Wohnhaus in Schlins/A

Bildergalerie | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | ... | 20 |

Aus dem Hang gewachsenes Lehmhaus mit eingefügten Ziegelleisten

Die Materialität und die Gestalt dieses Wohnhauses im österreichischen Vorarlberg sind direkte Reaktionen auf die steile Südhang-Lage der schmalen Parzelle und auf ihren landschaftlichen Kontext. Ein monolithischer, dreigeschossiger Baukörper scheint sich wie ein skulpturaler Block aus dem Boden herauszuschieben, wobei das Erd- und erste Obergeschoss im hinteren Bereich noch unterirdisch liegen. Zwei Einschnitte, einer auf der Ost- und einer auf der Westseite artikulieren den Baukörper und bilden zum Tal eine Auftakts- und Empfangsgeste. Große Fenstereinschnitte belichten das Innere, durch eine mit Glassteinen durchsetzte Kuppel dringt zudem Tageslicht in den turmartigen Treppenschacht, der die einzelnen Ebenen miteinander verbindet.

Geplant und gebaut wurde das Lehmhaus von dem Lehmbaupionier Martin Rauch und dem Architekten Roger Boltshauser. Rauch ist mit seiner „Lehm Ton Erde - Werkstatt für Keramik und Lehmbau“ gleichzeitig der Bauherr und benutzte den Bauprozess auch als Experimentierfeld. Im Gegensatz zu archaischen, organischeren Lehmarchitekturen verfolgt die Gestalt des Gebäudes eine gewisse Klarheit und Scharfkantigkeit. Zwischen den typischen Lehmschichten sind Lagen aus Ziegelleisten eingefügt, die die Horizontalität des Baukörpers betonen und das Licht- und Schattenspiel der Oberflächentextur verstärken. Gleichzeitig wirken sie wie eine Tropfnase und verhindern das Auswaschen der Fassade.

Das Haus ist direkt aus dem Hang „gewachsen“, denn für seine Errichtung wurde überwiegend die Erde aus dem Aushub verwendet. Die Erde musste bis zu einer Korngröße von 0-30 Millimeter gesiebt und mit unterschiedlichsten Verarbeitungstechniken im Bauprozess wiederverwendet werden. Daraus entstanden je nach Korngröße die tragenden Wände, Böden und Drainageabdichtungen oder auch die Kaminöfen. Die Außenwände sind 45 Zentimeter dick und wurden als Stampflehmwände ausgeführt. Bei dieser Bauweise werden mehrere Schichten des erdfeuchten Lehms zwischen eine druckfeste Schalung geschüttet und mit Pressluftstampfern verdichtet. Die erdberührenden Wände sind mit Bitumen- und Schaumglasisolierungen abgedichtet, die restlichen Wandflächen konnten unbehandelt bleiben.

Im Inneren wird die Raumfolge begleitet vom Verlauf verschiedener Bearbeitungsstufen der Oberfläche, diese entwickelt sie sich dabei vom Rohen zum Glatten. In der gesamten Konstruktion gibt es keine Folien oder Dichtungsschäume, sondern nur nachwachsende Isolationsmaterialien und Winddichtungen aus Lehm. Alle Materialien wurden während der Bauzeit dokumentiert und sollen bezüglich ihrer Energie- und Klimadaten noch ausgewertet werden.

Lehm als Baustoff zu verwenden ist in unseren Breitengraden zwar eher selten, hat aber im ökologischen und baubiologischen Sinn folgende Vorteile: die Produktion des Baustoffes verbraucht kaum Primärenergie, im Fall des Wohnhaus Rauch war er sogar bereits auf dem Bauplatz vorhanden, er kann auf verschiedenste Weise weiterverarbeitet werden, kann Wärme speichern und die Luftfeuchtigkeit regulieren, was zu einer guten Innenraumluftqualität führt.

Bautafel

Architekten: Roger Boltshauser, Zürich/CH und Martin Rauch, Schlins/A
Bauherr: Lehm Ton Erde - Werkstätte für Keramik und Lehmbau, Martin Rauch, Schlins/A
Projektbeteiligte: Lehm Ton Erde - Werkstätte für Keramik und Lehmbau, Martin Rauch, Schlins/A (Lehmbau); Josef Tomaselli, Nenzing (Bauingenieur)
Fertigstellung: 2007
Standort: Torkelweg 17, Schlins, Vorarlberg/A
Bildnachweis: Beat Bühler Fotografie, Zürich/CH

Standort in Google Maps anzeigen