Villa Kogelhof in Noord-Beveland

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Kompromisslos gläsern

Unendliche Weiten gibt es nicht nur im Weltall, sondern auch auf der Insel Noord-Beveland in der niederländischen Provinz Zeeland. Flaches Land und Wasser, soweit das Auge reicht – und mitten drin ein gläserner Riegel, der über der Landschaft zu schweben scheint. Es ist die von ​​​​Paul de Ruiter Architects für eine vierköpfige Familie entworfene Villa Kogelhof.

Um in dieser exponierten Lage bauen zu dürfen, gingen die wohlhabenden Bauherren einen Deal mit den Behörden ein. Sie erwarben 25 Hektar des einstigen Ackerlandes und versprachen, es vollständig zu renaturieren und als Naherholungsgebiet der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bislang wurden 71.000 sechs Jahre alte Bäume gepflanzt und 70.000 Kubikmeter Erde für einen neuen Teich ausgehoben. An dessen Rand erhebt sich der rundum verglaste Bau, der lediglich über ein v-förmiges Stützenpaar sowie einen Erschließungskern mit dem Boden verbunden ist. Von außen nicht sichtbar, verläuft unterirdisch ein zweiter Baukörper: Rechtwinklig zum oberen angeordnet, ist dessen Dach als flaches Wasserbecken ausgebildet. Die Bruttogeschossfläche des gesamten Hauses beträgt 715 Quadratmeter.

Im Untergeschoss befinden sich neben den Parkplätzen für einen Traktor und sechs Autos (!) ein geräumiges Büro, ein Bad und ein Abstellraum, außerdem die Haustechnik. Über den verglasten Treppenaufgang geht es in den offen gestalteten Wohntrakt vier Meter über dem gefluteten Flachdach. An den beiden Schmalseiten sind die Schlafräume angeordnet, ansonsten ist der Großraum nur durch einen verglasten Patio sowie eine eingestellte Küchenbox gegliedert. Raumhoch und rundum von Glas umhüllt, offenbart sich hier der eigentliche Luxus des Hauses: der weite, unverbaute Blick in alle Himmelsrichtungen – und das in einem so dicht besiedelten Land wie den Niederlanden.

Unabhängigkeit wünschten sich die Bauherren auch in energietechnischer Hinsicht. Geheizt wird mittels Luft-Wärmepumpe und Holzpelletsofen, dessen Rohstoffversorgung in einigen Jahren durch den angepflanzten Wald sichergestellt sein soll. Geplant sind außerdem ein Windrad und PV-Module auf dem Dach, die elektrische Energie erzeugen sollen.

Glas
Die oberirdische Fassade umfasst eine Fläche von insgesamt 323 Quadratmetern und besteht aus zweifach Isoliergläsern mit 10 mm Floatglas an der Außenseite und 2 x 10 mm VSG aus Weißglas innen, das aufgrund des geringen Eisenoxidanteils nicht den glastypischen Grünstich aufweist. Jede Scheibe ist etwa sechs Quadratmeter groß. Auf der Innenseite der Außenscheibe (Position 2) ist eine Sonnenschutzbeschichtung aufgebracht. Des Weiteren wurden zahlreiche Einscheibensicherheitsgläser im Innenbereich verbaut. Einige bestehen aus Verbundsicherheitsglas und sind teils satiniert.

Die Glasscheiben der Fassade spannen zweiachsig zwischen den Deckenplatten; ihre vertikale Fugen sind verklebt. Bei Bedarf können hinter der Fassadenebene Stoffbahnen herabgefahren werden. Diese dienen zum einen als Blendschutz, zum anderen lässt sich mit ihnen eine temporäre Doppelfassade erzeugen, in der die warme Luft mithilfe eines geregelten Lüftungssystems entzogen wird.

Bautafel

Architekt: ​​​​Paul de Ruiter Architects, Amsterdam
Projektbeteiligte:
Si-X, Benthuizen (Statische Berechnung Glas); Thiele Glas, Wermsdorf (Glashersteller); Saint-Gobain Glass, Aachen (Sonnenschutzverglasung); Smits van Burgst, Zoetermeer (Bauphysik); J. van der Linde, Goes (Bauunternehmen); Bosch Slabbers, Middelburg (Landschaftsarchitektur)
Bauherr: privat
Fertigstellung: 2013
Standort: Noord-Beveland, Niederlande
Bildnachweis: Jeroen Musch, Rotterdam

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