Ferienwohnung in Alkersum

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Innenwandverkleidung aus rund 3.200 weißen, handgebohrten Steingutfliesen

Die traditionelle Architektur Nordfrieslands ist von der See und der Landwirtschaft geprägt. Strohgedeckte Bauernhäuser aus roten Backsteingemäuern mit weißen Sprossenfenstern und -türen waren der typische Baustil. Heute dienen die meisten von ihnen als Ferienunterkünfte. Eine solche hat das schwedisch-italienische Architektenduo Matz und Di Gregorio auf dem Heuboden eines ehemaligen Bauernhauses in Alkersum auf der nordfriesischen Insel Föhr geplant. Unter Verwendung traditioneller Materialien schufen sie eine schöne, rund 50 m² große Ferienwohnung, die die Architekten mit einem gestrandeten Schiff vergleichen.

Zunächst wurde der Dachboden komplett entkernt. Durch den Einbau eines beidseitig beplankten Holzständerwerks erhielt er eine neue räumliche Aufteilung. Entlang der Ostfassade entstanden drei kleine, rundum mit türkisblauen Holzpaneelen verkleidete Schlafzimmer, eines davon fensterlos. Sie sind mit Einbauschränken und -regalen ausgestattet und erinnern in ihrer Größe und Farbgebung an Kajüten oder die früher hier üblichen Alkoven (Bettnischen). Zwischen den beiden größeren Schlafzimmern sind das Bad und die mit hellem Kiefernholz gestaltete Kochnische angeordnet. Ihr gegenüber liegt der offene Essbereich. Wegen des Friesengiebels weist der Raum an dieser Stelle keine Dachschrägen auf.

Neben dem Essplatz befindet sich die Treppe zum Erdgeschoss, dahinter der Wohnbereich. Dessen Grundriss verbreitert sich L-förmig zur nördlichen Giebelfassade des Hauses. Der Boden ist mit Dielen aus Kiefernholz belegt; Decke, Kniestock und Schrägen sind weiß gestrichen. Die Einrichtung beschränkt sich auf wenige ausgesuchte Möbel. Direktes Tageslicht erhält der Raum durch lediglich zwei Fenster. Zusätzlich fällt indirektes Licht durch die weißen Polycarbonat-Schiebetüren der Schlafzimmer.

Die Gestaltung der Treppe verleiht der Ferienwohnung einen gewissen maritimen Flair. Sie ist zu beiden Seiten von blauen Seilen eingefasst, die normalerweise beim Segeln zum Einsatz kommen. In regelmäßigen, engen Abständen spannen sie zwischen Decke und Fußboden und verhindern einen Absturz. Befestigt sind die Seile mit kleinen Metallwinkeln.

Fliesen und Platten
Im Kontrast zu den türkisblauen Paneelen in den Schlafzimmern, ist die Holzständerwand zum Wohnraum hin mit glänzend weißen Steingutfliesen bedeckt. Fliesen haben eine lange Tradition in Nordfriesland: Von Seefahrern zwischen Anfang des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts in großen Mengen aus Westfriesland und den Niederlanden importiert, waren sie damals sehr begehrt. Wer es sich leisten konnte, ließ mindestens eine Wand in der Wohnstube seines Hauses mit bemalten Wandfliesen verkleiden.

In der Ferienwohnung bedecken rund 3.200 weiße Steingutfliesen im Format 10 x 10 cm die Wand zwischen Schlaf- und Wohnbereich. Jede von ihnen hat in der Mitte ein rund 1 cm großes Loch, das von den Architekten und den Bauherren per Hand gebohrt wurde. Dies war nur möglich, weil der Scherben von Steingutfliesen porös ist und sie sich deshalb gut zuschneiden lassen. Durch das Loch ist ein blauer Hintergrund sichtbar, der den gleichen Farbton aufweist wie die gespannten Seile an der Treppe. Die Oberfläche der Fliesen ist mit einer hochglänzenden, schützenden Glasur überzogen, die das Licht reflektiert und so den Raum erhellt. Eine weitere Besonderheit der Holzständerwand sind einige kleine, quadratische Luken, die eine Verbindung zwischen Schlaf- und Wohnraum herstellen.

Bautafel

Architekten: Karin Matz Arkitekt, Stockholm und Francesco di Gregorio, Val Parma
Projektbeteiligte: NCE Bygg AB, Saltsjöbaden (Innenausbau); Jörg Kottke dba Elektro Kottke, Wyk auf Föhr (Ausführung Elektro); Heizungsbau Domeyer, Alkershum (Ausführung Heizung); Primus Vitoria Ceramics, Aradas (Fliesen)
Bauherr:
privat
Fertigstellung: 2012
Standort: Süderweg 7, 25938 Alkersum auf Föhr
Bildnachweis:
Francesco di Gregorio, Val Parma

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