Weingut Erich und Walter Polz in Spielfeld/A
Flaschenregal als Lichtkörper
Beim Weingut Polz handelt es sich um ein ländliches Anwesen, das zwecks Verkostung und Verkauf in angenehmer Atmosphäre „zwischen steirischem Boden und internationalem Anspruch“ neu gestaltet wurde. Grundgedanke der architektonischen Konzeption bildet ein neuer Denkansatz, und zwar der des Bauens als
Symbiose mit der Landschaft – im Kontext eines zeitgemäßen Umgangs mit den Ressourcen des Grünlands. Das Hineinnehmen der Topografie des Weingartens in und über das Gebäude (Weinreben auf dem Flachdach und durch das Gebäude) sowie die Verschränkung zwischen Gewohntem und Neuem (Flaschenregal als Lichtkörper) prägen die innere und äußere Erscheinungsform des Ensembles.
Um das Ensemble nicht noch mehr zu verbauen, aber trotzdem mehr Platz für Weinverkostung und
Verkauf zu schaffen, wurde anstelle des ursprünglichen Kellereigebäudes der Verkaufsbereich gänzlich neu gestaltet. Er wurde selbst zu einem Teil des Weingartens am Grassnitzberg, indem das neue Gebäude zu
einem unterirdischen Objekt wurde, auf dem und durch das Weinreben wachsen. Unabdingbar damit verbunden ist diese Konzeption mit dem Freistellen des alten Weinstöckls im Weinberg anstelle des ursprünglichen Satteldaches. Als räumliches und ordnendes Verbindungselement zwischen dem alten Bauteil und der Servicezone fungiert ein gänzlich verglaster Gebäudeteil, vermittelnd zwischen steiniger Struktur und glattem Material.
Glas
Bemerkenswert ist die unterschiedliche räumliche Schichtung der Außenfassade: entlang der durchgehenden inneren Glasschicht hebt sich zuerst die hervorstehende raue Steinfassade ab, woran das nach hinten versetzte, mit Weinflaschen gefüllte Glasregal anschließt. Der Verkaufsraum ist somit Teil des für das Weingut spezifischen Durchwobenseins von Natur und Architektur.
Hinter einer ganz klaren, einfachen Glasfassade wurden das Flaschenregal so angeordnet, dass die runden Bodenflächen der Flaschen nach außen zeigen. Der Effekt ist verblüffend: nicht zuletzt weil sich bei unterschiedlicher Anordnung der Flaschen auch unterschiedliche Ein- und Aussichten ergeben.
Bautafel
Architekten: g2plus, Martina Grabensteiner, Norbert Grabensteiner, Wien/A
Projektbeteiligte: Büro Fröhlich & Locher, Wien (Statik)
Bauherr: Erich & Walter Polz Ges.m.b.H., Spielfeld/A
Fertigstellung: 2001
Standort: Spielfeld am Grassnitzberg, Österreich
Bildnachweis: g2plus, Harald Eisenberger, Walter Reichl
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