Penthouse in München
Zwei Geschosse über denkmalgeschütztem Bestand
Ein typisches Fassadenbild deutscher Innenstädte bot sich Betrachtern der Münchner Rheinbachstraße 22-24 vor der Sanierung: Auf einer Seite die noch erhaltene Stuckfassade, auf der anderen ein gespiegelter Zwilling, dem in den 1960er Jahren der Stuck abgeschlagen wurde. Die wenigen weiteren Renovierungsarbeiten zerstörten zusehends das Bild des Hauses, das saniert und aufgestockt werden sollte.
Die Fassade wurde behutsam rekonstruiert, das Treppenhaus als eines der letzten der Stadt mit historischer Eisenkonstruktion aufwändig restauriert. Auf der Hofseite hingegen ist die Modernisierung deutlich ablesbar: Balkone und Aufzug bilden hier einen deutlichen Kontrast zum Bestand, stellen allerdings über die Detailausbildung der Geländer einen Bezug zur Entstehungszeit des Gebäudes her. Die Haustechnik wurde erneuert, der ehemalige Speicher zu einer zweigeschossigen Penthousewohnung umgebaut.
Dach
Anstelle des Speichers errichteten Unterlandstättner Schmöller Architekten aus München ein mit dem denkmalgeschützten Bestand kontrastierendes Penthouse. Dafür wurde der Dachstuhl vollständig abgebrochen, und es entstand eine vollständig neue Kubatur mit lichtdurchfluteten Gauben, in der das gewünschte Raumprogramm mit Gästeapartment auf zwei Ebenen Platz findet. Die Erschließung des Dachgeschosses erfolgt direkt über einen außenliegenden, verglasten Aufzug.
In enger Zusammenarbeit mit den Bauherren entstand ein klar gegliederter Grundriss: Die Wohnräume des Eigentümers befinden sich auf der oberen, das Gästeapartment auf der unteren Etage. Wohn- und Aufenthaltsbereiche liegen auf der ruhigen Hofseite nach Westen, sämtliche Nebenräume sind in einem 16 m langen Einbaumöbel im Bereich des geneigten Dachs an der Ostseite untergebracht. Die Belichtung dieser Zone erfolgt ausschließlich über Dachfenster in der Schräge, während die Wohnbereiche im Westen über großflächige vertikale Fenster belichtet werden. Die beiden Zonen sind über die Erschließung des Penthouses nochmals voneinander getrennt.
Der Dachraum ist gegliedert durch die Terrassen, die verschiedene Blickbeziehungen ermöglichen. Die klare Trennung zwischen Haupt- und Nebennutzung zur Hof- und zur Straßenseite ist erlebbar durch die Gegenüberstellung der senkrechten Öffnungen auf der einen und Öffnungen der Dachschräge auf der anderen Seite. Für diesen Dachaufbau erhielten die Architekten den ersten Preis des Velux Architekten-Wettbewerbs 2009.
Bautafel
Architekten: Unterlandstättner Schmöller, München
Projektbeteiligte: Velux Deutschland, Hamburg (Dachfenster)
Bauherr: Euroboden, München
Standort: Reichenbachstraße 22, München
Fertigstellung: 2007
Bildnachweis: Velux Deutschland, Hamburg
