Fach- und Berufsoberschule in Memmingen
Einsehbare Dachkonstruktion über 37 Meter Spannweite
Das Entwurfskonzept der neuen Fach- und Berufsoberschule im bayerischen Memmingen ging aus einem internationalen Wettbewerb hervor, den die Stuttgarter Architekten Mahler Günster Fuchs für sich entscheiden konnten. Dabei orientiert sich der Schulbau "auf der grünen Wiese" in Lage, Form und Gestaltung an der umgebenden Bebauung, insbesondere an der benachbarten Johann-Birwirth-Schule, deren allmählich vergrauende Fassade aus Holzschindeln maßgeblich Einfluss auf die Materialwahl des neuen Gebäudes nahm. Die Architektur fügt sich in den vorhandenen Rahmen der Schulen im Nordwesten und Südosten ein; sie geben eine orthogonale Struktur vor, die sich parallel zu einem vorhandenen Gleiskörper entwickelt.
Der Weg zur Schule wird durch eine Baumreihe aus Eschen gesäumt und endet an einer großzügigen, transparenten Halle - der Aula. Von hier aus werden U-förmig über zwei Geschosse die Klassen- und Fachräume erschlossen, die sich zu der umgebenden Wiese mit beinahe geschosshohen Fenstern öffnen; der so entstandene Innenhof erzeugt eine angenehm ruhige, kontemplative Atmosphäre. Die zwei gegenüberliegenden Fassaden der Aula sind zum introvertierten Hof bzw. zum Vorplatz hin raumhoch verglast; Außen- und Innenraum gehen fließend ineinander über und verschmelzen mit der Landschaft.
Die Ästhetik des Gebäudes ist ganz von Holz bestimmt, das die tragende Stahlbetonkonstruktion einhüllt und in Dach und Fassade selbst tragende Funktion übernimmt. Nicht umsonst wurde dies mit dem ersten Platz beim Deutschen Holzbaupreis 2005 belohnt: "Die pragmatische formale Umsetzung der unterschiedlichen Elemente des Gebäudes wie Holzläden, Holzlamellenfassaden, vorgefertigte Hohlkastenelemente und das Auladach dokumentieren jene breiten Ansatzmöglichkeiten von Holz in einer Form, wie es durch keine anderen Materialien erreichbar wird.“
Flachdach
Die Dachkonstruktion über den Klassenräumen wurde bereits im Werk vorgefertigt und mit 2% Gefälle versehen: sie besteht aus Hohlkastenelementen mit einer oberen und unteren Beplankung aus Dreischichtplatten, die mit Rippen aus Brettschichtholz schubfest verleimt sind; die unbehandelte Unterseite aus Douglasie dient gleichzeitig als Deckenuntersicht. Leerrohre für die benötigten technischen Installationen wurden direkt in die Hohlkastenelementen mit eingelegt. Darüber folgt der klassische Aufbau eines unbelüfteten Daches mit Dampfsperre, Wärmedämmung und einlagiger Kunststoff-Abdichtungsbahn.
Die Decke der Aula besteht demgegenüber aus 37 m weit gespannten und 1,20 m hohen Fachwerkträgern, deren Längsseiten nicht verkleidet, sondern hinter Glas sichtbar sind. Den ankommenden Besuchern erschließt sich auf diese Weise sofort die klare konstruktive Struktur des Gebäudes. Auch der Pausenhof vor der Aula wird in 6 m Höhe von der so genannten „Gigabox" überdacht – ein weithin sichtbares Merkmal des Schulgebäudes, welches gerade bei Nacht seine ganze Wirkung entfaltet.
Bautafel
Architekten: Mahler Günster Fuchs, Stuttgart
Projektbeteiligte: Jan Kliebe (Wettbewerb und Projektleitung)
Bauherr: Stadt Memmingen
Fertigstellung: 2004
Standort: Claußweg 10, Memmingen
Bildnachweis: Stefan Müller-Naumann
