Versuchs- und Showküche in Bielefeld
Flächenkühlung für ein optimales Raumklima
Mit der Sanierung des ehemaligen Produktionsgebäudes unterstreicht die Firma Oetker ihre Verpflichtung gegenüber dem Standort und der regionalen Architektur. Nach der Auslagerung der Produktion in den Nachbarort Brackwede wurde 2004 mit der Generalsanierung des Gründungswerkes begonnen. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde das ursprüngliche Firmengebäude mit vielen Details in seinen ursprünglichen Zustand zurückverwandelt. Hierzu wurden u.a. auch Baustoffe wie Münsterländer Ziegel oder Dachpfannen aus Ton, die in der Region gefertigt wurden, ins Gebäude integriert.
Nach Plänen des Tübinger Architekturbüros Ackermann & Raff präsentiert sich das Gebäude mit einer typischen westfälisch-roten Klinkerfassade nun wieder im Stil der norddeutschen Reformarchitektur. Auf der zur Stadt gewandten Seite wurden zwei neue mit Ziegeln verkleidete Ziergiebel errichtet und dazwischen ein Vorbau in den gleichschenkligen Baukomplex integriert. Innerhalb des vierstöcken Gebäudes mit insgesamt 10.000 m² Nutzfläche wurde auch eine Versuchsküche integriert, die hinter einer 800 m² großen und nachts beleuchteten Glasfassade von außen einsehbar ist. Im Innern können sich auf rund 2.500 m² Besucher über das Unternehmen informieren.
Haustechnik/Heizung
Für ein stets optimales Raumklima müssen Raumtemperaturen aufgrund der hohen thermischen Innenlasten auf die zulässigen Werte heruntergekühlt werden. Als Systemlösung wurde ein Sekundär-Kühlsystem mit Heizungsrohren aus Kupfer gewählt. Diese Rohre eignen sich für eine Boden- und Wandheizung und sind sowohl zum Heizen als auch zum Kühlen geeignet. Um die durch die Glasfassade einwirkende Strahlungswärme und die von Personen ausgehende Körperwärme sowie die ständig eingeschaltete Beleuchtung und die von Geräten erzeugten inneren Wärmelasten auszugleichen, musste eine raumlufttechnische Systemfindung gewählt werden, die auch die abzuführenden zusätzlichen Feuchtelasten der hohen Besucherfrequentierung berücksichtigt. Das Flächenheizsystem 'cuprotherm-plus' führt die entstehende Grundlast ab, zusätzlich entstehende Lasten aus anderen Bereichen werden über eine Teiklimaanlage abgeführt.
Die zentrale Kälteerzeugung erfolgt über eine Kältezentrale in einem anderen Gebäude, von der die Kältefernleitungen in die Unterstation des ehemaligen Produktionsgebäudes geführt wird. Innerhalb dieser Unterzentrale wird das Kaltwasser über einen Wärmeübertrager zur Systemtrennung und zur Anhebung der Vorlauftemperatur geführt, wobei die Vorlauftemperatur der Fußbodenkühlung auf konstant 18 °C gehalten wird. Das durch den Fußboden strömende Kaltwasser erwärmt sich auf circa 20 °C Rücklauftemperatur und entzieht dem Raum Wärme. Der gesamte Fußboden im Erdgeschoss wurde als Flächenkühlung ausgebildet. Die Aufheizung durch diffuse Strahlung in der vorgelagerten Glashalle wird zum überwiegenden Teil über die Flächenkühlung ausgeglichen. Im Winter wird das System zur Heizung des Fußbodens mit Systemtemperaturen von 40/30 °C genutzt, wobei für die Grundlast im Bereich der Glasfassade zusätzliche Unterflurkonvektoren installiert wurden. Zudem wurden die Stahlträger der Fassade zur Vermeidung einer Taupunktunterschreitung als wasserführende Elemente ausgeführt.
Auf Grund der hohen inneren Lasten wurde auch für die Versuchsküche und die Seminarküche eine Kombination aus Teilklimaanlage (gekühle Zuluft) und Flächenkühlung gewählt. In diesem Bereich erfolgt jedoch im Gegensatz zum Erdgeschoss eine ganzjährige Kühlung ausschließlich über das Flächenkühlsystem. Die Klimatisierung des Restaurants, des Saales und der Konferenzräume im zweiten Obergeschoss erfolgt über eine Zuluftkonditionierung, bei der die Grundlast während der Heizperiode über konventionelle Heizkörper realisiert wurde. In den Räumen für die Ausstellung zur Dokumentation und Archivierung im Dachgeschoss wurden ausschließlich Flächenheizsysteme verlegt. Je nach Erfordernis ist hier jedoch auch eine Nachrüstung für eine spätere Flächenkühlung möglich.
Bautafel
Architekten: Ackermann & Raff, Tübingen
Projektbeteiligte: Peters + Winter Landschaftarchitekten, Bielefeld (Gestaltungskonzept Parkplatzanlage); (Rentschler und Riedesser, Leinfelden (Elektroplanung); Elektro Beckhoff, Verl (Elektroinstallation); Erco Leuchten, Lüdenscheid (Licht); Wieland-Werke AG, Ulm (Flächenheizung); Koch & Thüner, Herford (Heizungsfachbetrieb)
Bauherr: Dr. Oetker, Bielefeld
Fertigstellung: 2005
Standort: Bielefeld
Bildnachweis: Erco Leuchten, Lüdenscheid (1,2); Press-n-Relations, Ulm (3)
