkhardt, München (Landschaftsarchitektur); Siebenson und Bracher, München (Tragwerkpllanung); Ytong, Duisburg (Porenbeton-Mauerwerk); Maxit Deutschland, Breisach (Putzsystem Außenwände)
Bauherr: GWG - Gemeinnützige Wohnstätten- und Siedlungsgesellschaft, München
Fertigstellung: 2008
Standort: München
Bildnachweis: Xella, Duisburg

Architektenprofil

zillerplus
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