Konzert- und Konferenzzentrum Harpa in Reykjavik/IS

Bildergalerie | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | ... | 22 |

Ausfachende Glaselemente mit dichroitischem Glas

Unmittelbar am alten Hafen der Stadt Reykjavik liegt das Konzert- und Konferenzzentrum Harpa an der Grenze zwischen Land und Wasser. Geplant wurde es vom dänischen Architekturbüro Henning Larsen in Zusammenarbeit mit dem isländischen Büro Batteriid Architects. Bei ihrem Entwurf ließen sie sich vor allem durch die isländische Natur inspirieren: Während die Gebäudekubatur an die schroff abfallende Felsenküste erinnern soll, ist die farbliche Gestaltung der Fassade den schwarz glänzenden Basaltformationen der isländischen Vulkanlandschaft nachempfunden.

Das Gebäude besteht aus zwei großen quaderförmigen Volumen mit schrägen Kanten, die leicht versetzt zueinander angeordnet sind. Der Neubau ist 43 m hoch und umfasst 28.000 m². Er beherbergt eine Konzerthalle für 1.800 Besucher, drei große und mehrere kleinere Konferenzräume sowie eine Bar und ein Restaurant.

Glas
Eine Besonderheit ist die von dem Künstler Olafur Eliasson entwickelte und gemeinsam mit den Architekten konzipierte Fassade mit wabenartiger Struktur. Die darin ausfachenden Glaselemente reagieren mit einem Spiel aus wechselnden Farben auf Tageslicht und Wetter. Eigens für diesen Effekt wurden Isoliergläser und Verbundsicherheitsgläser eingesetzt, bei denen sogenanntes dichroitisches Glas zum Einsatz kam. Das auch als Farbeffektglas bekannte Material verändert je nach Sonneneinstrahlung oder Betrachtungswinkel seine Farbe und verleiht so der Konzerthalle ein glitzernd-schillerndes Äußeres. Die Verglasung lässt nur bestimmte Wellenbereiche des Lichtes durch, alle restlichen Wellenlängen werden reflektiert. Die eingesetzten Farben – Gelb, Orange und Grün – sind in direkter Durchsicht zu sehen, in der Reflexion erscheinen die jeweiligen Komplementärfarben.

Die zur Stadt gerichtete Südseite des Gebäudes besteht aus mehr als 1.000 zwölfseitigen Glaselementen, die in Stahlrahmen gefasst sind. Für die Struktur der übrigen Fassaden inklusive der Dachfläche legten die Architekten einen Schnitt durch den dreidimensionalen Aufbau der Doppelfassade der Südseite und erhielten so ein bienenwabenartiges Muster mit sechseckigen Elementen.

Zum Einsatz kamen spezielle Isoliergläser, die nicht nur den gestalterischen Vorgaben der Architekten entsprechen, sondern auch die wärmeschutztechnischen Anforderungen an die Fassade erfüllen. Über ein im Randverbund statisch tragendes, verklebtes U-Profil ist die Innenscheibe mit der Unterkonstruktion mechanisch verbunden; die äußere Scheibe wird über eine definierte Verklebung gehalten. Die Glasscheiben bestehen auf der Außenseite aus 12 mm starken Verbundsicherheitsgläsern, die je nach Anordnung in der Fassade mit dichroitischen, hochreflektierenden oder entspiegelten Gläsern ausgeführt sind. Auf den 16 mm breiten Scheibenzwischenraum mit Edelgasfüllung folgt auf der Innenseite ebenfalls ein 12 mm dickes, aus Weißglas hergestelltes Einscheibensicherheitsglas. Mit diesem System ließ sich die flächenbündige Ganzglasfassaden ohne optisch erkennbare konstruktive Merkmale realisieren.

Bautafel

Architekt: Henning Larsen Architects, Kopenhagen/DK; Batteriid Architects, Hafnarfjordur/IS
Projektbeteiligte: Studio Olafur Eliasson, Berlin/Kopenhagen und Henning Larsen Architects, Kopenhagen/DK (Künstlerische Fassadenplanung); Art Engineering, Oberaichen; Rambøll, Kopenhagen/DK; Mannvit Engineers, Reykjavík/IS; Hnit, Reykjavík/IS; Verkis Consulting Engineers; Reykjavík/IS (Fassadenplanung); IAV, Reykjavík/IS (Bauunternehmen); Schollglas Sachsen, Nossen (Isolierglas); Artec, (Akustik)
Bauherr: Austurnhofn TR – East Harbour Project, Reykjavík/IS
Fertigstellung: 2011
Standort: Ingólfsgarður, 101 Reykjavík/IS
Bildnachweis: Henning Larsen Architects, Kopenhagen/DK

Standort in Google Maps anzeigen