Schulmensa in Berlin

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Dachscheibe aus Holz

Als Erweiterung eines Gebäudeensembles der 1950er Jahre entstand in nur drei Monaten Bauzeit eine Mensa für die Schule auf dem Tempelhofer Feld in Berlin. Nun bildet sie in einem parkähnlichen Gelände den vierten Flügel einer windmühlenartigen Anlage. Der kompakte, leichte Holzbau öffnet sich mit einer gefalteten Glasfront zur anschließenden Terrasse aus Eichenholz, die den vorhandenen Baumbestand integriert und zu einer Sandfläche hin allmählich abfällt. Geschlossene Fassadenteile sind mit einer hinterlüfteten, gebürsteten Lärchenholzverschalung versehen.

Als „Symbiose aus Innenraum und gedeckter Gartenterrasse" verstehen die Architekten die Mensa, deren rückwärtige Innenwand und Decke geprägt sind durch helle, gebürstete Spanten aus Vollholz auf kühlem Grün. Der Küchenbereich ist als eingestellte Box konzipiert, Speisenausgabe und Geschirrrückgabe werden durch Öffnungen ermöglicht und lassen sich wie Schranktüren verschließen.

Flachdach
Die Mensa steht unmittelbar unter der Baumkrone einer mehr als 50 Jahre alten Eiche, die zu der einfachen, sichtbaren Konstruktion für das Tragwerk inspirierte. Es besteht aus einer 50 mm starken Dachscheibe aus schichtverleimten Furnierplatten, die elf Meter überspannt. Damit diese sich nicht durchbiegt, wurden unterschiedlich lange Spanten aus Vollholz im regelmäßigen Rhythmus unter der Deckenplatte verleimt und an den Enden verschraubt.

Um das Gesamttragwerk als Platte ausbilden zu können, wurden die Abstände zwischen den Spanten mit 30 bis 80 cm und Bohlenlängen zwischen 0,8 und 3,8 m festgelegt. Die Übergreifungslänge der Bohlen beträgt einen Meter, ein leichtes Verdrehen der Elemente zur Spannrichtung blieb möglich. Innerhalb dieser Spielregeln konnten die Bohlen nach Belieben angeordnet werden. Der festgelegte Rhythmus orientiert sich an den Standardbreiten der Schichtholzfurnierplatten von 2,5 m. Die gebürstete Oberfläche der Spanten unterstützt eine gewünschte Assoziation mit Ästen, sie erhielten nur eine farbneutrale, staubbindende Lasur. Im Kontrast dazu erhielt die industriegefertigte Schichtholzplatte einen matt deckenden, grünen Anstrich.

Die Auflagerpunkte der Dachscheibe liegen innerhalb der Holzständerwände bzw. sind Teil der Pfosten-Riegel-Konstruktion der gefalteten Glasfassade. Die Dachhaut besteht aus einer 2,5 mm starken, aufgespritzten Lackierung, die üblicherweise zur Abdichtung von Tankanlagen genutzt wird.

Die Architekten überlagerten bewusst die Grenzen zwischen gewachsenem Holz und Holzkonstruktion und verflechten dabei Innen- und Außenraum. Die Erweiterung des Speiseraums über das Holzdeck und das auskragende Vordach (als Schutz vor Sommersonne) unterstützen diesen Eindruck. -us

Bautafel

Architekt: Ludloff + Ludloff Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: Arup, Berlin (Statik); Müller BBM, Berlin (Bauphysik); Arche Naturhaus, Zörnigall (Holzbau); Reaku Hobein, Schönebeck (Dachabdichtung)
Bauherr: Abteilung Bauwesen, Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Berlin
Fertigstellung: 2009
Standort: Schulenburgring 7, 12101 Berlin
Bildnachweis: Christian Gahl (1), Werner Huthmacher (2), Ludloff + Ludloff Architekten, Berlin

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