Ferienhaus in Wieck auf dem Darß

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Steiles Reetdach über zeitgemäßer Architektur

Auf den ersten Blick dominiert das für die Ostsee regionaltypische Reetdach mit seiner charakteristisch steilen Dachneigung und weiten Dachüberständen das Ferienhaus auf dem Darß. Die nach Norden eher geschlossene Fassade öffnet sich Richtung Bodden jedoch mit einer großzügigen Glasfassade, die auf einen offenen Grundriss im Inneren schließen lässt.

Das Haus liegt am Rande des Dorfes Wieck in Mecklenburg-Vorpommern auf der Boddenseite, die durch eine lockere, offene Bebauung gekennzeichnet ist. So ist auch die Lage des Objekts günstig für eine weiche Bedachung. Der Bebauungsplan schreibt für dieses Grundstück die Gebäudegeometrie durch das Baufeld, die Dachform, die Firsthöhe und die Geschossfläche klar vor.

Das Erdgeschoss wird über einen Treppen- und Luftraum bis in den Spitzboden galerieartig erweitert und erhält viel Licht und eine optische Erweiterung nach außen über eine großzügige Verglasung. So entsteht insgesamt ein Spannungsfeld zwischen traditioneller Bauweise und zeitgemäßen Ansprüchen an das Wohnen und die Gestaltung. Es war ein wesentliches Anliegen der Architekten, einen modernen Beitrag zum regionaltypischen Bauen zu leisten und damit einer traditionellen Bauform zu neuer Bedeutung zu verhelfen.

Dach
Das Reetdach ist im Winkel von 54° geneigt und das Reet wurde nur für die Satteldachflächen verwendet. Es gibt also nicht, wie sonst üblich, eine Fledermausgaube oder Giebel mit Kehlen aus Reet. Bewusst wurden für dieses Haus kubische Gauben ohne Kehlen oder Abläufe aus Reet entwickelt, da die Haltbarkeit des Materials darunter deutlich leidet. Auf diese Weise fließt das Wasser schnell und gleichmäßig vom Dach ab. Über Zinkrinnen werden die Gauben seitlich entwässert.

Diese wirksame und einfache Art, ein Reetdach zu konstruieren, wird häufig bei Neubauten und deren meist voll ausgebauten Dächern nicht angewendet. Dann erweist sich die Unterschreitung der empfohlenen Mindestdachneigung für Reetdächer in Kehlen und Gaubenanschlüssen als schadensanfällig. Sie setzt die Haltbarkeit dieser Dachdeckungsart herab und führte nicht zuletzt zu Diskussionen über das Aussterben des Reetdaches.

Das Dach ist von außen nach innen wie folgt aufgebaut: Eine 30 cm starke Reetschicht ist auf einer hinterlüfteten Dachlattung mit Konterlattung (2x 4/6 cm) befestigt. Darunter liegt eine Unterspannbahn über einer 20 cm dicken Dämmung auf Sparren mit den Abmessungen 8/20 cm. Diese sind nach Innen mit Gipskarton in der Stärke von 1,25 cm verkleidet.

Bautafel

Architekt: Möhring Architekten, Born a.D. / Berlin
Projektbeteiligte:
Erhard Naujox, Groß Schwiesow (Statik)
Bauherr:
Privat
Fertigstellung:
Mai 2008
Standort:
Am Jagdhaus 25, Wieck/Darß
Bildnachweis: Stefan Melchior, Berlin