Bürohochhaus in Linz/A
Heizen und Kühlen mit Geothermie
Mit der neuen Zentrale eines Energiekonzerns im Bahnhofsviertel von Linz ist nach Angaben des Bauherren das "weltweit erste Bürohochhaus mit Passivhauscharakter" entstanden. Gegenüber einem vergleichbaren Bauwerk in herkömmlicher Bauweise soll das Hochhaus bis zu 300 t CO2 im Jahr sparen. 74 m hoch und 19 Geschosse hat der sogenannte Power Tower, der die Konzernleitung und die Verwaltung beherbergt. Ergänzt wird er durch einen zweigeschossigen Sockelbau mit begrüntem Innenhof und Gründach. Hier sind ein Veranstaltungssaal, Besprechungs- und Schulungsräume sowie Küche und Speisesaal für die 600 Mitarbeiter untergebracht. Eine Tiefgarage bietet auf zwei Ebenen Platz für 248 Fahrzeuge.
Die weithin sichtbare gläserne Fassade des Hochhauses besteht zu 60 Prozent aus Glas und zu 40 Prozent aus hochisolierenden Materialien. Mit einem Gesamt-Wärmedämmwert Uges der Außenhülle von unter 0,8 W/m²K gewährleistet sie einen niedrigen Heizwärmebedarf und einen geringen Kühlbedarf. Zudem begrenzt die Außenhülle den solaren Wärmeeintrag in das Gebäude um 90%. Sie besteht aus dreifach verglasten Fenstern, einer Wärmedämmung und Aluminiumelementen mit einem neuartigen Sonnenschutzsystem. Dies lässt auch bei maximaler Verschattung ausreichend Tageslicht in die Innenräume und reduziert damit den Kunstlichteinsatz. Die Südwestfassade ist ein Sonnenkraftwerk. Auf 700 m² Außenfläche sind Solarmodule installiert, die pro Jahr 42.000 KW/h Sonnenstrom erzeugen. Zusätzlich besitzt die Fassade eine künstlerisch gestaltete Lichtinstallation mit 700 energiesparenden LED-Leuchten, die nachts für Lichteffekte sorgen.
Heizung/Energiekonzept
Das Energiekonzept des Bürokomplexes verzichtet für die Heizung und Kühlung auf fossile Energie und setzt stattdessen auf erneuerbare Energieträger. Das ist für ein Hochhaus dieser Größe bisher unüblich. Heizung, Kühlung und Lüftung übernimmt eine kombinierte Wärmepumpenanlage. Die Erdwärme liefert den Grundenergiebedarf für Heizung und Kühlung. 46 Erdwärmesonden mit einer Länge von je 150 m und 90 Energiepfähle im Fundament versorgen den Hochhauskomplex über Wärmepumpen mit Energie aus dem Erdreich. Im Sommer wird die beim Kühlbetrieb der Wärmepumpe entstehende Wärme zurück ins Erdreich abgegeben. Im Winter wird die Erdwärme für den Betrieb der Wärmepumpen für die Heizung des Hochhauses genutzt. Zusätzlich liefern zwei Grundwasser-Förderpumpen das Kühlwasser für die Klimatisierung des Rechenzentrums und die Frischluftversorgung. Die Abwärme des Rechenzentrums mit einer Wärmeleistung von 330 kW wird ebenfalls zum Heizen genutzt und kann rund 40 Prozent des gesamten Wärmebedarfs abdecken.
Die Heizkörper im Hochhaus besitzen einen hohen Strahlungsanteil. Radiatoren, Gebläsekonvektoren und Kühldecken können durch Einzelraumregler individuell nach Bedarf angesteuert werden. Die Technik für Heizung, Kühlung und Lüftung des Hochhauses ist in sieben Technikzentralen untergebracht.
Bautafel
Architekten: Weber Hofer Partner, Zürich/CH
Projektbeteiligte: Prof. Kaufmann & Partner, Linz/A (Bauleitung); Schindelar, Grieskirchen/A (Statik); TB Ökoenergie Greiff, Wels/A (Haustechnik); Metallbau Wastler, Linz; Fill Metallbau, Linz; GIG Fassadenbau, Attnang-Pucheim/A (Glas- und PV-Fassade); Heic GmbH, Wien (LED-PV-Glaselemente)
Bauherr: Energie AG Oberösterreich, Linz
Fertigstellung: August 2008
Standort: Böhmerwaldstraße, Linz, Österreich
Bildnachweis: Energie AG (1,5); Hilgers, Altenbach (2,4); Heic (4); Weber Hofer Partner (3)
