Dachausbau eines barocken Wohnhauses in Potsdam
Fluchtweg Fledermausgaube
In den 70er Jahren wollten Stadtplaner die alten und maroden Innenstädte in Westdeutschland oftmals abreißen und durch moderne Wohn- und Bürohäuser ersetzen. Oftmals scheiterte dieses Vorhaben jedoch (glücklicherweise) aus finanziellen Gründen. Heute stehen vielfach ganze Altstadtviertel unter Denkmalschutz, was allein die Bausubstanz aber nicht erhält; hinzu kommen die gestiegenen Anforderungen an Wärme- und Brandschutz.
Ein typisches Beispiel für diese Zwickmühle stellte das Mehrfamilienhaus in der Potsdamer Spornstraße dar. Der preußische Barockbau wurde 1773 von Georg Christian Unger erbaut. Seit den 70er Jahren waren keinerlei Maßnahmen zur Erhaltung erfolgt, nach der Wende stand das Gebäude leer. Das Haus steht unter Denkmalschutz, die Bausubstanz war aber so marode, dass eine wirtschaftliche Sanierung und Modernisierung nur in Kombination mit einem Ausbau des Dachgeschosses möglich war.
Das Dach sollte in seiner ursprünglichen Form mit Fledermausgauben erhalten bleiben, die Denkmalbehörde lehnte aber die mögliche Anordnung giebelseitiger Feuerleitern ab. Die Fledermausgaube selbst bot nicht die notwendige Öffnungsgröße, um als Fluchtweg zugelassen zu sein.
Dach
Der Dachstuhl war komplett eingestürzt und wurde durch ein neues Pfettendach in Holzbauweise ersetzt. Für die Problematik der Fluchtwege im Dachgeschoss entwickelte Architekt Tassilo Soltkahn eine spezielle Fluchtgaube: Eine ausklappbare Dachfläche, die im geschlossenen Zustand unsichtbar in die Dachlandschaft integriert ist, im geöffneten Zustand aber dennoch über das notwendige Öffnungsmaß verfügt. Der ausklappbare Teil musste sich über die Traufe hinweg heben lassen und leicht zu bedienen sein. Insgesamt wurden zwei Fluchtweggauben für je etwa 4.500 EUR ins Dach integriert; die Architekten schufen so nicht nur eine quasi unsichtbare Fluchtöffnung, sondern unterschritten zudem die Kosten für außenliegende Feuerleitern.
Bautafel
Architekt: Architektengesellschaft Soltkahn, Potsdam und Brandenburg
Projektbeteiligte: Dirk Hottelmann/Ingenieurbüro für Hochbau, Potsdam (Statik); Willi Ludwig, Geltow (Schlosserarbeiten); Elmar Böhme, Lutherstadt-Wittenberg (Maler)
Bauherr: Terraplan Grundstücksentwicklungsgesellschaft, Krailling
Fertigstellung: 2007
Standort: Spornstraße 6, Potsdam
Bildnachweis: Architektengesellschaft Soltkahn, Potsdam
