Filmlagerhalle des Filmarchivs Austria in Laxenburg/A
Kupferfassade zur Energieeinsparung
Seit 1965 etablierte sich das Filmarchiv Austria in Laxenburg als Zentrum für Präservation, Restaurierung und Präsentation des österreichischen Filmerbes. In dem aus Platzgründen nötig gewordenen und als Langzeitspeicher ausgelegten Zentralfilmarchiv wird nun das gesamte audiovisuelle Kulturerbe unter optimalen konservierungstechnischen Bedingungen gelagert und archiviert.
Der Neubau der Architekten Embacher orientiert sich an den Proportionen des vorhandenen spätbarocken Nachbargebäudes, in dem Verwaltungs- und Lagerräume untergebracht sind. Zwischen den beiden Gebäuden befindet sich die Anlieferung mit transluzentem Vordach, das eine Verbindung zwischen Alt und Neu herstellt. Die Fassade wurde mit Kupferbändern in der Breite von Filmstreifen verkleidet - das Gebäude wird förmlich eingewickelt - so dass der Alterungsprozess sowohl von Architektur als auch von Filmen abgebildet werden kann. Im Laufe der Zeit wird sich die Fassade durch Ansetzen von Patina farblich verändern und das Gebäude wie ein organisches Flechtwerk erscheinen lassen. Darüber hinaus schützt die Fassade das Gebäude vor direkter Sonneneinstrahlung und trägt zur Optimierung der Klimatisierung bei.
Das zweigeschossige Lagergebäude wurde als nicht unterkellerter Betonmassivbau mit Leichtbetonwänden errichtet, nach außen hoch gedämmt und verputzt. In Verbindung mit der Wärmedämmung der Fassade und des Flachdaches gewährleistet die gewählte Massivbauweise die thermische Trägheit des Gebäudes.
Im Inneren wurden die mit Mobilregalanlagen ausgestatteten Raummodule auf den Platzbedarf der Filmrollen abgestimmt, um eine größtmögliche Lagerkapazität zu ermöglichen. Ein modernes, EDV-gestütztes Lagermanagement erlaubt die schnelle Titelsuche. Alle erfassten Filmtitel sind auf Knopfdruck abrufbar und mit funkgesteuerten, mobilen Pocket-PCs in kürzester Zeit auszuheben.
Die Kosten des Zentralarchivs beliefen sich auf 1,1 Mio. Euro bei einer Bauzeit von 10 Monaten.
Haustechnik
Besondere Aufmerksamkeit bei der technischen Ausgestaltung galt der Funktionalität und Kosteneffizienz. Die Lagertemperatur auf beiden Ebenen des Gebäudes beträgt konstant +6 °C bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 35 bis 40%. Für die besonders empfindlichen Negative wurde im Zentrum des Gebäudes ein Tiefkühldepot als Raum-im-Raum Konzept mit einer Regeltemperatur von -8 °C eingerichtet, der mit minimalem Energieverbrauch betrieben werden kann. Die gesamte Klimatechnik wurde aus Sicherheitsgründen als redundante Anlage ausgeführt, um einen unterbrechungsfreien Betrieb bei minimalen Energiekosten zu gewährleisten.
Die Kupferbandfassade erfüllt neben gestalterischen Aspekten die Anforderungen hinsichtlich des Energieverbrauchs, beschattet die Außenwände und war überdies als günstige Rollenware erhältlich. Die gesamte Haustechnik wurde nach außen verlegt, um den Lagerbestand nicht zu gefährden und eine kostengünstige Wartung sicherzustellen.
Bautafel
Architekten: Embacher, Wien
Projektbeteiligte: Gmeiner Haferl, Tragwerksplanung KEG, Wien (Statik); Käferhaus GmbH, Langenzersdorf (Haustechnik); Rudolf Balley, Krems (Klimatechnik); Elektro Rauhofer, Wien (Elektrotechnik)
Fertigstellung: Februar 2004
Bauherr: Filmarchiv Austria, Wien
Standort: Parkweg 89, Laxenburg
Bildnachweis: Embacher, Wien
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