Schiestl-Schutzhütte am Hochschwab Steiermark/A

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Passivhaustechnologie auf 2.154 m ü.N.N.

Das Schiestlhaus am Hochschwab in der Steiermark wurde in einer Höhe von 2.154 m als erste Schutzhütte im Alpenraum in Passivhausqualität errichtet. Aufgrund ihrer zeitgemäßen Architektur und des intelligenten Raumkonzeptes in Verbindung mit der Nutzung nachhaltiger Technologien unter extremen alpinen klimatischen Bedingungen gilt sie als Pilotprojekt für solares und ökologisches Bauen.

Die Lage ermöglichte eine klare Orientierung nach Süden und erlaubt eine weitreichende Nutzung des in größeren Höhen günstigeren Strahlungsangebots. Analog dazu richtete sich das Raumkonzept: Im südlichen Gebäudebereich wurden die Aufenthalträume, wie Stube und Gästezimmer angeordnet. Durch ein Fensterband gelangt die Sonnenstrahlung in die Räume und erwärmt sie. Um die thermischen Verluste gering zu halten, wurden die unbeheizten Räume im Norden, Osten und Westen eingerichtet, Gänge und Garderoben sind nach Norden ausgerichtet. Die Südfassade wurde als Energie-Fassadensystem mit überwiegend fassadenintegrierten Solarkollektoren zur thermischen Energiegewinnung gestaltet. Im Brüstungsbereich der Terrasse wurden insgesamt 68 m² PV-Module und an den Oberlichtern der Balkontüren zusätzlich noch 5,6 m² Module integriert. Durch die Photovoltaikmodule im Brüstungsbereich der vorgelagerten Terrasse kann im Normaljahr 100% des Strombedarfs abgedeckt werden.

Aufgrund der fehlenden Infrastrukturanbindung auf 2.154 m und der exponierten Lage, gestaltete sich die Errichtung des Hauses als logistische Herausforderung. Die Anlieferung sämtlicher Baumaterialien erfolgte ebenso per Hubschrauber, wie die Montage der Fertigteile. Trotz dieser Bedingungen konnte das Projekt in einer nur wenige Monate dauernden Bauzeit fertig gestellt werden.

Bautechnik und Konstruktion

  • spezifischer Heizwärmebedarf: 11 kWh/m²a
  • U-Werte für: Außenwand 0,10 bis 0,11 W/m²K
    Dach 0,10 W/m²K
    Kellerdecke 0,19 W/m²K
  • Fenster Holz-Alu: Verglasung < 0,60 W/m²K; Gesamtkonstruktion < 0,80 W/m²K
  • EG, OG, Dach: Holzbau, Fertigteil, mehrschichtiger Aufbau
  • Fassade als Lärchenschalung horizontal geschraubt
  • UG: Massivbau, Ortbeton, minimierte Querschnitte
  • Terrassen, Balkone, Fluchtstiegen: Stahlkonstruktion verzinkt
Haustechnik
Die Schutzhütte wurde mit einem hocheffizienten Lüftungssystem ausgerüstet. Die Energieversorgung erfolgt energieautark über Photovoltaik, Solarthermie und einem Pflanzenöl-BHKW mittels Rapsöl. Aufgrund der eingesetzten Technologien, der thermischen Zonierung und des Einsatzes der kontrollierten Be- und Entlüftung mittels Lüftungsgeräten mit Wärmerückgewinnung kann die Schutzhütte auch bei Vollbelegung thermisch autark betrieben werden.

Das pflanzenölbetriebene BHKW und die PV-Anlagen wurden netzsynchron zusammengeschaltet. Die Generatoren der PV-Anlage decken mit 7,5 kWp ca. 65 % der benötigten elektrischen Energie ab; die verbleibenden 35 % werden durch das pflanzenölbetriebene BHKW ergänzt. Bei dem eingesetzten modularen PV-hybrid-AC-System handelt es sich um eine "Inselanlage mit Netzcharakter". Die Systemfindung besteht darin, dass jede Batterieeinheit am Ausgang wechselgerichtet wird und über spezielle Komponenten in der Lage ist, sich auf ein Wechselspannungsnetz aufzusynchronisieren. Das BHKW hat eine thermische Leistung von 27 kW und eine elektrische Leistung von 14 kW. Die thermische Energie wird in Pufferspeicher geladen und steht für die Heizung und Warmwasserbereitung zur Verfügung.

Das energetische Konzept wurde zudem mit einer 100%igen Regenwassernutzungsanlage für das Brauch- und Trinkwasser sowie mit einer biologischen Abwasserreinigungs- und Entsorgungsanlage vervollständigt. Sämtliche Abwässer werden soweit aufbereitet, dass sie ohne Bedenken ins Gelände versickern können. Das Regenwasser wird in eine Zisterne mit 34 m³ Inhalt geleitet und im Anschluss daran über die Trinkwasser-Tankanlage mit Grob- und Feinfilter sowie mit einer UV-Entkeimung zu 100 % für Brauch- und Trinkwasser aufbereitet.

Das Projekt erhielt als energieautarker alpiner Stützpunkt in Passivhausbauweise den Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit.

Bautafel

Architekten: ARGE solar4alpin: Treberspurg & Partner Architekten, Wien
Projektbeteiligte: pos architekten, Wien (Innenarchitekten); Robert Salzer (Statik-Holzbau), Gerald Gallasch (Statik-Massivbau); Wilhelm Hofbaue, IBO (Bauphysik); e+c Wimmer (Solarthermie, HKLS, MSR); ATB Becker (Photovoltaik, Elektro); Pokorny (Lichtplanung)
Bauherr: ÖTK Österreichischer Touristenklub, Wien
Fertigstellung: September 2005
Standort: St. Ilgen-Hochschwab/Steiermark
Bildnachweis: Treberspurg & Partner, Wien

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