Kursaal, San Sebastian/E

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Doppelwandige Schichtglas-Paneele

1990 gewann Rafael Moneo, Träger des Pritzker Preises 1996, den 1. Preis für seinen Entwurf eines "Kursaals" für die baskische Metropole San Sebastian. Das realisierte Bauwerk erhielt 2001 den Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur - Mies van der Rohe Preis.
Hinter dem auch im Spanischen benutzten Namen "Kursaal" verbergen sich ein Auditorium für ca. 1800 Personen und eine Kongresshalle mit gemeinsam genutzten Räumen für Ausstellungen, Versammlungen, Verwaltung, Gastronomie sowie den erforderlichen Nebenräumen wie Künstlergarderoben, Sanitärräume und Technik. Moneo löste die Aufgabe in einer unnachahmlichen Verbindung aus abstrakten und eher narrativen Elementen. Auf einer abgesenkten Sockelplattform ordnet er zwei Kuben verschiedener Größe an, die wegen der unmittelbaren Nähe zum Atlantikstrand wie zwei riesige gestrandete und schräg steckengebliebene Kristalle wirken.
Moneo reagiert mit diesem Bild einerseits ausgesprochen pragmatisch auf das geforderte Raumprogramm, aber ebenso wichtig ist ihm die sorgfältige Einbeziehung der Stadtsilhouette von San Sebastián mit ihrer besonderen geographischen Lage: Bucht von Biscaya, Sandbucht, Flussmündung plus ufernahe Hügel und Bergkette im Hintergrund. Unter Verweis auf Jörn Utzons Idee für das Opernhaus in Sidney - das assoziative Bild der sich blähenden Segel verknüpft das Meer mit der Stadt - erläutert Moneo, dass es ihm weniger um einen städtebaulichen als um einen geographischen Eingriff ging. Der neue Gebäudekomplex sollte keinesfalls als zu massiver und damit dominierender Eingriff die Balance zwischen Stadt und Landschaft stören.

Glasfassade
"Meine Absicht war von Anfang an, bei den beiden Kuben eine formale Einheit und Unversehrtheit zu schaffen. So war die ganze Zeit Glas in einer gewissen Schichtdicke vorgesehen. Genauso klar war die Notwendigkeit eines Traggerüsts mit einer bestimmten Dimensionierung, für eine Glasoberfläche auf der Innenseite und für eine andere auf der Außenseite, für 2 "Screens".
Mit der Zeit bemerkten wir aber, dass diese Glasflächen materialmäßig nicht wie transluzentes Mauerwerk wirken würden, und die Konsequenz also eine körperhaftigere Vorhangfassade als üblich gewesen wäre. Dann tauchte das Bild der Schuppe auf, die auf der Glaswand den Eindruck von Vibration erzeugt und natürlich die Dynamik der Kuben steigert. Und in der ganzen Zeit suchte ich nach Materialien, die sich mit den klimatischen Bedingungen des nahen Ozeans vertragen würden", erklärt Rafael Moneo (zitiert nach El Croquis Nr. 98, Madrid 1999, aus dem Spanischen übersetzt von der Autorin).

Die gesamte Fassadenoberfläche beider Kuben ist bis auf wenige Ausschnitte nach dem gleichen Prinzip ausgebildet, nämlich einer doppelwandigen Haut aus Schichtglaspaneelen, den zuvor erwähnten "Schuppen". Die Paneele haben die Abmessungen 2500 x 600 mm und verlaufen waagerecht. Die äußeren Paneele bestehen aus konkav gewölbtem VSG-Glas, aus einer Schicht transparentem Profilglas 4-5 mm und einer Schicht gesandstrahltem Floatglas 19 mm. Die Paneele werden von waagerechten Aluprofilen gehalten, die vertikalen Fugen sind mit Silikon versiegelt.
Die inneren Pannele sind plan und bestehen aus sandgestrahltem VSG aus jeweils 2 Schichten Floatglas je 6 mm. Während das Aluhalteprofil dem des außenseitigen Wandaufbaus entspricht, sind in Übereinstimung mit dem im Innenausbau verwendeten Holz die waagerechten Fugen mit einer Zedernholzleiste abgedeckt. Die vertikalen Fugen sind auch auf der Innenseite mit Silikon versiegelt. Die Tragstruktur im Inneren dieser doppelten Glashaut ist als Pfosten-Riegelkonstruktion aus brandschtzbeschichteten Stahlprofilen ausgebildet, auf die wiederum Gitterroste für die Reinigung und Wartung der Glaspaneele aufgebracht sind.

Keine noch so detaillierte Beschreibung ersetzt jedoch den eigenen Augenschein dieses wirklich nicht alltäglichen Bauwerks. Außerdem - nicht weit von San Sebastián liegt Bilbao, und auch dort gibt es mit Frank Gehrys Guggenheim-Museum einiges zu erkunden...Auf nach Spanien. - ju

Bautafel

Architekt: José Rafael Moneo Vallés, Madrid
Projektbeteiligte: Luis Rojo, Jeff Inabe, Andrew Borges, Barry Price, Ezra Gould, Collette Creppell, Nancy Chen, Albert Ho, Ignacio Quemada, Eduardo Belzunce, Fernando Iznaola, Jan Kleihues, Luis Diaz Maurino, Adolfo Zanetti, Robert Robinowitz, Juan Beldarrain, Pedro Elcuaz, Imanol Iturria (Mitarbeiter)
Bauherr: Centro Kursaal - Kursaal Elkargunea S.A.
Fertigstellung: 1999
Standort: San Sebastián, Spanien
Bildnachweis: Büro Moneo über Wiener Städtische AG, Rubrik Kunst und Kultur

Architektenprofil

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