Mediathek in Neckarsulm
Zeitgemäßes Haus mit integralem Energiekonzept
Die Mediathek in Neckarsulm besteht aus zwei gegenüberliegenden Gebäudeteilen mit jeweils einem Kellergeschoss und drei Geschossen über Terrain. Im fast quadratischen Südbaukörper, der "Bücherkiste", sind die Bücher- und Lesesäle sowie eine Kinderbibliothek und ein Bistro im Erdgeschoss angeordnet. Sein Äußeres ist an der West- und Nordfassade mit einer bedruckten Glashaut mit dahinter liegender Putzfassade versehen. Die offenen Nutzungsbereiche im Innern werden im Zentrum des Treppenaufgangs über Oberlichter ausgeleuchtet. Im geschwungenen länglichen Nordbau mit einer Natursteinverkleidung befinden sich der Veranstaltungsbereich, die Ausleihe, ein Lesescafé sowie Büros. Die Gebäude sind im 1. und 2. Obergeschoss mittels zweier verglaster und geschlossener Brücken miteinander verbunden.
Um einen ausreichenden Wärmeschutz zu erreichen, wurden die Fassaden entsprechend ihrer Ausrichtung entweder mit einer Sonnenschutz- oder einer Wärmeschutzverglasung versehen. In Verbindung mit einem effizienten, variablen Sonnenschutz wird der Ertrag externer Lasten auf ein Minimum reduziert. Aufgrund der Gefahr von Beschädigungen wurde die Glasfassade im Erdgeschoss des Nordbaus mit einem hoch verspiegelten innen liegenden Sonnenschutz ausgestattet während in den Obergeschossen außen liegende Lamellenraffstore den sommerlichen Wärmeschutz gewährleisten. Galerien und Lufträume im Gebäude sorgen für einen ausreichenden Luftwechsel.
Haustechnik
Das Energiekonzept für die Mediathek beinhaltet die Nutzung oberflächennaher Geothermie, die natürliche Be- und Entlüftung sämtlicher Räume über Klappen und Oberlichter sowie eine effektive Nachtauskühlung. Automatisch angesteuerte Oberlichter und RWA-Klappen im Dach sorgen für eine Auskühlung der Speichermassen und somit für eine wirksame Pufferung des Kühlpotenzials für den nächsten Tag. Die mechanischen RLT-Systeme mit stufenweiser Regelung werden lediglich im Fall erhöhter Außenlasten und Personenfrequentierungen bzw. zur Reduzierung der Lüftungswärmeverluste zugeschaltet. Im Bereich der Bibliothek wird zusätzlich die Abluft über eine Wärmerückgewinnung genutzt. Die Außenluftansaugung befindet sich an der kühleren Ostseite des Gebäudes, um eine Überhitzung im Hochsommer eine weitgehend zu vermeiden.
Durch die optimale Nutzung der Speichermassen in Verbindung mit einem Massivabsorber zur Erdwärmenutzung konnte auf eine konventionelle Kälteanlage und dem damit verbundenen Maschinenraum verzichtet werden. Der Fundament-Massivabsorber wurde in der Gründungsplatte der Tiefgarage integriert. Der Bodenaufbau des Massivabsorbers besteht aus Verwitterungslehm, einer kapillarbrechenden Schicht, einer Sauberkeitsschicht und einer Betonplatte mit integrierten Rohrregistern.
Die Gebäude sind an das Fernwärmenetz der Stadt angeschlossen. Fußbodenheizungen in den drei Geschossen der Bibliothek werden im Sommer mit kaltem Wasser durchströmt. Dazu wird die oberflächennahe Geothermie in Form von Erdkälte als natürliche regenerative Energiequelle genutzt. Zur Vermeidung von Kaltluftströmen vor den großen Glasflächen wurden im Erdgeschoss und im Lesescafé Unterflurkonvektoren bzw. Heizkörper installiert. Das energetische Potenzial wird durch eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von ca. 19 kWp abgerundet, die ca. 25 % des Strombedarfs der Bibliothek deckt. Zudem verbessert sie die CO2- Bilanz bzw. reduziert die Schadstoffemission.
Sämtliche Maßnahmen führen gegenüber einer konventionellen Lösung zu einer CO2-Schadstoffreduzierung von 30 % und entlasten so die Umwelt um ca. 12 Tonnen CO2 im Jahr.
Bautafel
Architekten: Bechler Krummlauf Teske, Heilbronn
Projektbeteiligte: PBS Peter Baustatik, Heilbronn und IB Krämer, Neckarsulm (Tragwerksplanung); Steinbeis-Transferzentrum, Stuttgart (Bauphysik/Energiekonzept/HLS); Wagner und Klein, Bad Friedrichshall (HLS); IB Herbel, Neckarsulm (Elektro)
Bauherr: Stadt Neckarsulm
Fertigstellung: Mai 2005
Standort: Urbanstraße 12, Neckarsulm
Bildnachweis: Dietmar Strauß, Stuttgart (1), Christian Kandzia, Esslingen (2-4)
