Emser Therme in Bad Ems

Bildergalerie | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | ... | 24 |

Spiel mit Fliesen: Mosaike, Quadrate, Lang- und Großformate

Einst zählte er zu den berühmtesten Badeorten Deutschlands: Europäische Monarchen und russische Zaren waren hier zu Gast, und auch Schriftsteller, Maler und Komponisten kamen zur Erholung nach Bad Ems an der Unteren Lahn. Nun freut sich die Kurstadt mit den vielen Heilquellen über eine neue Therme mit Sauna, Fitness- und Wellnessbereich. Sie entstand nach Plänen von 4a Architekten aus Stuttgart und ersetzt ein Thermalbad aus den frühen 1970er Jahren, das wegen funktionaler und technischer Mängel weichen musste.

Bei der Gestaltung der Emser Therme ließen sich die Architekten von der Umgebung inspirieren: Südlich des Stadtzentrums direkt am Ufer der Lahn gelegen, wählten sie den Flusskiesel als zentrales Thema ihres Entwurfs. Er spiegelt sich in Materialität und Formgebung der einzelnen Baukörper, den Fassadenöffnungen und Schwimmbecken in ganz unterschiedlichen Varianten wider. Zur Straße und zur Stadt hin zeigt sich die Therme mit einer Verkleidung aus weißem Aluminiumblech, in das kieselförmige Fensteröffnungen in unregelmäßiger Anordnung eingeschnitten sind. Die gegenüberliegende Südfassade Richtung Fluss dagegen ist großflächig verglast, ebenso die beiden Schmalseiten. In die teils gebogenen Glasflächen schieben sich zwei kleine, organisch geformte Baukörper, die überwiegend geschlossen und mit sibirischem Lärchenholz verkleidet sind.

Auch der Grundriss der Therme ist von weich gerundeten Formen geprägt. Im Zentrum befindet sich die große Badehalle, westlich daran anschließend der Saunatrakt. Erschlossen wird das Gebäude von Osten. Hinter dem Eingang öffnet sich ein großzügiges Foyer mit Bistro und Blick auf die angrenzende Schwimmhalle, rechts liegt ein kleiner Laden. Dahinter sind entlang der Nordfassade die Umkleiden und Sanitärräume angeordnet. Eine Treppe von der Eingangshalle führt zum Wellness- und Fitnessbereich im Obergeschoss, der auch unabhängig von Bade- und Saunabetrieb besucht werden kann. Auf einer Dachterrasse können die Besucher im Freien trainieren, auf einer Galerie ruhen. Von Letzterer geht es auch in die „Emser Pastille“, einen mitten in der Badehalle aufgeständerten Baukörper mit Inhalationsraum. Über eine breite Treppe gelangen die Besucher wieder hinab zu den Schwimmbecken. Im Untergeschoss sind die Verwaltungs- und Personalräume sowie die gesamte Technik untergebracht. Der Außenraum bietet mit zwei Schwimmbecken und einer Gartensauna zusätzliche Angebote. Voraussichtlich im März 2014 öffnet außerdem die Flusssauna, die in der Lahn liegend über einen Steg erschlossen wird.

Aufeinander abgestimmte Farben und Materialien sorgen zusammen mit der gezielten Beleuchtung für eine freundliche Atmosphäre im Thermalbad. Weiß geflieste Becken mit Beckenköpfen aus Marmor, eine Deckenverschalung aus Seekiefer und Wandverkleidungen aus sibirischen Lärchenholzlamellen und gebürstetem Erlenholz sowie graubraune Keramikfliesen prägen den Raumeindruck.

Fliesen und Platten

Im Inneren der Therme bedecken Keramikfliesen eine Fläche von rund 8.000 Quadratmetern. Zum Einsatz kommen Normal- und Großformate, Glasmosaike und Beckenformteile. Als Bodenbelag wählten die Architekten unglasierte Feinsteinzeugfliesen unterschiedlicher Größe in Graubraun, die zusammen mit den hellbraunen Holzdecken für eine warme Grundatmosphäre sorgen. Die trockengepressten Fliesen sind rutschfest und aufgrund ihrer Fleckunempfindlichkeit gut zu reinigen – wichtige Eigenschaften in einem Schwimmbad. In den Becken wurden weiß glasierte Steinzeugfliesen mit HT-Oberflächenvergütung im Format 10 x 10 Zentimeter verlegt, die sich für stark mechanisch beanspruchte Bereiche eignen, trittsicher sind und ebenfalls reinigungsfreundlich. Die Beckenköpfe bestehen aus weißem Dolomit-Marmor.

Farbakzente setzen bunte Mosaikfliesen. Sie bedecken die ebenfalls kieselförmigen Wandnischen, die Kalt- und Warmbecken sowie die Saunen. Für die kalten Becken wählten die Architekten blaue Fliesen, für die Heißbecken und Saunen rote. Sämtliche Farbtöne entstanden nach genauen Vorgaben der Planer.

Bautafel

Architekten: 4a Architekten, Stuttgart
Projektbeteiligte: Fischer + Friedrich, Waiblingen (Tragwerksplanung); Kannewischer Ingenieurgesellschaft, Baden-Baden (HLS-Technik); TP-Elektroplan, Gaggenau (Elektrotechnik); Kurz und Fischer, Winnenden (Bauphysik); Fliesen Lepping, Vreden (Fliesenverlegung); Trend Group, Vicenza (Glasmosaikhersteller); Agrob Buchtal, Schwarzenfeld (Fliesenhersteller)
Bauherr: Emser Therme
Fertigstellung: 2012
Standort: Viktoriaallee 25, 56130 Bad Ems
Bildnachweis: David Matthiessen, Stuttgart

Architektenprofil

4a Architekten GmbH
Standort in Google Maps anzeigen