Neue Messe Karlsruhe

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Stützenfreie Halle mit Brettschichtholz

In Rheinstetten-Forchheim sind vier Messehallen entstanden. Sie überspannen eine Grundfläche von insgesamt 52.000 m². Alle vier Hallen sollten stützenfrei ausformuliert werden und eine von ihnen war als Multifunktionshalle innenräumlich von den drei anderen abzuheben.
Diese größte Halle verfügt heute über Platz für 14.000 Besucher ohne Bestuhlung, mit Bestuhlung können immerhin 10.000 Besucher in ihr Platz nehmen. Dafür wurden in der Breite 74,50 m und in der Länge 162,50 m als stützenfreie Überdachung benötigt. Mit 22 Metern Höhe überragt sie ihre drei 19 Meter hohen Nachbarn um immerhin noch einmal drei Meter.

Dach
Fast 75 m Spannweite mussten überspannt werden. Es war also eine besonders ausgewogene Statik gefragt und damit einhergehend auch ein ebenso ausgeklügeltes Zusammenspiel und -wirken von verschiedenen Materialien.
Die Architekten wählten Brettschichtholz als Tragwerk. Vollholz wäre hinsichtlich seiner Dimension und seiner Tragfähigkeit hier deutlich überfordert gewesen.

Die vier realisierten Tonnendächer sind als unterspannte Holzkonstruktion ausgelegt. Dafür wurden bei den drei gleichen Hallen einheitliche Segmente aus Brettschichtholz erstellt. Die Multifunktionshalle bietet jedoch eine zusätzliche Besonderheit: Die Untersicht der Holzkonstruktion ähnelt sehr dem Zollingerdach. Das Zollingerdach ist eine Dachkonstruktion, die sich wie ein Netzwerk von Rauten spannt, in ihm laufen die Binder auf einer Ebene, d.h. sie müssen an den Punkten, an denen sie sich treffen, unterbrochen sein.

Im Gegensatz dazu laufen bei der Multifunktionshalle in Karlsruhe die Binder in zwei übereinander liegenden Ebenen. So könnten sie stoßfrei ausgeführt werden ohne eine andere Untersicht als das Zollingerdach zu erhalten. Als schubfeste Verbindung zwischen den beiden Ebenen wurden Nagelplatten mit Schubverdornung gewählt. Als tragendes Bauteil liegt auf der oberen Bogenschar eine Beplankung aus zwei Lagen Holzwerkstoffplatten. Die Befestigungen und Verbindungen sind möglichst verdeckt ausgeführt worden, damit der ästhetische Anblick von unten ungetrübt bleibt.

Die verwendeten Materialien sind alle als hochwertig zu bezeichnen. So wurden Eurostrand OSB-Platten von Egger und Kerto Q-Platten von Finnforest verbaut worden. Emissionsarme Bindemittelsysteme als Zugabe mussten die Dimensionsstabilität und Maßhaltigkeit auch unter Feuchtigkeitseinfluss gewährleisten, da schon während der Bauausführung mit Witterungseinflüsse zu rechnen war. Durch starkes Schwinden und Quellen des Materials wären andernfalls Zwängungen entstanden, die sich nachteilig auf die Standfestigkeit der Konstruktion ausgewirkt hätten.

Die eigentliche Eindeckung der Dachflächen ist quasi eine zusätzliche Konstruktion. Parallel zur Traufe verlegte Trapezbleche dienen als Auflager für die Dampfsperre. Auf ihr wurde die Mineralfaser-Wärmedämmung angebracht und darüber liegt die Eindeckung aus stucco dissinierten Alu-Klemmfalz-Elementen (Rib-Roof) von der Firma Zambelli. Für die Anbringung der Klemmfalz-Elemente wurden ca. 30 Meter langen Einzelelementen vor Ort zu 81 Meter langen Profilbahnen verschweißt. Eine besondere Herausforderung bestand ebenfalls in der Einbeziehung der sehr großen Entwässerungsrinnen, die etwas oberhalb der Trauflinie angeordnet sind. Die Rinnen sind von einem Betrachter am Boden nicht einsehbar. Dennoch sollte der Falzverlauf so gestaltet werden, dass er in einer Linie verlaufen und keine optische Unterbrechung hervorrufen würde. Auch diese Herausforderung ist von den Architekten und den Verarbeiter vor Ort mit auffallender Genauigkeit in der Detailplanung und Ausführung gemeistert worden.

Bautafel

Architekten: Gerber Architekten, Dortmund
Projektbeteiligte: Moser, Freiburg (massive Rohbauarbeiten); Wiehag Holzbau, Altheim, (Brettschichtholzbinder, Unterkonstruktion); Zambelli Dach + Fassadentechnik GmbH (Dacheindeckung), Grafenau
Bauherr: Karlsruhe Messe- und Kongress GmbH, Rheinstetten
Fertigstellung: 2003
Standort: Rheinstetten-Forchheim
Bildnachweis: Foto Fabry, Ettlingen (1), Zambelli Dach + Fassadentechnik GmbH, Grafenau (2), Hans Jürgen Landes; Dortmund (3)

Architektenprofil

Gerber Architekten
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