Wohnhaus in Berlin-Westend

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Schilfrohrdämmung und Aufstockung mit Lehmsteinen

Im Berliner Stadtteil Westend entstand in den 1930er Jahren ein Wohnhaus, das während des 2. Weltkriegs stark zerstört wurde. Nach den Plänen des Berliner Büros Roswag & Jankowski Architekten wurde es 2007 in den ursprünglichen Abmessungen von 11,00 x 11,00 m als „Berliner Würfel“ wiederhergestellt – bei der Ausführung wurde besonderer Wert auf die Verwendung gesunder, natürlicher und ressourcenschonender Baumaterialien gelegt. Heute fügt sich das zweigeschossige Wohnhaus mit weißem Lehmputz und Schilfrohrdämmung in die Nachbarschaft der freistehenden Villen und Gärten selbstbewusst ein.

Über einen Hofbereich erreicht man eine aus Holz errichtete pyramidenförmige Treppenanlage, die in das über dem Gartenniveau liegende Erdgeschoss führt. Die Innenräume des Wohnhauses sind weiß und hell gestaltet. Große Schiebetüren erlauben im EG eine offene Raumfolge der Bereich Wohnen und Essen sowie der Kanzlei der Bauherrin und den vorgelagerten Terrassen. Große Fenster und Fenstertüren schaffen Blickbezüge zu den umliegenden Gärten. Das Treppenhaus endet im Obergeschoss in einer großzügigen Bibliothek. Die übrigen Räume des OGs dienen als privater Wohn- und Rückzugsraum, auch hier gewähren die großen Fensteröffnungen vielfältige Ausblicke in das umgebende Grün.

In der Ausführung spielte neben dem Einsatz gesunder Baumaterialien die Planung von dauerhaften Konstruktionen eine entscheidende Rolle. Auf den vorhandenen Bestand wurde als Obergeschoss eine Holzkonstruktion mit Zellulosedämmung und Lehmsteinen aufgesetzt. Innen erhielten die Wände Lehmputze und weißen Lehmfeinputz, von außen sind sie mit einer Schilfrohrdämmung (12 cm) mit Luftkalkputz (3 cm) versehen – diese Art des Vollwärmeschutzes wurde so erstmalig in Deutschland ausgeführt.

Über die Dämmmaßnahmen an der Gebäudehülle und den Einbau einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung wurde der Energiebedarf auf 60% abgesenkt. Die verwendeten natürlichen Baustoffe reduzieren den Energieaufwand in der Errichtung, so dass auf einen Lebenszyklus von 50 Jahren mit einer Energieeinsparung von 50% gegenüber konventionellen Neubauten zu rechnen ist. Zudem werden Rückbau und Recycling in späteren Zeiten erheblich erleichtert.

Bautafel

Architekten: Roswag & Jankowski Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: Eike Roswag, Guntram Jankowski, Berlin (Entwurf und Planung); Ziegert Roswag Seiler Architekten Ingenieure, Berlin (Tragwerksplanung);  Uwe Seiler und Christof Ziegert, Berlin (Fachplanung Lehmbau)
Bauherr: Julia und Alexander von Seltmann
Fertigstellung:
Oktober 2007
Standort:
Wandalenallee 38, 14052 Berlin
Bildnachweis: Torsten Seidel; Roswag & Jankowski Architekten, Berlin

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