Boxhalle in Chihuahua

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Einschaliges Mauerwerk aus versetzt angeordneten Betonlochsteinen

Wer Sport treibt, verbringt seine Freizeit sinnvoll – eines der erklärten Ziele von Conade, der mexikanischen Nationalkommission für Körperkultur und Sport. Die Regierungsorganisation fördert Sportler, finanziert Einrichtungen zur körperlichen Ertüchtigung und unterstützt öffentliche Sportprogramme. In einem Stadtviertel von Chihuahua im Norden Mexikos errichtete die Kommission gemeinsam mit der lokalen Verwaltung eine öffentliche Boxhalle. Das Trainingscenter mit einer Mauerwerksfassade aus versetzt angeordneten Betonsteinen wurde vom ortsansässigen Architekturbüro Urbánika peplant.

Chihuahua ist mit über 800.000 Einwohnern die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates, der im Norden an die Vereinigten Staaten von Amerika grenzt und seit Jahren ein Brennpunkt des Drogenhandels ist. Die Boxhalle entstand in einem Stadtteil Chihuahuas, in dem größtenteils Familien mit niedrigem Einkommen leben und die Arbeitslosigkeits- und Kriminalitätsrate hoch sind. Die Einrichtung soll allen Anwohnern offen stehen und damit informelle Trainingsorte wie Garagen und Hinterhöfe ersetzen. Der Baukörper mit einer Nutzfläche von knapp 660 m² ist abgesehen vom Eingang weitgehend geschlossen gehalten. Für die indirekte Belichtung des Innenraums sorgt ein zwischen Fassade und Pultdach umlaufendes Fensterband.

Vor dem Eingang zum Trainingscenter schufen die Architekten einen 200 m² großen Vorplatz (eine sogenannte Plaza), eingefasst durch eine halbhohe, umlaufende Mauer und verschattet durch das weit auskragende Pultdach der Boxhalle. Ein kleiner Laden orientiert sich dorthin, er dient der Unterstützung der überwiegend freiwillig und unentgeltlich arbeitenden Trainer. Mit der Plaza, die in dem trockenen, heißen Klima der Region einen angenehmen Aufenthaltsraum im Freien bietet, entstand ein gemeinsamer Ort für die Nachbarschaft. Die Anwohner können sich hier treffen, auch wenn die Halle geschlossen ist. Deren Eingang bilden vier 3,8 x 3,8 m große Öffnungen mit zweiflügeligen Türen. Die stützenfreie Halle mit dem zentralen Boxring hat eine lichte Raumhöhe von sechs bis sieben Metern, zusätzliches Tageslicht wird über transluzente Paneele im Pultdach direkt über dem Boxring nach innen geführt. Unter der eingestellten Galerie befinden sich Sanitärbereiche und Nebenräume. Eine Treppe führt auf die Galerieebene mit Flächen für das Krafttraining sowie eine überdachte Außenterrasse für private Trainingseinheiten.

Mauerwerk
Das Tragwerk der Boxhalle besteht aus Stahlbetonstützen und -decken, das Pultdach ruht auf Stahlträgern. Für die Außenwände konzipierten die Architekten ein selbsttragendes, einschaliges Mauerwerk aus Betonlochsteinen.

Die Seitenflächen der Mauersteine im Format 20 x 20 x 40 cm sind unterschiedlich bearbeitet: Je eine Kopf- und eine Längsseite sind glatt geschliffen bzw. unbehandelt und rau belassen. Die Betonlochsteine wurden um sieben Grad aus der Mittellinie herausgedreht vermauert. Ihre rauen Oberflächen bilden die Außenfassade, die glatten Seiten das Sichtmauerwerk im Inneren der Halle. Die beiden Seiten sollen eine Assoziation zum Boxsport vermitteln: die raue Haut des Boxers als Gegenpol zu dessen künstlerischer Anmut im Ring.

Bautafel

Architekten:
Urbánika Arquitectura y diseño – Federico Campos & Oscar Chávez, Chihuahua
Projektbeteiligte: Leoncio Ceballos, Ana Lucia Lozoya, Humberto Mendoza, Adriana Baca, Lorena Méndez, Chihuahua
Bauherr: Municipio de Chihuahua; Instituto Municipal de Deporte / Conade
Fertigstellung: 2013
Standort:
Chihuahua, Mexiko
Bildnachweis: Guadalupe Campos, Theo Leinad und Urbánika Arquitectura y diseño, Chihuahua