Umweltbundesamt in Dessau
Energieffizientes Bürogebäude
Das Gebäude des Umweltbundesamtes wurde auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerkes im Norden der Stadt Dessau errichtet. Ein Teil des Baugrundes beinhaltet den ehemaligen Wörlitzer Bahnhof, dessen historisches Gebäude nun als Informationszentrum für das Umweltbundesamt dient. Die Gebäudekonzeption des Architekturbüros Sauerbruch-Hutton besteht aus einer langen viergeschossigen fließenden 'Büroschlange', die sich zu einer langgestreckten Schlaufe ausformt. Die Längsseiten der Schlaufe werden mittels Querriegel verbunden. Um einen Eingangsbereich zu formen, wurde die Büroschlange zum offenen U weitergeführt. Der daraus entstehende - zur Straße hin geöffnete - Hof ist mit einem gefalteten Glasdach und einer Glasfassade geschlossen. Innerhalb des Hofes wurde ein freistehender Hörsaal und im integrierten alten Farbikgebäude der Gasgeräteherstellung eine Bibliothek errichtet. Der Eingangsbereich des Umweltbundesamtes bildet den Übergang zwischen geschlossenem Baukörper und Stadt und bleibt daher die Öffentlichkeit zugänglich.
Haustechnik
Aufgrund der kompakten Formgebung lassen sich die Energieverluste an die Umgebung reduzieren. Über die Atrien wird sowohl ein passiver Solargewinn erreicht, als auch eine ausgewogene Tagesbelichtung der angrenzenden Büroräume ermöglicht. Aus diesem Grund wurden die Glasdächer mit Weißglas ausgeführt. Zielvorgabe des Projektes war, mindestens 15 % des Energieverbrauches mit erneuerbaren Energien zu decken, sowie den Heizwärmeverbrauch deutlich unter 30 kWh/m²a zu bringen. Um dieses Ziel zu erreichen wurde die Außenfassade aus hochwärmegedämmten, vorgefertigten Holzelementen errichtet. Das Energiekonzept wurde in der nachfolgend aufgeführten Kombination umgesetzt:
- Photovoltaikanlage
- Solarunterstützte Kälteanlage
- Erdwärmeübertrager
- Deponiegasnutzung
- Fernwärme
- Tageslichtnutzung und Sonnenschutz
- Tageslichtabhängige Beleuchtung
- Lüftungskonzept
- Nachtkühlung
Die Kälteleistung wird primär für die Umluftkühler in den EDV-Räumen sowie für die Tiefkühl- und Kühlzellen der Kantine verwendet, während die Büroräume keine künstliche Klimatisierung erhalten. Die Büroräume wurden mit speziellen, zweigeteilten Jalousien ausgerüstet. Im herabgelassenen Zustand verschattet der untere Teil, während der obere Teil das Tageslicht an die Decke und in die Raumtiefe lenkt. Darüber hinaus werden die Büros mit vorgewärmter oder gekühlter Frischluft aus dem Erdwärmeübertrager versorgt, wobei im überwiegenden Jahresanteil eine natürliche Raumlüftung angewendet werden sollte. Die Abluftwärme wird zurückgewonnen bzw. ins Atrium geleitet. Für den Datenverarbeitungs- und Kongressbereich wurden separate Raumlufttechnische Anlagen errichtet.
Um die kühlere Außenluft in freier Konvektion thermodynamisch über das wärmere Atrium abströmen zu lassen, wurden die Laibungen der Außenfenster mit Lamelleneinheiten ausgestattet. Man hofft, so eine natürliche Querlüftung durch das Gebäude zu bewirken. Zur Intensivierung der Nachtkühlung wurden die Unterdecken größtenteils nicht abgehängt und die Bürozwischenwände aus Lehmsteinen errichtet, um eine größere Speichermasse zu erhalten, die zu einem ausgeglichenen Innenraumklima beiträgt.
Bautafel
Architekten: sauerbruch hutton Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: Ingenieurbüro Zibell, Willner und Partner, Berlin-Dresden-Leipzig (Energieplanung und Simulation für Heizung, Raumluft und Tageslicht); Der Energiebeauftragte des Bundes Uwe Römmling IEMB e.V, Berlin (Energetische Zielvorgaben, begleitende Forschung zum Energiekonzept)
Bauherr: Staatliches Bauamt Dessau; Umweltbundesamt, Berlin
Fertigstellung: Mai 2005
Standort: Dessau
Bildnachweis: Benedikt Hotze, Berlin (1 - 3); sauerbruch hutton, Berlin (4)
