Leitstand eines Zementwerkes in Dotternhausen

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Konvektoren zum Heizen und Kühlen

Im zweigeschossigen Leitstand des Zementwerks Holcim werden die bis dahin zum Teil weit voneinander entfernten Leitstände des Drehrohrofens, der Zementmühlen und des Kraftwerks zusammengeführt. Auf Wunsch des Bauherren konzipierten die Architekten Thomas Kreuzer und Andreas Ernst das Gebäude nach der Geometrie eines Wankelmotors. Aus dem gleichmäßigen dreigeteilten Aufbau dieses Motors und dem länglichen Grundstück entstand so die äußere elliptische Form des Leitstandes. Das Gebäude ist das "Nervenzentrum" der Zementherstellung. Von hier aus haben die Mitarbeiter freie Sicht auf den Drehrohrofen mit dem Wärmetauscherturm. Beide Geschosse sind großzügig mit Sonnenschutzgläsern und transluzenten Glaselementen versehen. Sie versorgen den Innenraum mit viel natürlichem Licht und unterbinden gleichzeitig einen zu hohen Wärmeeintrag. Im Erdgeschoss befinden sich ein Büro, ein Aufenthalts- und Besprechungsraum sowie die Sozialräume.

Als Baumaterial kommt neben viel Glas überwiegend sichtbar belassener Beton zum Einsatz, schließlich produziert das Zementwerk Kies, Zement und Beton. Die formgebenden Betonbauteile – drei Wandscheiben, zwei elliptische Deckenplatten und eine umgekehrte Kegelstumpfstütze – sind so zueinander angeordnet, dass ein schwebender Effekt entsteht. Im Untergeschoss bildet ein geschliffener Sichtestrich mit Kieselzuschlag einen robusten Bodenbelag. Die beim Betonieren verwendeten dunkelbraun glänzenden Schaltafeln wurden hier als Gestaltungselemente für die Wände verwendet. Eine Sichtbetontreppe – das einzige Betonelement, das als Fertigteil hergestellt wurde – führt ins Obergeschoss. Hier wählten die Architekten für den Boden ein honigfarbenes Bambusparkett. Akustikelemente aus Rippenstreckmetall und Schrankwände aus rot durchgefärbten gelochten MDF-Akustikplatten reduzieren den Geräuschpegel und sorgen für eine angenehme Raumakustik.

Haustechnik
Beim Bau der Leitzentrale wurde nicht nur auf Ästhetik und Arbeitsergonomie geachtet, sondern auch eine energieeffiziente Bauphysik und Anlagentechnik umgesetzt. Im dem rundum verglasten Obergeschoss sind Boden-Induktionskonvektoren direkt vor der Fassade in den Doppelboden eingelassen. Mit dem Vier-Leiter-System ist ein Wechsel zwischen Heiz- und Kühlbetrieb jederzeit möglich. Da der Sonnenstand einen massiven Einfluss auf die Erwärmung der Leitwarte hat, sind die Bodenkonvektoren in Abhängigkeit von der jeweiligen Himmelsrichtung in sechs Regelzonen eingeteilt. Die Wärmeabfuhr der Innenlasten erfolgt zum Teil über das im Erdgeschoss aufgestellte RLT-Zentralgerät mit einem Luftdurchsatz von 4.200 m³/h. Dabei wird der Abluftstrom über einen im Zentralgerät angeordneten Plattenwärmeübertrager geleitet, der mit einem hohen Rückwärmeanteil zur Energiebilanz beiträgt. Das RLT-Zentralgerät enthält zudem Einbaukomponenten wie Lufterwärmer und Luftkühler. Die Heizenergie wird vom werkseigenen Kraftwerk geliefert. Ein hinter der Leitwarte aufgestellter luftgekühlter Kaltwassersatz dient zur Sicherstellung der Kühlenergie.

Durch Unterstützung der Betonkernaktivierung konnte der Kaltwassersatz kleiner dimensioniert werden, als es die sommerliche Maximallast erfordern würde. Die Betondecke wird aufgrund der Speicherfähigkeit und Phasenverschiebung über Nacht mit dem natürlichen Kühlpotenzial geladen. Die in ihr gespeicherte Energie deckt den Grundbedarf an Klimakälte. Die Nutzungsbereiche des Erdgeschosses sind mit Fußbodenheizungen ausgestattet. Der Luftwechsel erfolgt durch Fensterlüftung.

Wegen der exponierten Lage innerhalb des Zementwerkes enthält das RLT-Zentralgerät saugseitig eine Kaskade von Luftfiltern. Die Schwebstoff-Taschenfilter F5-, F7- und F9-Filter halten die im Zementwerk anfallenden Stäube zurück während ein abschließender Aktivkohlefilter Schutz vor Gerüchen bietet.

Bautafel

Architekten: architektur-k (Thomas Kreuzer und Andreas Ernst), Geisingen
Projektbeteiligte: Bau Mauch, Dunningen (Sichtbeton–Hochbau); W. Thiel, Singen (Planungsbüro für Gebäudetechnik); GEA Happel Klimatechnik, Herne (Klimatechnik); Baumeister Wärmetechnik, Rottweil (Ausführung Klimatechnik)
Bauherr: Holcim GmbH, Dotternhausen
Fertigstellung: Mai 2007
Standort: Dotternhausen (Baden-Württemberg)
Bildnachweis: architektur-k

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