Workstation, Tokio/J
Gebogene Polykarbonat-Doppelhaut
Die "Workstation" ist ein Showroom mit Designer-Atelier für den japanischen Möbelhersteller Idée, entworfen und realisiert vom deutsch-britischen Architekturbüro Astrid Klein und Mark Dytham. Beide gründeten 1990 nach zwei Jahren Tätigkeit für Toyo Ito ihr eigenes Architekturbüro als eines der wenigen "Gaijin-Büros" in Tokio. Schon bald fielen sie durch ihre frischen, für europäische Augen geradezu unbekümmerten experimentellen Arbeiten auf.
Die Workstation ist eine Art perfektes Provisorium, dessen gesamte Fassade und der vordere Gebäudeteil im Zuge einer geplanten Straßenerweiterung demontiert werden kann, während der rückwärtige Teil des Gebäudes weiterhin funktionsfähig bleibt. Dieser rückwärtige Teil besteht aus einer ehemaligen Tankstelle, um die die neue Hülle mit der neuen Nutzung gewickelt wurde. Die neue Stahlskelett-Konstruktion mit Böden aus Beton und Streckmetall greift dabei jedoch nicht in das bestehende Tragwerk aus Stahlbeton ein. Die Petrol Station wurde temporär zu einer Work-Station, weitere Umnutzungen der Station sind vorprogrammiert.
Im EG und 1. OG befindet sich mit dem Showroom die Präsentations- und Verkaufsfläche des Möbelherstellers, und im 2. OG das dazugehörige Büro als Designer-Atelier. Das Treppenhaus und die Sanitärzellen befinden sich im Bestandsgebäude, das konstruktiv und funktional als Kern dient.
Fenster/Fassade
Weil sich das Gebäude an einer geschäftigen und lauten Straßenkreuzung befindet, bot sich eine doppelschalige Fassadenhaut schon aus Schallschutzgründen an. Klein Dytham konstruierten eine "Ganz-Plastik-Fassade" aus gebogenen Polykarbonat-Stegplatten. Aufgrund der hohen Lichtdurchlässigkeit des Polykarbonats wirken die dahinter befindlichen Räume ruhig und luftig, wie hinter einem Schleier, der die Hektik filtert und vor allzu großer visueller Exponiertheit an der Straßenkreuzung schützt.
Bei Nacht wird die Polykarbonat-Haut zu einer spektakulären Projektionsfläche transformiert, die mit den Farben, Bildern und Schatten im Inneren des Gebäudes in ständiger Bewegung ist. Zu dieser Wirkung, die dem Möbelhersteller einen hohen Wiedererkennungseffekt im visuell lauten Tokio garantiert, tragen mit farbigen Folien beschichtete Polykarbonat-Felder an der inneren Haut bei. Im Inneren ergänzen freistehende Trennwände und Paravents ebenfalls aus mit Farbfolie beschichteten Polykarbonat-Stegplatten dieses Spiel mit Transparenz und Transluzenz, mit Licht, Farbe und Raum.
"When you're a young architect, dying to do wild projects, Tokyo is the perfect city. Just follow the building regulations, and your design can look like everything you want it to."
Diese experimentelle Lust und Energie wurde 1993 mit der Verleihung des Kajima Space Design Awards für das beste junge Büro in Japan belohnt. Die Workstation wurde bisher zweimal mit Preisen ausgezeichnet: mit dem Asahi Glass Design Award und dem National Panasonic Design Award.
Weitere interessante Projekte der Architekten finden Sie in der Monografie von
Astrid Klein, Mark Dytham, Carolien van Tilburg
Klein Dytham Architecture - Tokyo Calling, Frame Monographs of Contemporary Interior Architects
Birkhäuser Verlag, Basel 2001, ISBN 3-7643-6559-5.
Bautafel
Architekt: Klein Dytham Architecture, Tokio/J
Bauherr: Idée Co. Ltd, Tokio/J
Fertigstellung: 1996
Standort: Shimouma, Setagaya-ku, Tokio/J
Bildnachweis: Katsuhisa Kida, Nacása & Partners über Klein Dytham Architecture