Kunsthaus Graz/A
Nozzles als Oberlichter
Trotz seiner ungewöhnlichen Form - die Architekten selbst bezeichnen das Gebäude als einen „friendly Alien“ - integriert sich das neue Kunsthaus in den bestehenden Kontext der Grazer Alltstadt. Das gesamte Ensemble gliedert sich in einen aufgeständerten, dreigeschossigen biomorphen Baukörper, eine Erdgeschosszone und einen Altbau mit einer besonderen Gusseisenkonstruktion ("Eisernes Haus"). Ungewöhnlich sind auch die Lichtkuppeln, "Nozzles" genannt, die dem Gebäude seine prägnante Dachaufsicht verleihen und die Ausstellungsebene belichten.
Oberlichter
"Nozzles" heißt übersetzt "Düse", doch wecken die Formen ebenso Assoziationen an Tentakeln, Schneckenfühler und Saugnäpfe. Die Architekten beschreiben das Haus im Wettbewerbsbeitrag folgendermaßen: "Die obere Galerie wird mittels einer Reihe nach Norden ausgerichteter Tageslichtöffnungen (so genannter Nozzles) grundsätzlich natürlich beleuchtet. Einige dieser Nozzles können die Ausrichtung verändern, wodurch die Lichtintensität an die verschiedenen Kunstinstallationen angepasst werden kann. Sie können auch so programmiert werden, dass sie den Bewegungen der Sonne oder anderer Himmelskörper folgen. Die Nozzles verfügen über Lamellen, Filter und Lichtstreukörper, mit welchen die Lichtqualität gesteuert wird, und sind mit künstlichen Lichtquellen ausgestattet, um das natürliche Licht gegebenenfalls zu ergänzen."
Als Folge der geometrischen wie baukonstruktiven Durcharbeitung wurde für die Tragstruktur der Gebäude-Außenhaut ("Skin") ein Dreiecksraster entwickelt, in das sich die Nozzles mit einer jeweils sechseckigen Grundfläche andocken. Jedes Nozzles ist ein für sich eigenständiges Bauelement, das sich selbst mittels der gekrümmtem Schale trägt. Der Schalenaufbau entspricht dem Sandwich-Prinzip der "Skin" mit Paneelen aus elastisch gelagertem Acryl, Luftschicht, Schaumglasdämmung und F30-Stahlblechpaneel mit Steinwolledämmung, Installations-Luftschicht und grauer Innenskin.
Aus Kosten- und Machbarkeitsgründen konnten nicht alle der im Wettbewerb beschriebenen Eigenschaften umgesetzt werden. So wurden z.B. im Inneren Slimline-Leuchtstoffröhren in konzentrischen Ringen angeordnet, um die Lichtausbeute zu erhöhen.
Unbeeindruckt von berechtigter Kritik und Enttäuschung über nicht-realisierte technische Features bleibt nur ein einziger Nozzle, der "Schlossberg-Nozzle", der wie ein barockes Bullauge auf die Turmspitzen des Grazer Schlossbergs fokussiert. -ju
Abbildungen und Zitat sind folgendem Buch entnommen, das sich als gut bebilderte Lektüre empfiehlt:
A Friendly Alien - Ein Kunsthaus für Graz, Peter Cook/Colin Fournier Architekten
Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit, Juni 2004
ISBN 3-7757-1350-6
Bautafel
Architekten: Spacelab Peter Cook/Colin Fournier, London
Projektbeteiligte: Architektur Consult ZT Gmbh, Graz (Partnerarchitekten); B+G Ingenieure, Bollinger + Grohmann, Frankfurt (Statik); Realities:united, Berlin (BIX, Licht- und Medienfassade); SFL GmbH (Stahlbau Skin, äußere Hülle Skin, Fassaden Stahl-Alu-Glas)
Bauherr: Kunsthaus Graz AG, Graz
Fertigstellung: 2003
Standort: am Landesmuseum Joanneum,
Lendkai 1, Graz
Bildnachweis: foamglas (1), HatjeCantz (2 + 3)
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