Stadthalle Graz/A

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Pfosten-Riegel-Konstruktion mit bündigen Fluchttüren

Im Rahmen des Stadtentwicklungsprogramms von Graz entstand auf einem Grundstück der Grazer Messe nach den Plänen des Architekturbüros Klaus Kada eine Multifunktionshalle, die mit ihrem 150 Meter langen und 46 Meter breit auskragenden Dach an dieser Stelle ein markantes städtebauliches Zeichen setzt. Die Stadthalle gilt als Österreichs modernste Multifunktionshalle für Konzerte, Sportevents, TV-Shows, Kongresse, Galas und ähnliche Veranstaltungen mit einer stützenfreien Fläche von 6.500 m², ca. 11.000 Steh- und ca. 8.000 m² Sitzplätzen.

Das riesige Dach auf vier Stützen definiert den Straßenraum als außen liegenden Begegnungs- und Veranstaltungsort. Auf eingespannten Stützen aus Stahlbeton lagern die beiden Hauptträger aus Stahlfachwerk. Kraftschlüssig mit diesen verbunden überspannen als Fachwerk ausgebildete Nebenträger die gesamte Länge von 150 Metern bei einer Auskragung von 2 x 46 Metern. Das weit in den Straßenraum hineinragende Dach verleiht dem Gebäude eine starke räumliche Dominanz und betont eindrucksvoll das Entrée an der viel befahrenen Conrad-von-Hötzendorf-Straße. Seine transparente, als filigrane Pfosten-Riegel-Konstruktion ausgeführte Fassade verbindet optisch den Vorplatz mit dem Hallenraum. Das lichtdurchflutete Foyer bildet – gemeinsam mit den seitlichen Foyers im Norden und im Süden – die Aufenthalts- und Erschließungszonen. Von hier aus gelangt der Besucher auf das Messegelände, den Tagungsbereich im 1. OG und - über Brücken und Galerien miteinander verbunden - in den ebenfalls neu erbauten gläsernen Büroturm.

Fenster und Türen
Transparenz und Durchlässigkeit sind die verbindenden Themen des Entwurfs – optisch erfassbar in Form gläserner Raumabschlüsse und großformatiger, schwenkbarer Öffnungen, sowie räumlich über Brücken, Galerien und Verbindungsgänge miteinander verschränkt. So lässt die 150 Meter lange Fassade entlang der Conrad-von-Hötzendorf-Straße tief in die Halle blicken. Konstruktiv handelt es sich um eine Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Aluminiumprofilen in Verbindung mit einer Stahl-Unterkonstruktion. Das wärmegedämmte Profil ist speziell für den Einsatz als vertikale Fassade oder Lichtdach konzipiert. In diesem Fall sind die Isoliergläser in liegenden Formaten (390 x 120 mm) innen umlaufend von einem Profil gehalten, während sie außen lediglich zweiseitig, und zwar horizontal, mit Glasleisten gesichert sind. Die beiden vertikal aneinander stoßenden Glasflächen sind flächenbündig mit Silikon verfugt. Auch die Füllungen der in diese Fassade bündig eingelassenen Fluchttüren sind mit einer Silikondichtung verklebt, so dass sie optisch kaum ins Auge fallen. Die Verwendung von farblich abgestimmtem Silikon an Stelle von Aluminium-Leisten verleiht der Konstruktion eine zusätzliche Transparenz.

Für die Elementfassade des benachbarten Büroturms wurde eine Sonderkonstruktion nach Vorstellungen des Architekten Prof. Klaus Kada entwickelt. Kada strebte eine über die gesamte Fassadenabwicklung hinweg optisch identische Ansichtsbreite des Profils an, und zwar unabhängig davon, ob es sich bei den geschosshohen Verglasungen um festverglaste oder bewegliche Elemente handelt, um ein Brüstungselement oder ein Brandschutzelement, das den Feuerüberschlag verhindern soll. Erschwert wurden diese Vorgaben durch die Tatsache, dass der Turm sich an seiner Nordfassade oberhalb des 3. OG nach außen zunehmend überhängend entfaltet. Das eigens für dieses Projekt entwickelte Sonderprofil zeichnet sich durch seine schmale Ansichtsbreite von nur 35 mm aus, welches – anthrazitfarben pulverbeschichtet – optisch einer Stahlkonstruktion ähnelt. Dem unbeteiligten Betrachter präsentiert sich die Fassade des Büroturms von jeder Stelle aus als eine präzise gerasterte Konstruktion, gegliedert mittels 14 mm breiter Schattennuten und filigraner Deckleisten. Nur die rhythmisch wiederkehrenden Fensteröffnungen unterbrechen diese Ebenmäßigkeit mit dem Spiel der im Verhältnis von 1:2 geteilten beweglichen Flügel.

Veranstaltungshinweise und einen interaktiven Rundgang durch die Halle bietet die Homepage der Stadthalle Graz.

Bautafel

Architekten: Prof. Klaus Kada, Graz
Projektbeteiligte: Alu König Stahl GmbH, Wien (Fassadenplanung und -beratung); Ma.TEC Stahl- und Alubau GmbH, Neutal (Fassadenausführung)
Bauherr: Grazer Messe International, vertreten durch Magistrat Graz, Hochbauamt
Fertigstellung: 2002
Standort: Grazer Messe, Conrad-von-Hötzendorfstraße, Graz, Österreich
Bildnachweis: Schüco, Bielefeld

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