Theaterpodium Grotekerkplein in Rotterdam/NL

Bildergalerie | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |

Offener Baukörper mit vielen Facetten

Zwischen der gotischen Kathedrale Sint Laurens und dem Delftsevaart Kanal in Rotterdam liegt der Grotekerkplein, ein bislang wenig attraktiver und kaum genutzter öffentlicher Platz. Der Bereich um die Kathedrale wurde im zweiten Weltkrieg beinahe vollständig zerstört. Da keine Einkaufsstraßen den zentral gelegenen Platz kreuzen und nur wenige öffentliche Einrichtungen dort zu finden sind, spielt er im städtischen Leben kaum eine Rolle. Zu seiner Aufwertung und Belebung entstand die Idee, einen Theaterpavillon zu errichten, und der Rotary Club Rotterdam initiierte daraufhin einen eingeladenen Architektenwettbewerb.

Als Sieger ging das Architekturbüro Atelier Kempe Thill hervor, deren Entwurf eine klare Trennung zwischen Platz und Kanal vorsieht: Ein schmaler, etwa 40 Meter langer, rechteckiger Baukörper folgt der Bebauungslinie entlang der Kanalzone. Die Sichtverbindung vom Platz zum Wasser hin bleibt erhalten durch die offene Bauweise, räumliche Enge wird vermieden.

Das Theaterpodium ist konzipiert als große Stadtbühne. An den Außenseiten einer 50 cm hohen Grundplatte befinden sich zwei fünf Meter hohe Servicegebäude, die über ein frei tragendes Dach mit einer Spannweite von 30 m verbunden sind. Die so entstandene überdachte Bühne ist von zwei Seiten bespielbar, kann aber auch als Veranstaltungsort dienen, bei dem das Publikum selbst auf der Bühne sitzt. Mithilfe eines etwa 70 m langen Vorhangs, der im südlichen Serviceteil installiert ist, lässt sich die Bühnengröße nach Belieben regulieren; auch ein geschlossener Raum lässt sich dadurch bilden. Im nördlichen Serviceteil sind Umkleideraum, WC und Lager untergebracht. Die vorhandene Teeküche kann auch zur Betreibung eines kleinen Cafés genutzt werden.

Der Pavillon wurde ausgeführt in Sichtbeton, der durch einen Zuschlag von Titanoxid nahezu weiß erscheint. Technische Installationen wie Aufhangbolzen, Elektroleitungen und Vorhangschiene sind im Bauteil integriert. Beide Seitenteile sind mit einem vorgehängten Edelstahlgewebe in fünf Meter breiten Bahnen verkleidet, dessen Ecken zusätzlich mit einem Edelstahlstreifen verstärkt sind. Hinter dem Gewebe sind zur Beleuchtung der Seitenteile LED Lichtbalken vorgesehen, die eine überraschende Verwandlung des Bauwerks in den Abendstunden bewirken. Der Zugang zu den Seitenteilen erfolgt über zwei fünf Meter hohe Edelstahltüren.

Flachdach

Durch die Ausführung in Spannbeton konnte die Dachplatte mit einer minimalen Dicke von 50 cm an den Seiten und 75 cm in der Mitte ausgeführt werden. Dank der Verwendung großer Schaltafeln (10 m x 2,5 m) wurden die Schalungsnähte auf ein Minimum reduziert. Eine gesonderte Abdichtung des Flachdachs erfolgte nicht, die geschliffene Oberfläche wurde jedoch mit einer Anti-Graffiti Beschichtung versehen.

Bautafel

Architekt: Atelier Kempe Thill architects and planners, Rotterdam/NL
Projektbeteiligte: J.P. von Eesteren, Barendrecht/NL (Generalunternehmer), ABT, Velt/NL (Berater), Endenburg Elektrotechniek, Rotterdam/NL (Elektrotechnik), APP Gevelmeesters, Beers/NL (Anti-Graffiti Beschichtung)
Bauherr: Rotary Club Rotterdam Noord in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Rotterdam
Standort: Rotterdam/NL
Fertigstellung: 2009
Bildnachweis: Ulrich Schwarz, Berlin

Surftipps

www.baunetzwissen.de/Beton 
Interview mit den Architekten von Atelier Kempe Thill im Baunetz

Standort in Google Maps anzeigen