Forum Marienberg in Neuss

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Sieb- und Digitaldruck auf Weißglas

Zusammen mit dem Kloster Marienberg bilden das katholische Mädchengymnasium und das erzbischöfliche Berufskolleg ein abgeschlossenes Gebäudeensemble im Herzen der Stadt Neuss. Gestiegene Schülerzahlen und geänderte Anforderungen an den Schulbetrieb machten eine Erweiterung erforderlich, für die das Grundstück keinen Platz bot. Benötigt wurde ein Gebäude mit Mensa und variablem Veranstaltungsraum für unterschiedliche Nutzungen wie Theateraufführungen, Konzerte, Berufsmessen und Feiern. Eine Lösung fand sich schließlich mit der Cretschmarhalle, einem ehemaligen Lagergebäude auf der anderen Straßenseite der Ausbildungsstätte und direkt am Rhein gelegen. Die Halle stand seit einigen Jahren leer und bot in einem Teilbereich ideale Voraussetzungen, um das geforderte Raumprogramm aufzunehmen. Die Planung für den Umbau des nun Forum Marienberg genannten Gebäudes stammt vom Architekturbüro Ingenhoven & Ingenhoven aus Neuss.

Die Architekten behielten die Baustruktur der Halle weitgehend bei. In einem Teilbereich wurden zwei neue Ebenen eingezogen, um Platz für die Küche im Erdgeschoss, die Lüftungstechnik im Zwischengeschoss und den Zugang für die Schüler im Obergeschoss zu schaffen. Der restliche Teil der Halle blieb in der gesamten Raumhöhe erhalten und dient nun als Versammlungsraum. Die Verbindung zwischen Schule und Forum erfolgt über eine 33 m lange Fußgängerbrücke über die Batteriestraße. Sie ist als Stahlfachwerkträgerkonstruktion mit dreieckigen Seitenflächen aus Glas ausgeführt und erschließt die umgebaute Halle im Obergeschoss. Neben einer Windfanganlage sind hier Garderoben, WC-Anlagen und ein Café angeordnet. Eine Empore mit Sitzstufen auf gesamter Hallenbreite ragt in den Versammlungsraum und wird als Aufenthaltsbereich in den Pausen genutzt. Bei Veranstaltungen kann sie abgetrennt werden und dient als oberer Zuschauerrang. Eine offene Treppenanlage führt ins Erdgeschoss. Im rückwärtigen Bereich befindet sich die Küche mit Neben- und Lagerräumen, im vorderen die Essensausgabe. Angrenzend liegt der Veranstaltungsraum, der tagsüber als Speisesaal genutzt wird. Bei Abendveranstaltungen verwandelt sich die Essensausgabe in ein Eingangsfoyer mit direktem Zugang von der Uferpromenade aus. Die gesamte Halle wurde raumseitig wärmegedämmt und zur Verbesserung der Raumakustik mit einer perforierten Wandverkleidung aus Leichtmetall verkleidet.

Die äußere Hülle zeigt sich mit sehr unterschiedlichen Fassaden. Während die vorhandene Klinkerfassade an den Schmalseiten und zur Batteriestraße hin erhalten blieb, wurde die Bestandsfassade an der Uferpromenade abgebrochen und durch eine Glasfassade ersetzt. Diese ist mit einem gebäudehohen Schriftzug und einem einheitlichen Punktraster bedruckt.

Glas
Über die verglaste Fassade wird das gesamte Gebäude natürlich belichtet. Klappfenster im Obergeschoss ermöglichen ein individuelles Belüften der Räume. Eingebaut wurde ein Sonnenschutz-Isolierglas aus Weißglas mit einer Außenscheibe aus 8 mm Einscheibensicherheitsglas ESG-H (heat-soaked) und einer Innenscheibe aus 12 mm Verbundsicherheitsglas. Das eisenoxidarme Glas besitzt einen Wärmedurchgangskoeffizienten (Ug-Wert) von 1,0 W/m²K, schützt im Sommer vor Überhitzung und verfügt über eine neutrale Farbwiedergabe. Damit eignet es sich besonders gut für die Weiterverarbeitung etwa durch Bedrucken.

Das erfolgte bei der umgebauten Halle im Digitaldruckverfahren. Zum Einsatz kam eine keramische Farbe in Weiß, die auf Position 2 des Isolierglases aufgetragen wurde. Für die Abbildung des Schriftzuges FORUM wurde für jede Scheibe eine eigene Designvorlage erstellt. Einen besonderen optischen Effekt erzielten die Architekten durch die optische Zweiteilung der Buchstaben. Die oberen Buchstabenteile erhielten kein Punktraster, während die unteren Bereiche bedruckt wurden. So wechseln transparente und semitransparente Fassadenabschnitte. Die Punktgröße und der Rasterabstand sind bei allen bedruckten Scheiben gleich.

Außer der Fassade wurden auch die Gläser der Fußgängerbrücke bedruckt; hier allerdings mit einem Siebdruck in der Farbe Schwarz. Um Blendungen der Gläser durch Reflexionen des Sonnenlichts für den Autoverkehr auszuschließen, wurde der Bedruckungsgrad an der Südseite mit 80% und an der Nordseite mit 20% ausgeführt.

Bautafel

Architekten: Ingenhoven & Ingenhoven Architekten, Neuss
Projektbeteiligte: Gehlen Beratende Ingenieure für Bauwesen, Düsseldorf (Tragwerksplanung/Brandschutz); Ingenieurbüro Hollmann, Neuss (Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektro); Stahlbau Magdeburg, Magdeburg (Fußgängerbrücke); Metallbau Schuler, Übach-Palenberg (Glasfassade); Flachglas Wernberg, Wernberg-Köblitz (Glasfertigung und Druck)
Bauherr: Stiftung Kinderheim St. Anna und Schule Marienberg, Neuss
Fertigstellung: 2011
Standort: Batteriestraße 5, 41460 Neuss

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