Stadthaus in Tübingen
Pfosten-Riegel-Konstruktion mit verschiedenen "Füllungen"
Aus dem Erläuterungsbericht der Architekten:
"Mit diesem Haus interpretieren wir den Typus des Stadthauses zeitgemäß neu, der in Mitteleuropa wie auch im angelsächsischen Raum (als town house) eine reiche Tradition hat.
Auf einem 5,50 Meter schmalen und 94 qm kleinen Grundstück zwischen zwei Brandwänden finden über 200 qm Nutzfläche Platz, in Form von 3 gleichen Loft-Etagen und einem Penthouse mit großzügiger Dachterrasse. Der Grundstücksanteil an den Projektkosten ist daher niedrig. Die vertikale Erschließung wird platzsparend und räumlich reizvoll an der westlichen Längswand geführt.
Die drei Einheiten können über das Treppenhaus beliebig kombiniert und wahlweise zum Wohnen oder Arbeiten genutzt werden. Die Grundrisse sind daher nutzungsneutral entworfen, was sich auch in der Gliederung der Fassaden widerspiegelt.
Das Tragwerk des Hauses ist eine Misch-Konstruktion, bestehend aus Ortbeton und Mauerwerk, in der jedes Material bewußt eingesetzt und auch präsentiert ist: Die Trennwände zu den Nachbargebäuden wurden aus KS-Planblock-Elementen gemauert und glatt verputzt, alle Geschossdecken und auch die gliedernden Wände innerhalb des Hauses bestehen aus sichtbar belassenem Ortbeton. Aus Kostengründen wurde der Beton zwar nicht als Sichtbeton ausgeschrieben, aber vom Rohbauer mit neuen Schaltafeln nach Angabe des Architekten sorgfältig geschalt.
Die einzige Querwand dient als Queraussteifung und bildet gleichzeitg den Installationsschacht, in dem die gesamte Leitungsführung des Hauses (Sanitär, Heizung, mechanische Be- und Entlüftung sowie Elektrik und Telekommunikation) konzentriert ist.
Die Bodenbeläge bestehen aus einem geschliffenen und gewachsten Ziegelestrich - wiederum ein in seiner natürlichen Oberfläche sichtbar belassenes Material. Die Innenausbauten sind als leichte Schreinerkonstruktionenen auf den Estrich gestellt, um bei künftigen Nutzungsänderungen rückstandsfrei entfernt werden zu können. Darüber hinaus erfüllen sie gleichzeitig mehrere Funktionen: Treppengeländer und Badezimmerwände sind als Regale ausgebildet.
Fenster und Türen
Durch den - auf Grund der Lage zwischen Brandwänden - sehr geringen Außenwandanteil des Baukörpers war eine besonders hochwertige Pfosten-Riegel-Fassade aus verschiedenen Gläsern finanzierbar. Sie trägt maßgeblich zur günstigen Energiebilanz des Hauses bei und prägt mit einer vorgehängten Schicht aus durchgefärbtem, verdeckt befestigtem Faserzement (Eternit) seine äußere Erscheinung.
Die Fassaden sind nach Norden teilweise geschlossen, nach Süden zur passiven Nutzung der Sonnenenergie vollständig geöffnet, rundum hoch gedämmt und sehr dicht ausgeführt. Zusammen mit einer mechanischen Be- und Entlüftungsanlage mit zentralem Wärmetauscher konnte der Heizenergiebedarf des Hauses deutlich unter den Niedrig-Energie-Standard der EnEV gesenkt werden."
Für die Pfosten-Riegel-Fassade wurde eine Konstruktion aus BSH mit den Abmessungen 160/52 mm gewählt. Die Öffnungsflügel und die Schrägverglasung auf dem Dach bestehen aus Aluminiumprofilen mit Isolierverglasung. Die Faserzementplatten sind auf einer Aluminium-Unterkonstruktion verdeckt befestigt und vor die BSH-Pfosten-Riegel gehängt.
Die emaillierten Glasscheiben mit einer Stärke von 8 mm sind auf eine Sandwich-Wandkonstruktion aus einer wasserfesten Spanplatte mit 19 mm Stärke, 150 mm Mineralwolldämmung mit Dampfsperre sowie einer zementgebundenen 16 mm starken Flachpressplatte aufgebracht.
In der straßenabgewandten Südfassade sind großflächige Holz-Faltschiebetüren mit Isolierverglasung angeordnet.
Bautafel
Architekten: Krisch+Partner, Tübingen
Projektbeteiligte: Gerald Goldbach, Tübingen (Projektleiter bei Krisch+Partner); H.-U. Ströbel, Tübingen (Statik); Tobias Efferenn, Tübingen (HLS-Planung); Günter Hölldampf, Stuttgart (Elektroplanung)
Bauherr: Rüdiger Krisch, Tübingen
Fertigstellung: 2004
Standort: Gölzstraße 6, Tübingen
Bildnachweis: Joachim Feist, Pliezhausen (1+2), Rüdiger Krisch, Tübingen (3+4)