Mensa- und Hörsaal-Gebäude der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder

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Fensterflügel mit Senk-Klapp-Beschlägen

In Frankfurt an der Oder nach der Wiedervereinigung eine Hochschule einzurichten, zeugt von dem Wunsch, an die Tradition der früheren Universität der Stadt anzuknüpfen, die 1811 nach Breslau verlegt worden war. Die fußläufig erreichbare Nachbarstadt Slubice in Polen sollte ausdrücklich in die Planung für einen grenzüberschreitenden Lehrbetrieb einbezogen werden.

Die Gesamtplanung für das Universitätsareal war Ergebnis eines städtebaulichen Ideenwettbewerbs, der 1994 entschieden wurde. Das polnische Büro von Prof. Marian Fikus wies darin den Europa-Platz als zukünftige Adresse für das Mensa- und Hörsaalgebäude aus. Zwischen dem Hauptgebäude, dem ehemaligen Regierungspräsidium und der Oder soll die Universität mit einem zusätzlichen Audimax zu einem Campus zusammenwachsen, der Flächenreserven für Nachfolgeinstitute bereithält.

Mit dem hier vorgestellten Neubau ist es gelungen, das große Volumen von Hörsälen und Mensa in eine kompakte und gleichzeitig gegliederte Form zu bringen – die leicht verschobene Geometrie hebt die Masse des Baukörpers mit einem BRI von immerhin 61.500 qm auf. Die multifunktionale Mischung aus Lehrgebäude und Veranstaltungsort hat sich schnell zu einem wichtigen Identifikationspunkt der jungen Institution Viadrina entwickelt.

Die kompakte Geometrie des Baukörpers lässt das innen liegende Atrium als Klimapuffer wirken. Ohne künstliche Klimatisierung oder Heizung sorgen Sonnenschutz und Lüftung im Sommer für eine Regulierung des Wärmehaushalts und können im Winter eine Temperatur von 15° - 16° C gewährleisten. Alle haustechnischen Aspekte sind einer zentralen Steuerung untergeordnet. Ein möglichst personalloser Betrieb, wie er heute Standard ist, wird durch die Nähe aller wichtigen Uni-Gebäude auf diesem überschaubaren Areal begünstigt.

Fenster
Wenige, gezielt eingesetzte Materialien bestimmen das Erscheinungsbild des Hochschulgebäudes. Die äußere Hülle des Baukörpers ist mit dem in Frankfurt häufig zu findenden roten Klinker verkleidet, die innere Hülle dagegen zeigt den unverkleideten, farbig lasierten Sichtbeton. Großzügige Glasflächen an der östlichen und westlichen Längsseite des Atriums stellen den räumlichen Bezug zum Europaplatz und zur Oder her. Die Konstruktion der Pfosten- Riegel-Fassade ist aus Brettschichtträgern mit Öffnungsflügeln aus Lärchenholz.

Für Belüftungs- und Rauchabzugsflügel wurden Senk-Klappbeschläge gewählt. Technisch gesehen handelt es sich um eine vertikale Aneinanderreihung dreier Fensterflügel ohne Zwischenkämpfer. Die einzelnen Flügel mit einer Größe von 200 x 93 cm addieren sich so zu 12 öffenbaren Feldern von jeweils 200 x 255 cm für die notwendige Zuluft zur Entrauchung des Atriums. Der Rauchabzug erfolgt über Lüftungsflügel der horizontalen Atriumverglasung. Sie wurde in einer Pfosten-Riegelkonstruktion aus Aluminium erstellt und mit außenliegenden Sonnenschutzmarkisen versehen.

Alle Verglasungen sind aus VSG (Float/LZR/Float) Scheiben mit einem K-Wert von 1,3.

Die Architekten wurden für das Viadrina-Gebäude mit dem Architekturpreis 2004 des BDA-Landesverbands Brandenburg ausgezeichnet.

Bautafel

Architekten: Yoshimi Yamaguchi-Essig und Prof. Mathias Essig, Berlin
Projektbeteiligte: Pichler Ingenieure GmbH, Berlin (Tragwerksplanung); CP Ingenieure, Krefeld (Technische Ausbauplanung)
Bauherr: Ministerium der Finanzen Land Brandenburg, Landesbauamt Frankfurt/Oder
Fertigstellung: 2002
Standort: Europa Platz 1, 15230 Frankfurt/Oder
Bildnachweis: Yamaguchi Essig

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