Büro- und Geschäftshaus in Ulm
Bauteilaktivierung kombiniert mit Flächenheizung
Die ideale Temperierung von Bürohäusern ist aufgrund der speziellen Anforderungen an das Raumklima eine planerische Herausforderung. Mit einem ganzheitlichen Planungsansatz erreichte man dieses Ziel bei einem Bauvorhaben im Ulmer Stadtteil Söflingen. So setzte man beim Bau des vierstöckigen Bürogebäudes auf regenerative Energieträger und platzsparende Haustechnikkomponenten, um die Betriebskosten und den Platzbedarf zu minimieren. Dies gelang durch die Kombination einer Grundwasser-Wärmepumpe mit einer Fußbodenheizung und -kühlung unter Einbeziehung der Decken durch Betonkernaktivierung.
Gebäudetechnik
Die Flächentemperierung im Fußboden- und Deckenbereich sorgt das ganze Jahr über für eine optimale und gleichmäßige Wärmeverteilung durch Strahlungswärme, die als besonders angenehm empfunden wird. Das System hat den Vorteil, dass es mit einer geringen Vorlauftemperatur von unter 35 °C im Heizfall und mit einer relativ hohen Vorlauftemperatur im Kühlfall arbeitet.
Die Wärmeversorgung erfolgt über eine reversible Grundwasser-Wärmepumpe mit einer Heizleistung von 40 kW, welche das Grundwasser im Sommer zur Gebäudekühlung nutzt. Die Heiz- und Kühllasten werden im Haus einerseits über die Fußbodenheizung und -kühlung abgedeckt, andererseits durch die thermische Bauteilaktivierung im Deckenbereich. Der Fußbodenaufbau gründet auf einer 30 mm Polystyrol Wärme- und Trittschalldämmung, auf die nach Verlegen einer Rasterfolie flexible Kupferrohre mit der Abmessung 16 x 2 mm installiert wurden. Die Rohrinstallation ist von einer 60 bzw. 65-mm-Estrichschicht überdeckt. Der abschließende Bodenbelag besteht aus Stein bzw. Nadelfilz.
Parallel zur Verlegung der Rohre im Fußbodenbereich wurden auf insgesamt 450 m² Fläche Rohre in den Betondecken installiert. Während die Räume über die Flächentemperierung im Winter mit 35 °C warmem Wasser beheizt werden, erfolgt die Temperierung im Sommer über passive Kühlung. Die Nutzung der Baukernaktivierung im Winter zur Erwärmung der Speichermassen unterstützt die Fußbodenheizung, sorgt für eine langsame und gleichmäßige Wärmeabgabe und gewährleistet darüber hinaus einen energieeffizienten Heizbetrieb. Über die Wärmepumpe wird zusätzlich eine Wandheizung im Nebengebäude mit Wärmeenergie versorgt – zur Beheizung einer Lagerhalle.
Die Be- und Entlüftung der Büroflächen erfolgt etagenweise über Systeme zur kontrollierten Wohnraumlüftung: Die verbrauchte Luft wird abgesaugt und die Frischluft über einen Kreuzstromwärmetauscher in das Gebäude geführt. So wird im Winter mit der warmen Abluft die Frischluft aufgewärmt und im Sommer mit der kühlen Abluft die warme Frischluft abgekühlt. Das System ist mit einem Wärmerückgewinnungsgrad von 90% besonders energieeffizient, dient dem hygienischen Luftwechsel und sorgt ganzjährig für ein behagliches Raumklima.
Bautafel
Architekten: Kauer Architekten, Langenau
Projektbeteiligte: Weber Energie- und Umwelttechnik, Wolfertschwenden (TGA-Konzeptentwicklung); Wieland-Werke, Ulm (Planung BKT und Flächentemperierung); Henseler, Langenau (Heizungsbau)
Bauherr: Anja Guschlbauer, Ulm
Fertigstellung: 2007
Standort: Magirus-Deutz-Str. 9, 89081 Ulm-Söflingen
