Bibliothek in Barcelona-Torre Baró

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Gründächer als Teil der Landschaft

Vorrangig Immigranten leben im Stadtviertel Torre Baró im nördlichen Teil von Barcelona. Hier wurde eine moderne Bücherei zum integralen Bestandteil der vorhandenen Topographie - einem Hanggrundstück an einer vielbefahrenen Schnellstraße nach Frankreich. Architekt Rafael Perera Leoz schuf ein Gebäude, dass dem abfallenden Gelände angepasst und auf zwei Ebenen in den Hügel eingegraben ist. Die Geschosse sind untereinander versetzt und terrassieren den Hügel, flache Gründächer vollziehen einen sanften Übergang zur Landschaft (siehe Abb. 4).

Auch der dynamisch gewundene Verlauf der Fassade orientiert sich an der Topographie. Ihre äußere Schicht besteht aus rhythmisch angeordneten, schmalen Elementen aus perforiertem, rostfreiem Stahl. Dazwischen entstehen vielfach Durchblicke auf die eigentliche Außenhaut der Bibliothek aus Glas und tragendem Beton. So fungiert die äußere Schicht als eine Art Sieb, im Tagesverlauf entstehen unterschiedliche Grade von Lichtdurchlässigkeit.

Die Besucher gelangen über einen gläsernern Aufzug oder eine Stahltreppe direkt von der Straßen- zur weitläufigen Eingangsebene (siehe Abb. 5). Außerdem führen ein schmaler Fußweg zur einen und eine breite Zufahrt (entlang der Abfangmauern aus Beton) zur anderen Seite auf diese platzartige Erweiterung. Ein überraschend weiträumiges Foyer über zwei Geschosse eröffnet die Bücherei, eine Treppe ins Obergeschoss fungiert als Gelenk zwischen den Ebenen. Sie ermöglicht neben umfassenden Ausblicken zur Stadt den Überblick des gesamten Innenraums - vom Bereich für Kinder über den offenen Lesesaal im Erdgeschoss bis hin zur naturwissenschaftlichen Abteilung im Obergeschoss. Die Bereiche sind fließend gestaltet, so dass immer wieder neue interessante Blickbeziehungen entstehen. Vorherrschend sind die Farben Schwarz, Weiß und Grau, nur ein paar bunte Sitzpuffs in der Kinderabteilung setzen Akzente. Im übrigen entsteht Lebendigkeit durch die Bücher und nicht zuletzt die Besucher - viele Immigranten des Viertels, die in sehr beengten Verhältnissen leben, nutzen die Bücherei zum Lernen, Surfen und Chatten im Internet.

Außer dem großen Lesesaal, einer Internetzone und dem Bereich für Kinder ist im Erdgeschoss ein multifunktionales Auditorium untergebracht, während im Obergeschoss die Sonderabteilung, Arbeitsräume und Büros liegen. Ein weiteres, schmales drittes Geschoss beherbergt hinten am Hang die Technik. 

Flachdach
Die Bibliothek ist in einen Hang eingegraben, die Dächer sind als Gründächer ausgeführt und mit Gras bewachsen. Sie erstrecken sich auf zwei abgestuften Ebenen. Die obere Dachebene soll sich möglichst gut in die hügelige Umgebung einfügen und besteht aus einer großen zusammenhängenden Grünfläche mit variierendem Gefälle. Die 20 bis 30 cm dicke Substratschicht  wird durch ein genähtes Netz aus hochdichter, perforierter Folie aus Polyethylen gehalten. Unterhalb dieser Folie liegt eine Geotextilmatte zur Absicherung gegen Erosion, es folgt eine Dämmung aus extrudiertem Polystyrol, eine weitere Geotextilmatte und schließlich eine wasserdichte Bitumenbahn, die direkt auf der Betonplatte verschweißt wurde.

Die Bewässerung der Grünfläche erfolgt über eine Sprinkleranlage an den höchsten Punkten des Daches, um ein Abtropfen auf den Boden zu vermeiden. Das grasbewachsene Erdreich ist begrenzt durch einen 75 cm breiten Kiesstreifen, um eine Dränage zu gewährleisten. Überschüssiges Wasser wird über ein durchgehendes Gitter mit eingebauten Halterungen aus rostfreiem Stahl abgeleitet.

Das Dach wird getragen durch eine Verbundplatte (aus bewehrtem Beton und vorgeformtem Stahl), die auf Stahlrahmen gelagert ist. Die Rahmen verteilen die Lasten einerseits auf eine Vielzahl schmaler Stahlstützen, die unauffällig in die Verglasungsebene der Fassade integriert sind und andererseits auf die bewehrten Betonstützen und -wände im Inneren des Gebäudes.

Die untere Dachebene ist nur schwach geneigt, ein Erosionsschutz mit Geotextil ist nicht notwendig. Der übrige Aufbau entspricht der oberen Dachebene. -us

Bautafel

Architekten: Rafael Perera Leoz, Barcelona
Projektbeteiligte: Bernuz-Fernández, Barcelona (Statik); Josep Pubill, Barcelona (HLS); Urbana, Barcelona (Bauausführung); Geofix, Barcelona (Erdbefestigungsarbeiten)
Bauherr: Barcelona City Council
Fertigstellung: 2010
Standort: Vallcivera 3 bis, Nou Barris, Barcelona
Bildnachweis: Antonio Navarro Wijkmark, Barcelona