McLaren Technology Centre, Surrey/GB
Windblades und Drahtseelen - Reminiszenz an den Rennwagen
Der Rennwagenhersteller McLaren wünschte sich von Lord Norman Foster einen zeitgemäßen Firmensitz, der die bislang auf 18 verschiedenen Standorte verteilten Geschäfts-, Forschungs- und Herstellungsabteilungen zusammenfassen sollte. Auf einer Grundstücksfläche von ca. 50 Hektar - größenmäßig vergleichbar mit dem Londoner Flughafen Stansted - wurden die Werksgebäude mit insgesamt ca. 60.000 Quadratmeter Nutzfläche verteilt, darunter Design-Studios, Werkstätten, Besucherzentrum und Cafeteria, Forschungs- und Entwicklungseinheiten z.B. für die Produktion von Kohlefaser-Kunststoffen, Motoren und Prototypen, von Rennwagen und dem neuen Mercedes SLR. Das Gebäude enthält außerdem einen Windkanal, in dem Modelle im Maßstab 1:2 aerodynamisch getestet werden können.
Gemäß einer baurechtlichen Vorgabe durfte eine maximale Gebäudehöhe von zehn Metern nicht überschritten werden, so dass die Architekten das Gebäude absenkten und damit regelrecht in die Landschaft einbetteten. Von oben betrachtet gleicht das Gebäude einem s-förmig geschnittenen Halbkreis, der durch einen künstlichen See zu einem Kreis vervollständigt wird. Das Innere organisierten die Architketen über so genannte 6 m hohe 'Straßen', die jeweils einzelne, 18 m breite und zweigeschossige "Finger" erschließen. Unten beinhalten diese Volumen flexible Nutzungsmöglichkeiten, Technik und Lager, während sich oben Design-Studios, Büros und Konferenzbereiche befinden.
Fenster, Glas und Fassade
Die rund 7,5 m hohe Glashaut der Hauptfassade ermöglicht nicht nur einen maximalen Tageslichteinfall in das Gebäude, sondern sie bietet einen ungehinderten Ausblick in die umgebende Natur. Eine konventionelle Pfosten-Riegel-Konstruktion schied aus, denn es hätten sich aufgrund der s-förmigen Grundriss-Krümmung von bestimmten Blickwinkeln aus die als einzelnes Bauteil möglicherweise noch filigranen Pfosten zu massiven Paketen addieren können.
Die ursprünglich in gebogenem Glas geplante Fassade wurde u.a. aus Kostengründen als eine Abfolge in sich planer Scheiben ausgeführt. Bemerkenswerter Bestandteil der Fassadenkonstruktion sind sogenannte "windblades", horizontal verlaufende Abspannungen, die die Sog- und Druckkräfte aus den Windlasten aufnehmen und in eine raumseitige Stahlsäule einleiten. Dem Grundraster des Entwurfs folgend sind jeweils drei Windblades im Abstand von 180 cm übereinander angeordnet. Sie haben eine Spannweite von 12 Metern und bestehen aus Computer-gelaserten Zuschnitten von 25 mm starken Aluminiumplatten in Speziallegierung. Ihr stromlinienförmiges Design geht zurück auf die Halterung des Windspoilers des McLaren-Wagens F1, der 1995 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann.
Weil die Windblades – bedingt durch ihre Konstruktion als horizontale Träger – keine vertikalen Lasten aufnehmen können, werden diese von etwa 5 mm starken, an der Sichtbetondecke verankerten Edelstahl-Spezialseilen getragen. Derartige sogenannte Drahtseelen verstärken bei den McLaren Mercedes Formel 1 Rennwagen auch den Wagenaufbau. Jede Drahtseele trägt ca. 2,4 Tonnen laminiertes Glas. Die Windblades und die Drahtseelen bilden zusammen ein konstruktives Skelett, das insgesamt rund 40 Tonnen laminiertes Glas für das Auge kaum wahrnehmbar trägt.
Lediglich bei den raumhohen Glasfassaden der internen 'Straßen' wählten die Architekten eine Pfosten-Riegel-Konstruktion aus einem systemadaptierten Schüco-Sonderprofil mit gerundeter Rückseite, welches ohne Silikon als Dichtstoff auskommt. Die rückseitige Außenfassade, die Trennwände innerhalb des Verwaltungsbereichs und die der Fertigungsboxen basieren auf dem gleichen Konstruktionsprinzip. Die Trennwände der Fertigungsboxen sind darüber hinaus zerstörungsfrei demontierbar. Sie können zum Einbringen von Maschinen und anderem Gerät zeitweise entfernt werden und lassen sich bei geänderten Produktionsbedingungen räumlich flexibel umsetzen.
Bei der offiziellen Eröffnung am 12. Mai 2004 bewunderte die Queen höchstpersönlich diese Mischung aus '90 % NASA und 10 % Disney' (Zitat CEO Ron Dennis), nachdem sie u.a. David Coulthard and Kimi Raikkonen die Hand gedrückt hatte.
Bautafel
Architekten: Foster and Partners, London
Projektbeteiligte: Arlington Securities (Projektmanagement); Arup (Konstruktion und Statik); Schüco (Fassade)
Bauherr: TAG McLaren Group
Fertigstellung: 2004
Standort: Woking, Surrey (südwestlich von London)/GB
Bildnachweis: Schüco
Quelle: Schüco, Foster and Partners, McLaren Mercedes