Dreifeldsporthalle in Karlsruhe

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Minimierter Technikeinsatz und Fernwärmenutzung (nach EWärmeG)

Seit sich die Universität Karlsruhe vor einigen Jahren mit dem städtischen Forschungszentrum zum Karlsruher Institut für Technologie, kurz KIT, zusammengeschlossen hat, zählt sie zu den weltweit größten Forschungs- und Lehreinrichtungen im Technologiebereich. Die meisten Fakultäten und Institute sind am Campus Süd angeordnet. Das Areal erstreckt sich vom nördlichen Rand der Innenstadt nahe des Karlsruher Schlosses bis in den angrenzenden Wald. Hier hat das Institut für Sportwissenschaften seinen Sitz. Es verfügt über eine eigene Dreifeldsporthalle, die nach Plänen der Architekten vom Büro SEHW errichtet wurde.

An einer der fächerförmigen Achsen des Schlosses gelegen, erforderte der Standort inmitten eines dichten Waldstücks von den Planern einen sensiblen Umgang mit der Natur. Im umliegenden Hardtwald wachsen schützenswerte Bäume und auch der vom Aussterben bedrohte Heldbockkäfer hat hier seinen Lebensraum. Um den Baumbestand zu erhalten und das Erscheinungsbild zu minimieren, senkten die Architekten den kompakten Sporthallenbau um 1,00 Meter ins Erdreich ab. Zusätzlich nahmen sie bei der Gestaltung der Gebäudehülle Waldmotive auf und verkleideten die Fassade mit dunklem Holz. Die großzügigen Öffnungen der horizontalen Fensterbänder sind in einem leicht reflektierenden Glas ausgeführt, in dem sich die umliegenden Bäume widerspiegeln.

Die zweigeschossige Halle ist für den Trainingsbetrieb von maximal 120 Studenten ausgelegt. Im nördlichen Teil des Erdgeschosses sind die drei Sportfelder angeordnet, deren Erschließung separat über einen Flur vom Foyer aus erfolgt. Bei Bedarf können sie zu einer Großraumhalle zusammengeschaltet werden. Im südlichen Funktionstrakt befinden sich Geräteräume, Umkleiden und WC-Räume; eine offene Treppe verbindet das Foyer im Erdgeschoss mit dem Obergeschoss. Hier liegen weitere Umkleide- und Sanitärräume, außerdem Übungsleiterräume, ein Zimmer für sportmotorische Tests, ein Beratungsraum sowie der Haustechnikraum. Bei der Innenraumgestaltung überwiegt das Grau der Betonflächen, aufgelockert durch kräftige Gelb- und Grüntöne. Lufträume zwischen den Geschossen bieten vielfältige Blickbezüge. So ist es beispielsweise möglich, vom Eingangsfoyer und vom Obergeschoss in die einzelnen Sportfelder zu schauen.

Motorisierte Raffstore außen an der West- und Südfassade schützen die Halle und die Aufenthaltsräume im Nebentrakt vor Sonneneinstrahlung. Das Sonnenschutzkonzept erlaubt im Sommer eine Tageslichtnutzung, nutzt solare Wärme im Winter und vermeidet ein zu starkes Aufheizen in den Sommermonaten. Eine zentrale Steuerung überwacht die Anlage.

Energiekonzept
Die Wärme für Heizung und Warmwasserbereitung liefert das Karlsruher Fernwärmenetz, deren Wärme stammt zum großen Teil aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) eines Kohle- und Gaskraftwerkes (Rheinhafen-Dampfkraftwerk). Die Übergabestation befindet sich in einem Nebengebäude, die Wärmeverteilung erfolgt in der Sporthalle über Deckenstrahlplatten, in den Nebenräume über Plattenheizkörper. Wegen der KWK erfüllt die Fernwärmeversorgung das Erneuerbare-Wärme-Gesetzes (EWärmeG) und die noch strengeren Vorgaben des Erneuerbare-Wärme-Landesgesetzes in Baden-Württemberg.

Fast alle Gebäudebereiche werden natürlich be- und entlüftet. Motorisierte Öffnungsflügel an der Nordseite und Oberlichter im Dach ermöglichen eine Querlüftung der Sporthalle. Eine mechanische Lüftung unterstützt das natürliche Lüftungskonzept und versorgt die Halle im Winter mit Frischluft. Alle Räume des Nebenraumtrakts haben manuell zu öffnende Lüftungsflügel. Die Rauch- und Wärmeabzugsanlage im Foyer kann im Sommer für die natürliche Entlüftung geöffnet werden.

Bautafel

Architekten: SEHW Architektur Xaver Egger, Berlin/Stuttgart
Projektbeteiligte:
SEHW Architektur, Niederlassung Stuttgart (Objektüberwachung, Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator); SLP Ingenieurbüro für Tragwerksplanung, Karlsruhe (Tragwerk); Ingenieurbüro Halter, Otterstadt (Planung Heizung/Lüftung/Sanitär); Ingenieurgesellschaft Jergler, Rheinstetten (Elektroplanung)
Bauherr:
Land Baden-Württemberg, vertreten durch den Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Karlsruhe
Fertigstellung:
2011
Standort:
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Campus Süd, Engler-Bunte-Ring 15, 76131 Karlsruhe
Bildnachweis: David Franck, Ostfildern für SEHW

Architektenprofil

SEHW
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