Pfarrzentrum, Podersdorf/A

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Gläserne Passpartout-Tür

Podersdorf liegt direkt am Neusiedler See und ist mit seinem langen Strand ein beliebter Ferienort in den Sommermonaten. Die kleine barocke Kirche des Ortes reichte für die (im Sommer bis zu 10.000) Touristen schon lange nicht mehr aus, so dass 1998 von der Gemeinde Podersdorf ein Wettbewerb für den Neubau eines Pfarrzentrums ausgeschrieben wurde - und von den Architekten Andreas Lichtblau und Susanna Wagner gewonnen wurde.

Podersdorf ist ein typisches Straßendorf, und selbstverständlich wurde im Wettbewerb die Anpassung an die vorhandene städtebauliche Struktur verlangt. Der Entwurf der Preisträger wich von dieser Vorgabe zugunsten eines wohlüberlegten Freiflächenkonzeptes ab. Erstens steht der Neubau quer zur flankierenden Strassenrandbebauung und zweitens weit auf das Grundstück zurückgesetzt. Durch diese Maßnahme sind 2 Plätze entstanden, und zwar zur Straße hin ein Stadtplatz und rückwärtig eine Festwiese.

Die Architekten beschreiben ihren Eingriff wie folgt: "Städtebaulich bleibt die historische Kirche das zeichenhafte Element des gesamten Zentrums. Mit der Erweiterung um Sonntagsmessraum, Vorraum und Freiflächen, Pfarrsaal und Pfarrheim entsteht nun eine komplexe Sequenz von (Innen- und Außen-) Räumen, die nicht mehr nur auf einen Blickpunkt ausgerichtet sind, sondern im Durchschreiten wahrnehmbar werden."

Passepartout
Der Gebäudekomplex wird an beiden Plätzen mit einer vorgestellten gläsernen Wandscheibe gefasst, die als ein Passepartout die Türen ausschneidet - und dabei visuell betont. Neben der architektonisch überzeugenden Funktion fällt die ausgesprochen poetische Wirkung dieses ansonsten streng geometrischen Elementes auf. Die Wandscheibe ist nämlich vollflächig typografisch mit goldenen Druckbuchstaben bedeckt. Neben und zwischen den - fast schon zu erwartenden - Bibelzitaten kommen Podersdorfer Einwohner mit Äußerungen zum Thema Familie zu Wort.

Die Gesamtlänge eines Passepartouts beträgt 39,30 m bei einer Höhe von 6,90 m. Auf einer Stahlkonstruktion sind über bewegliche Auflagerpunkte ESG-Glastafeln montiert, wobei jeweils 2 Scheiben vor einem der durch die Stahlprofile gebildeten Rahmen hängen. Jede Scheibe hat das Format 1,76 m x 2,33 m. Durch das verdoppelte Format entsteht eine Annäherung an den goldenen Schnitt, also an einen Proportionsschlüssel, der architekturtheoretisch als "göttlichen Ursprungs" gilt. Auf die Außenseite der ESG-Scheiben sind die goldenen Druckbuchstaben mit einer hochwertigen, selbstklebenden Folie aufgebracht.

Bautafel

Architekten: lichtblau.wagner, Wien
Projektbeteiligte:
Waltraud Derntl, Markus Kierner, Susanna Wagner, Andreas Lichtblau (verantwortliche Projektbearbeiter); ks_visuell (www.ks-visuell.at), Stephanie Krieger, Maximilian Sztatecsny, Büro für visuelle Gestaltung, Wien (Typografie); Josef Gebeshuber (Statik); Gerhild Stosch (Bauphysik/Niedrigenergietechnik); Wolfgang Käferhaus (Lüftungstechnik); Elektro Kager (Elektro)
Bauherr: Wega Raiffeisen Immobilien Leasing GmbH/A
Fertigstellung: 2002
Standort: Röm.-Kath. Pfarre Podersdorf
Seestraße 67, A –7141 Podersdorf am See
Bildnachweis: Margherita Spiluttini (1);
Bruno Klomfar (2, 3, 4)

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