Great Court British Museum in London/UK

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Netzschale mit Isolierverglasung und Sonderknoten

Der Innenhof des um 1823 erbauten und 1850 von Sir Robert Smirke erweiterten Museums war bisher nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Kurz nach Fertigstellung war in der Mitte der berühmte Lesesaal des Museums eingerichtet worden, die übrigen Bereiche des Hofes wurden als Lagerräume genutzt. Der Umzug der British Library in einen im Sommer 1998 eingeweihten Neubau machte es möglich, den vernachlässigten Great Court für Besucher umzubauen und ihm zu neuem Glanz zu verhelfen. Rund 100 Millionen englische Pfund (ca. 320 Millionen Mark) wurden in das Projekt investiert. Durch den Umbau von Foster and Partners konnte der öffentliche Raum des Museums nun nahezu verdoppelt werden: In einem neu geschaffenen Untergeschoss findet ein pädagogisches Zentrum Platz. Neben einem Auditorium, einem Theater sind hier auch noch ein Besucherzentrum für Kinder und mehrere Seminarräume untergebracht. Im Erdgeschoss gibt es direkte Zugänge zu der ägyptischen Skulpturenhalle im Westen, zur King's Library im Osten und zur neuen ethnologischen Abteilung im Norden. Im Innenhof selbst führen zwei monumentale Treppen um den Leseraum herum zur Great Hall Gallery und dem Court Restaurant. Von der Restaurantebene werden die oberen Ausstellungräume des Museums über ein Brückenglied erschlossen.

Zum Hof gehört auch die neu errichtete, 65 Meter hohe südliche Säulenhalle, die als Foyer genutzt wird. Die drei Eingangsportale sollen dem erwarteten großen Besucherandrang Rechnung tragen. Überspannt wird der große Hof von einer filigranen Dachstruktur aus Stahl und Glas.

Glas
Die aus Dreieckselementen aufgebaute Dachschale spannt sich netzartig - mit einer flachen Wölbung - von der außermittig liegenden Kuppel des "reading-room" zu den rechtwinklig umschließenden Gebäudeflügeln des British Museum. Die dabei entstehende überdachte Fläche entspricht mit 95 x 74 m einem Fußballfeld. Die Dachschale selbst besteht aus 4878 verschiedenen Stäben, 1566 unterschiedlichen Knoten und 3312 unterschiedlichen Isolierglasscheiben mit einem Gewicht von 800 Tonnen.

Die besondere Herausforderung bei der Dachkonstruktion liegt in der Verziehung der pantheonähnlichen Kuppelkonstruktion zu einem Rechteck, so dass der ringförmige Kraftschluss fehlt und der Gewölbeschub über

  • biegesteife Randbögen
  • ausgesteifte Ecken und
  • den Aufbau einer steifen Dachschale
abgebaut werden muss. Ein spezieller Knoten wurde entwickelt, der die Kräfte sowie Biegemomente aufnehmen kann und zugleich den verschiedenen Winkeln zwischen den Stäben und ihrer Verdrehung Rechnung trägt. Die Herstellung des Daches folgte dem Prinzip der größtmöglichen, automatisierten Vorfertigung. Der Aufbau begann im September 1999 und endete im April 2000 mit dem "De-Propping", dem stufenweisen Herabsetzen der Unterstützungen, durch das die Konstruktion auch ihre endgültige statische Tragkraft erhielt.

Die Dachverglasung besteht aus 3312 verschieden großen Dreiecksscheiben, die direkt auf den Trägern der Stahlkonstruktion aufliegen. Für die Verglasung mit den speziellen Anforderungen bezüglich Klimatisierung, Sonnenschutz und blendfreie Ausleuchtung des darunter liegenden Raumes wurden spezielle Glasaufbauten entwickelt, die sich in der Anordnung nicht grundlegend von gewöhnlichen Überkopfverglasungen unterscheiden, deren technische Werte jedoch mittels
  • Glasstärke
  • Glasfarbe
  • pyrolytische Beschichtung sowie
  • Siebdruckbschichtung
den besonderen Anforderungen entsprechend entwickelt wurden.

Die Kuppel verfügt über eine natürliche Be- und Entlüftung, die aus elektrisch öffenbaren Aluminiumpaneelen im Übergangsbereich zwischen Gebäude und der Konstruktion besteht. Der hier befindliche 1,50 - 2,00 m große Abstand zwischen Betonträger an der Gebäudeoberkante und den Stützen des Perimeters ist mit einer Kombination dieser Alupaneele und Festverglasungen ausgekleidet. Um den Perimeter verläuft eine Rinne zur Dachentwässerung, die über ein Fallrohrsystem mit dem allgemeinen Abflusssystem des Bauwerks verbunden ist.

Bautafel

Architekten: Foster & Partners, London
Projektbeteiligte: Ingenieurbüro Happold, London (Geometrie Dachnetz, Tragwerksgestaltung); Waagner Biro Stahl Glas Technik, Wien/London (Detaildesign, Herstellung/Einbau Stahlgitterkonstruktion)
Bauherr: Trustees of the British Museum
Fertigstellung: Dezember 2000
Standort: Great Russell Street, London
Bildnachweis: Dennis Gilbert/View und Nigel Young/Foster and Partners

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