Werkkomplex der Wolford AG, Bregenz
Konstruktive Eleganz
Zu den Visionen der Wolford AG in Bregenz gehört die "kreative Erzeugung von Luxus-Produkten für die Bein- und Körperkultur". Analog zu dieser Philosophie folgt die Erweiterung und Sanierung der Betriebsgebäude mit einer Architektur, die die heutigen konstruktiven Möglichkeiten ausschöpft: Konzentration auf die klare, geordnete Struktur der Konstruktion führt zur endgültigen Form. So verweisen die Architekten des Büros fab-02 aus Lustenau, Klas und Lässer, auf die Gedanken von Viollet-le-Duc (1814-1879) und Mies van der Rohe (1886–1969). Besonders deutlich wird dies am vorgelagerten, pavillonartigen Neubau.
Das gebaute Erscheinungsbild spiegelte den Werdegang des Unternehmens, das kurz nach dem zweiten Weltkrieg mit der Herstellung von Socken begann, wider. Je nach Notwendigkeit war über Jahrzehnte ein unübersichtlicher Gebäudekomplex entstanden, der zunehmend auch rationelle Produktionsprozesse beeinträchtigte. Neben der Sanierung und Neuordnung des Bestands galt es, die inzwischen gewonnene Bedeutung des Unternehmens auch in entsprechenden Baulichkeiten auszudrücken. Die Bauten liegen am Rand eines Industriegebiets im Südwesten der österreichischen Festspielstadt Bregenz am Ostende des Bodensees. Diese exponierte Lage wurde als Chance erkannt und genutzt: Die Produktions- und Verwaltungsgebäude "verschwanden" nahezu komplett hinter einer über 200 m langen und 8 m hohen Stahl-Glas-Fassade. Vorgelagerte, konstruktiv durchgebildete Fluchttreppenhäuser gliedern die Fassadenflucht und setzen Akzente. Ein separater Neubau enthält auf 430 m2 eine Boutique, eine Bar sowie ein Restaurant.
Fenster, Glas und Fassade
Die einfache Stahlbeton-Konstruktion der zweigeschossigen Produktionsbauten von 1967 mit außenliegenden (!) Stützen war optisch, bautechnisch und bauphysikalisch "in die Jahre" gekommen. Zeit für eine grundlegende Sanierung: Stahlkonsolen mit ca. 70 cm Ausladung, an der Fensterbrüstung (Stahlbeton) des EG und der Attika angebracht, tragen die Pfosten-Riegel-Konstruktion der Glasfassade. Der Abstand der Konsolen entspricht mit 2,50 m der Breite der Fensterelemente. Zwei Details sind erwähnenswert: Um den Brandschutz zwischen den Geschossen zu gewährleisten, wurde in Höhe der Fensterbrüstung eine horizontale Brandschutzverglasung angeordnet. Von außen nur erkennbar an einem feinen horizontalen Profil, das die Glaselemente gliedert. Zum Zweiten muss der vor die alte Fassadenebene auskragende Dachbereich entwässert werden: Eine unnötige Verschmutzung der Fassaden war zu verhindern. Dies übernimmt eine beheizbare Rinne. Die Fallrohre sind hinter den Aluminium-Deckprofilen der Pfosten verborgen.
Die Dimensionen der Glasscheiben sind beachtlich: In jedem Element ist unten eine Scheibe von 2.440 mm Breite und 4.400 mm Höhe eingebaut, darüber sind die Maße 2.440 x 2.965 mm.
Die Gläser haben – gerade bei der Herstellung hochwertiger Modeartikel – möglichst viele Funktionen optimal zu erfüllen: Die Farben und die Qualität müssen einwandfrei beurteilt werden können, gleichzeitig dürfen die Arbeitsbedingungen in der Produktion nicht durch übermäßige Aufheizung beeinträchtigt werden. Gewählt wurde hier UNISUN 1,1 NEUTRAL 52/29, das durch den hohen Lichttransmissionswert tL von 52 % (DIN 67507) die Farbneutralität gewährleistet. Durch den Scheibenaufbau 8:16:10 und die verwendeten Gläser wird ein U-Wert (Uv nach DIN EN 673) von 1,1 W/m2K und ein Gesamtenergiedurchlass-grad von 29 % (DIN 67507) erreicht.
Als glücklicher Umstand erwies sich, dass die Produktions- und Verwaltungsgebäude weit von der Straße zurückgesetzt waren. Die Fläche, ehemals nur als Parkplatz genutzt, wurde völlig neu gestaltet: Eingebettet in ein parkartiges Umfeld, empfängt den Besucher nun die "World of Wolford" mit Boutique, Bar und Restaurant. Der zurückhaltende Einsatz weniger Baustoffe, Stahl und Glas, ermöglicht ein flexibles Raumgefüge und bringt die präsentierten Produkte zur Geltung. Eigentlich ist das Gebäude eine Glasvitrine mit einem weit auskragenden Dach, das, brückenartig mit dem Hauptgebäude verbunden, an den Ausgangspunkt der Produkte, die Fertigung, erinnert. Geometrisch angeordnete Rasen- und Wasserflächen unterstreichen die Inszenierung der Produktpräsentation. Bei warmem Wetter nimmt der Bereich den Charakter eines Straßencafés an.
Für die Verglasung wurden hier UNIPLUS 1,1, SECURMART ESG und SECURMART LOW-E ESG im Aufbau 10:16:8 eingesetzt. Der Scheibenzwischenraum ist mit Argon gefüllt, die Scheibenränder sind mit 20 mm breiten Emaillestreifen in Schwarz eingefasst.
Bautafel
Architekten: fab02 [klas + läßer], Lustenau
Projektbeteiligte: Gebhard und Philipp Geller, Hard (Bauleitung); Glas Marte GmbH, Bregenz (Glasveredler und -hersteller)
Bauherr: Wolford AG, Bregenz
Fertigstellung: 2002
Standort: Wolfordstraße 1, A-6901 Bregenz
Bildnachweis: Uniglas