Frauenkirche Dresden
Metalle in Kombination
George Bähr gilt als der Baumeister der ursprünglichen Frauenkirche, die im Jahr 1722 nach einem Ratsbeschluss der Stadt Dresden und der Zustimmung des sächsischen Kurfürsten gebaut und im zweiten Weltkrieg stark beschädigt bis gänzlich zerstört wurde. Ziel des Wiederaufbaus 60 Jahre nach der Zerstörung war es, nach den historischen Plänen den Wiederaufbau zu erreichen. Die vorhandene historische Bausubstanz sollte dabei unbedingte Verwendung finden.
Das Gebäude selber ist aus Sandsteinen erstellt. Bei den heutigen Ansichten zeigt der dunkle Sandstein die vorhandenen, der deutlich hellere die neu erstellten Bereiche an. Auf der Homepage des Fördervereins für den Wiederaufbau wird diese Schnittstelle wie folgt beschrieben: "Die dunkle Färbung der alten Steine und die Maßdifferenzen in den Anschlussbereichen zwischen neuem und altem Mauerwerk erinnern an die Narben einer geheilten Wunde. So wird die Frauenkirche auch in Zukunft Zeugnis ablegen über die Geschichte ihrer Zerstörung. Zugleich ist sie aber ein Zeugnis der Überwindung von Feindschaft und ein Zeichen der Hoffnung und Versöhnung."
Dach
Die obere Spitze des Kuppeldachs/des Glockenturms besteht aus einer Holzkonstruktion. Die Form ist im Grundriss quadratisch mit abgeschrägten Ecken. Die Sparren sind allerdings sowohl positiv - im oberen Bereich - als auch negativ - im unteren Bereich - geschwungen. Die Wahl des Eindeckmaterials erforderte also eine hohe Flexibilität. Zusätzlich mussten der Sockel der Konstruktion sowie die kleineren, ebenfalls geschwungenen Aufbauten unterhalb des Kreuzes eingebunden werden. Die Wahl fiel folgerichtig auf eine Kupfer-Doppelstehfalz-Deckung. Aus alter Tradition weiß man, das Kupfer nicht nur langlebig sondern auch sehr gut an Verlaufsformen anpassbar ist.
Blieben noch die Absätze, die treppenförmig und in runder Form unterhalb des Glockenbereichs angeordnet sind, sowie die kleinen Gaubendächer. Auch hier musste das Eindeckmaterial hoch flexibel, langlebig und vor allem in der Spannungsreihe nahe dem Kupfer sein, damit nicht die obere Eindeckung die untere zerstören würde.
Die Wahl fiel auf Saturnblei mit einer Dicke von 2 mm. Auch hier wurde die Doppel-Stehfalzdeckung gewählt. Sie bietet auch den Vorteil, dass keine "starren" Verbindungen einzelner Schare zu Rissbildungen führen, denn das Blei hat unter anderem wegen seiner Dicke einen nicht unerheblichen Ausdehnungsfaktor bei thermischen Einflüssen.
Als regensicherer Übergang der Bleieindeckung zu dem aufgehenden Mauerwerk wurden Anpress-Schienen erstellt, die mit Blei bekleidet wurden.
Wichtig ist bei der Verarbeitung von Blei auf dem Sandstein, dass dieser keine Feuchtigkeit enthält, denn das würde die Bleikorrosion von unten her fördern und die Bleischare innerhalb kurzer Zeit zerstören.
Insgesamt sind rund 2.700 m² Kupferblech und ca. 1.100 m² Walzblei verarbeitet worden.
Bautafel
Projektbeteiligte: Fa. Böhme, Boxdorf; Fa. Döschner in Arbeitsgemeinschaft mit Fa. Böhme, Metallarbeiten
Bauherr: Stiftung Frauenkirche Dresden
Fertigstellung: 2005
Standort: Dresden
Bildnachweis: Jörg Schöner, Stiftung Frauenkirche Dresden
Zum Thema
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