Schulerweiterung in Dano

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Schwebendes Dach über gemauerten Laterit-Steinen

Im Südwesten von Burkina Faso, mitten in dem kleinen Dorf Dano steht die zweite Schule des Berliner Architekten Francis Kéré. Sie ähnelt dem ersten Schulgebäude, das Kéré 2002 als Pilotprojekt in seinem Heimatdorf Gando gebaut hat, ist jedoch kein Lehmbau. Laterit-Steine tragen die aufwendige Dachstruktur. Doch das klimatische Konzept ist dasselbe: Ein schwebendes Dach sorgt für eine Kühlung der Klassenzimmer und für ein angenehmes Raumklima. Das Gebäude wurde in Ost-West-Ausrichtung gebaut um die direkte Sonneneinstrahlung auf die Außenwände zu reduzieren. Diese werden zusätzlich durch eine auskragende Dachstruktur beschattet. Der L-förmige Neubau bildet mit den Bestandbauten aus der französischen Kolonialzeit eine Hofsituation, die vor den staubigen Winden geschützt ist.

Die Schulerweiterung beinhaltet drei Klassenräume, einen Computer-Raum sowie ein Büro für das Lehrpersonal. Ein ovales Amphitheater in der gleichen Größe der Klassenzimmer liegt zwischen diesen Räumen. Es ist ein halboffener verschatteter Raum, dessen Sitzstufen während der Pause zum Ausruhen und Plaudern einladen. Lokale Baustoffe, traditionelle Bauweisen und technisches Know-How sind der Schlüssel zu einer klimagerechten und nachhaltigen Bauweise in Entwicklungsländern. Die Schulerweiterung wurde aus geschlagenen Laterit-Steinen gebaut, die in der Region abgebaut werden. Sie sind weitaus resistenter und nachhaltiger als der Baustoff Lehm. Lehmbauten müssen jedes Jahr nach der Regenzeit ausgebessert und erneuert werden.

Das klimatische Konzept bestimmt weitgehend Form und Aussehen des Gebäudes. Die feine Dachkonstruktion wurde aus Bewehrungseisen geschmiedet und lässt die darüber liegende durchgängige Dachdeckung aus Wellblech über der Schulerweiterung schweben. Dadurch, dass das schräge Wellblechdach nicht direkt auf den gemauerten Außenwänden aufliegt, kann die warme Luft nach oben aus dem Gebäude entweichen – wie unter einem schattigen Baum spendet das Gebäude einen kühlen Rückzugsort vor dem heißen Klima Burkina Fasos.

Der Schulbau hat keine Fensterscheiben, keine Klimaanlage und auch kein fließendes Wasser. Der Brunnen auf dem Schulgelände ist die zentrale Anlaufstelle. Die Fenster lassen sich durch speziell angefertigte Fensterläden stufenweise öffnen, aber auch komplett verschließen. Eine natürliche Belüftung, der konsequente Verzicht auf Energieressourcen von außen und der gemeinsame Bauprozess machen die Schule zu einem besonders nachhaltigen Gebäude.

Bautafel

Architekten: Kéré Architecture, Berlin
Projektbeteiligte:  Dipl.-Ing. Diébédo Francis Kéré (Architektur); Schulbausteine für Gando
Bauherr:
Dreyer Foundation
Fertigstellung:
2007
Standort:
Dano, Burkina Faso
Bildnachweis: Erik-Jan Ouwerkerk, Berlin

Architektenprofil

Kéré Architecture
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