Plusenergiehaus in Wetzlar

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Luft-/Wasser-Wärmepumpe, Solarthermie und Photovoltaik

Erzeugt ein Gebäude mehr Energie, als seine Bewohner verbrauchen, handelt es sich um ein Plusenergiehaus. Im Wetzlaer Stadtteil Nauborn wohnt eine vierköpfige Familie in dem sogenannten Energie Plus Haus zur Miete. Das helle, großzügig geschnittene Einfamilienhaus ist ein Pilotprojekt, das in Zusammenarbeit eines Heizsystemanbieters mit einem Fertighaushersteller entstand. Es soll zeigen, dass der Bau von Plusenergiehäusern auch mit Standardkomponenten möglich ist.

Die Wohnfläche des teilweise unterkellerten Gebäudes beträgt 160 m². Im Erdgeschoss befinden sich der Wohn-/Essbereich mit offener Küche, ein Schlafraum mit Ankleide sowie Bad, Gäste-WC und ein Hauswirtschaftsraum. Die bis zum Boden reichenden Wohnzimmerfenster öffnen sich zur 50 m² großen Terrasse. Das Obergeschoss bietet drei Schlafräume, ein weiteres Bad und eine nach Westen ausgerichtete Dachterrasse. Zum Gebäude gehören außerdem zwei Stellflächen und der Garten.

Der Dämmstandard entspricht dem eines KfW-Effizienzhauses 55 (ehemals KfW 40). Der Jahresprimärenergiebedarf (Qp) beträgt 55% eines vergleichbaren Neubaus (Niedrigenergiehaus) nach EnEV 2009. Die 39 cm starke Außenwand hat einen U-Wert von 0,134 W/m²K, das Dach 0,145 W/m²K. Zur hochwärmegedämmten Gebäudehülle gehören eine ebenfalls gedämmte Kellerdecke, dreifach verglaste Holzfenster (Ug-Wert 0,5 W/m²K) und eine Hauseingangstür mit thermisch getrenntem Anschlagsystem. Der Primärenergiebedarf für Heizung und Warmwasser wurde mit 50 kWh/m² pro Jahr berechnet. Ob dieser Wert mit der Realität übereinstimmt, wird sich im Januar 2013 zeigen, wenn die Familie das Fertighaus ein Jahr lang bewohnt hat.

Energiekonzept
Die Wärme für die Heizung und das Warmwasser bereitet eine Luft/Wasser-Wärmepumpe zur Innenaufstellung. Die Heizleistung beträgt maximal 9 kW; eine Fußbodenheizung verteilt die Wärme auf die einzelnen Räume. Im oberen Bad ist zusätzlich ein Handtuchheizkörper an die Warmwasserheizung angeschlossen. Im Sommer arbeitet die Wärmepumpe im Umkehrbetrieb und kühlt das Haus über die Flächenverteilung. Darüber hinaus wird sie in Kombination mit einer solarthermischen Anlage betrieben. Die Kollektoren befinden sich an der Südost- und Südfassade des Gebäudes. Das solaraktive Fassadensystem ist eine Neuentwicklung und durchläuft hier seinen Testlauf.

Für ein angenehmes Raumklima sorgt die kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung. Um weitere Restenergieströme zu nutzen, kommt ein Duschwasser-Rekuperator zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein Wärmerückgewinnungsgerät für Abwasser. Das Duschwasser fließt im Inneren eines Kupfer-Doppelrohres ab, während das Frischwasser in der äußeren Röhre aufsteigt und dabei vom Abwasser erwärmt wird. Damit wird der Warmwasserbedarf beim Duschen halbiert.

Auf dem Dach befinden sich Photovoltaik-Module. Die Anlage besitzt eine Leistung von 10,8 kWp. Dem berechneten Energiebedarf von 7.550 kWh/a für Hausgeräte, Trinkwassererwärmung, Klimatisierung und Heizung steht eine erwartete Stromerzeugung von 9.100 kWh pro Jahr gegenüber. Mit dem Überschuss können die Mieter ihre vier Elektrofahrräder aufladen.

Bautafel

Projektbeteiligte: Schwörer Haus, Berlin (Planung Gebäude); Buderus Immobilien Gesellschaft (BIG), Wetzlar (Planung Technik und Bauherr); Schmidt Haustechnik, Wetzlar (Installation HLS); Bosch Thermotechnik, Wetzlar (Wärmepumpe/Lüftung/Solarthermie/Photovoltaik); Leicht Küchen, Waldstetten (Einbauküche); Robert Bosch, Gerlingen-Schillerhöhe (Hausgeräte)
Fertigstellung: 2011
Standort: Wetzlar-Nauborn

Surftipps

www.youtube.com  > Das Energieplus Haus