Erwin Schrödinger-Zentrum in Berlin Adlershof

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Flächenheizung für abgesenkten Lesesaal

Südwestlich von Berlin entstand auf dem Gelände der ehemaligen Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt eine neue Wirtschafts- und Wissenschaftsstadt. Zentrum des Geländes ist das Erwin Schrödinger-Zentrum, vormals Informations- und Kommunikationszentrum, nach den Plänen des Architekten Daniel Gössler, in dem die wissenschaftliche Bibliothek und das Rechenzentrum der Humboldt-Universität untergebracht sind.

Vorgabe der Planung war die Forderung, vier aus den dreißiger Jahren stammende und unter Denkmalschutz stehende Gebäude auf dem Grundstück zu erhalten und in das Neubauprojekt einzugliedern. Dies gelang durch eine Verflechtung der Altbauten - welche das Achssystem vorgeben, sich jedoch in ihrer Materialität unterscheiden - mit den Neubauten. Drei der alten Hallen bilden einen U-förmigen Hof, der mit drei neuen Baukörpern verbunden wurde.
Die Erschließung erfolgt über die Rudower Chaussee. Ein 18 Meter hoher Schenkel, der mit der Verwaltung einen L-förmigen Baukörper bildet, nimmt den neuen Zugang auf und schließt den Neubau nach Süden. Ein ehemaliger Zufahrtsweg wurde überbaut und bildet nun das Foyer der neuen Anlage. Die zentrale Lage der quer liegenden Halle des Foyers ermöglicht eine gute interne Vernetzung, von hier erreicht man alle Nutzungen: die Bibliothek, den Multimediaraum, die Cafeteria mit Konferenzsaal und Buchladen sowie die großen und kleinen Hörsäle im Neubauquader. Räumliche Qualität erlangt das Gebäude durch die verschiedenen Arten des Lichteinfalls, die Gliederung der Raumtiefe durch Sichtbetonstützen sowie die Anschlüsse von bestehende an neue Bauten. An einem Ende des Foyers befinden sich Computernischen und eine Rollstuhlrampe.

Gegenüber führt eine ins Foyer ragende Treppe direkt zu den Seminarräumen im ersten Obergeschoss und zum Verwaltungstrakt im Gebäudeschenkel des Winkelbaus. In den darüber liegenden Geschossen sind Büros, Magazine und Technikflächen untergebracht. Die hinterlüftete Fassade des Gebäudewinkels ist mit vorpatinierten Zinkpaneelen verkleidet.
Kernstück des Gebäudeensembles ist der neu gebaute quadratische, zweigeschossige Lesesaal, in der insgesamt sieben Institutsbibliotheken zusammengefasst sind. Die neue Konstruktion des abgesenkten Lesesaals ist als Stahlkonstruktion mit Stahlkreuzstützen ausgebildet und nimmt Bezug auf das Konstruktionsraster der Altbaus. Von außen ist er durch das erhobene Dach und die würfelförmige, nordorientierte Oberlichtkonstruktion ablesbar, die die Lesesaalebene im Innern indirekt beleuchtet. Die Konzeption der Möblierung stammt von den Architekten. Sie entwarfen große eichenfurnierte Tische mit integrierten Netzwerkanschlüssen. Die Eichenflächen prägen auf angenehme Weise die Raumatmosphäre und sorgen für eine warme und schallgedämpfte Atmosphäre im Lesesaal.

Haustechnik/Heizung
Um eine bessere Übersicht zu ermöglichen, wurde im Lesesaal der Boden um 1,25 Meter abgesenkt. Für diesen Bereich kam eine Flächenheizung aus Kupferrohren der Marke cuprotherm von Wieland-Werke AG zur Ausführung. Bei hohen Räumen lässt sich durch eine Flächenheizung Energie einsparen, weil die Überheizung der Raumluft im Deckenbereich entfällt. In Bodennähe erzeugt sie eine optimale und gleichmäßige Wärmeverteilung, im Kopfbereich sorgt sie dagegen für kühlere Zonen. Zudem treten beim Einsatz von Flächenheizsystemen keine störenden Luftumwirbelungen auf, sie sind somit ideal für Allergiker. Die Luftgeschwindigkeit beträgt unter 0,1 m/s. Neben dem Lesesaal sind auch im Foyer Kupferrohre verlegt worden. Insgesamt wurden auf 1.395 Quadratmeter in 80 Heizkreisen 8.650 Meter laufendes Rohr der Dimension 14 x 0,8 installiert.

Bautafel

Architekten: Gössler Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: Ariane Röntz, Berlin (Landschaftsplanung); IBB Zoega & Danai, Berlin (Tragwerksplanung); pbr Planungsbüro Rohling, Osnabrück (Haustechnik); Wieland-Werke AG, Ulm (Flächenheizung); Franz Stange GmbH, Berlin (Heizung)
Bauherr: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Berlin, WISTA Management GmbH, Berlin
Fertigstellung: 2002
Standort: Rudower Chausse, Berlin
Bildnachweis: Marcus Bredt, Berlin (1, 2), Gössler Architekten, Berlin (3); Wieland-Werke AG, Ulm (4)

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