Abfertigungsterminal Flughafen Barajas in Madrid/E
Gewellte Dachlandschaft
Im Rahmen der Erweiterung des Flughafens Barajas mit einem neuen Abflugterminal wurde dessen Kapazität auf bis zu 70 Millionen Passagiere pro Jahr erweitert und ist damit der größte Flughafen Spaniens. Zu dem aus einem Wettbewerb hervorgegangenem Projekt gehören außer dem Hauptterminal auch Satellitengebäude, die zugehörigen Parkhäuser, ein automatisches Gepäckabfertigungssystem, eine automatische Personenbeförderung zwischen Hauptterminal und Satellitengebäude sowie Eisenbahn- und U-Bahn-Stationen.
Aufgrund der enormen Größe der 1997 begonnenen Anlage von über einem Kilometer Länge und einer Nutzfläche von insgesamt über einer Million Quadratmetern entschied man sich bei den Hauptgebäuden für eine erweiterbare Struktur aus Modulen auf einem Konstruktionsraster von 18 x 9 Metern. Das Hauptterminal gliedert sich in drei Ebenen: Im Erdgeschoss befindet sich die Ankunft, im mittleren Geschoss die Verwaltung und im Obergeschoss der Abflug. Die Konstruktion erfolgt ebenfalls in drei Schichten: Die Gründung, die in Teilbereichen bis zu 20 m in die Erde reicht, darüber befinden sich 3-geschossige Beton-Binderrahmen, die wiederum von einem Stahlbinderdach überdeckt wurden.
Dach
Die Dachkonstruktion ruht auf großen Stahlbetonstützen, die in ihrer Form an stilisierte Bäume erinnern. Im Außenbereich wurde diese Form der "Träger" bei den Stahlstützen übernommen. Die geschwungene Dachform scheint auf den Stützen zu schweben. Die Ausrichtung des Gebäudes und die weiten Dachüberstände verhindern, dass sich das Gebäude im Inneren schnell aufheizt. Textile Vorhänge im Bereich der Lichtdurchlässe im Dach sorgen dafür, dass der Lichteinfall nur senkrecht in das Gebäude trifft, so dass im Randbereich genutzte Bildschirme an den Check-In-Schaltern blendungsfrei bleiben.
Die auf den Betonpfeilern aufgesetzten Stahlstützen im Innenbereich verlaufen in vier verschiedene Richtungen und tragen nicht nur die Dachkonstruktion, sondern dienen auch dem statischen System. Sie nehmen hier die Schubkräfte in Längs- und Querrichtung auf.
Die geschwungenen Stahlträger, die die Aufgabe als Tragkonstruktion für die Dacheindeckung übernehmen, sind paarweise verbunden. Die Verbindung ist quer zu der Richtung der Hauptträger ebenfalls geschwungen.
Dadurch entstehen ein langer "optischer Graben" in der Mitte des Gebäudes und zwei Vertiefungen an den Außenseiten der Dachflächen. An den Tiefpunkten der quer zu der Hauptrichtung verlaufenden Gräben ist jeweils die Entwässerung der Dachfläche angeordnet.
Die Eindeckung erfolgte mit großen vorgerundeten Aluminium-Elementen der Firma KalZip. Das Profil hat die Bezeichnung 65/400. Insgesamt wurden 232.000m² Material verbaut.
Bautafel
Architekten: Richard Rogers Partnership, London/GB; Estudio Lamela, Madrid/E
Projektbeteiligte: Anthony Hunt Associates, London/GB; TPS, Croydon mit OTEP; HCA, Madrid/E (Tragwerksplanung); dosAdos, Barcelona/E (Landschaftsplanung); Arge ACS, FCC, Ferrovial Agroman, Necso und Sacyr/E (Rohbau); Sandy Brown Associates, London/GB (Akustikplanung); Arup, London/GB (Fassadenplanung, Lichtplanung);
Bauherr: Spanische Flughafenbehörde Aena, Madrid/E
Fertigstellung: Januar 2006
Standort: Madrid, Spanien
Bildnachweis: Richard Rogers Partnership, London (1-3); Siteco Beleuchtungstechnik, Traunreut (4)
