Kunsthalle Kestner-Gesellschaft, Hannover
Sandgestrahlte VSG-Sonnenschutzverglasung
Eine außerordentliche Umwidmung von einer Badeanstalt zu einem "Kunstpalast" erfuhr das alte Goseriede-Bad in Hannover: Im Jugendstilbau von 1905 wurde der Badebetrieb zwar schon 1982 eingestellt, aber erst durch die Übernahme durch die Verlagsgesellschaft Madsack, die der Kestner-Gesellschaft die Nutzung überließ, konnte der historische Bau mit Hilfe von Sponsorengeldern zu einem Kunst- und Ausstellungsbau umgebaut werden. Ausgehend von ihrem preisgekrönten Wettbewerbsentwurf standen die Architekten Kai-Michael Koch, Anne Panse und Andreas Christian Kühn vor der Aufgabe, dem denkmalgeschützten, aber nur fragmentarisch erhaltenen Bauwerk eine völlig neue Funktion und Qualität zu geben, die für die Präsentation moderner Kunst geeignet ist.
Drei schmale Treppen erschließen das verwinkelte Gebäude. Neben Bistro und Buchladen markiert eine stilisierte Säulenreihe im Foyer als antikes Tempelmotiv den Übergang zur Kunsthalle. Stufen aus blassblondem Ahorn führen in das Obergeschoss. Für die Ausstellungen stehen auf zwei Geschossebenen fünf Hallen mit ca. 1.500 m2 Ausstellungsfläche zur Verfügung, die einzeln oder im Verbund nutzbar sind. Unterschiedliche Lichtführung und Proportionen lassen signifikante Räume entstehen, die die Inszenierung moderner Kunst unterstreichen.
Fenster und Türen
Von außen signalisiert die Fassade des Eingangsbereiches verhalten, aber eindeutig die neue Funktion als Kunsthalle. Zwischen den beiden historischen Sandsteinbauten haben die Architekten eine undurchsichtige, grünschimmernde Membran aus Glas gespannt. Diese Glashaut erzeugt besonders am Abend mit einem milden Schimmer eine geheimnisvolle Wirkung.
Die Bogenfenster blieben erhalten, getönte Scheiben filtern das Licht zum Schutz der wertvollen Kunstwerke. An die Verglasung wurden aufgrund der innerstädtischen Lage (vorwiegend aus Schallschutzgründen) und der Vollklimatisierung des Gebäudes (Sonnenschutz, Wärmeschutz) besonders hohe Anforderungen gestellt. Ein zusätzlicher, außenliegender Sonnenschutz kam aus denkmalpflegerischen und ökonomischen Gründen nicht in Frage.
Das schließlich verwendete Sonnenschutzglas läßt möglichst viel natürliches Licht durch, weist aber gleichzeitig einen besonders niedrigen Sonnenenergiedurchgang auf, um optimalen Wärmeschutz bei niedrigen Außentemperaturen zu gewährleisten. Die Exponate werden vor Temperaturschwankungen bewahrt und zudem wirtschaftliche Klimatisierungskosten erreicht.
Aus technischen und ästhetischen Forderungen wurde ein Glas mit einem geringen Reflexionsgrad gewählt, das zusätzlich durch Sandstrahlung modifiziert und mit Alarmgebern als Einbruchschutz ausgestattet wurde.
Eine weitere Besonderheit stellt die beheizte Fassade dar, die die Architekten in Zusammenarbeit mit der niederländischen Firma Gartner entwickelt haben. Die gesamte Konstruktion ist an wasserführenden Stahlrohren mit d=35 mm abgehängt. Die Horizontallasten werden über Stahlprofile, die ebenfalls wasserführend konstruiert sind, in die Betonstützen abgeleitet.
Im Mai 1997 wurde das neue Domizil der Kestner-Gesellschaft, Hannover, mit einer Ausstellung der Künstlerin Rebecca Horn seiner Bestimmung übergeben.
Bautafel
Architekten: Kai-Michael Koch, Anne Panse, Andreas Christian Hühn, Hannover
Projektbeteiligte: Firma Gartner, NL (Fassadenbau)
Bauherr: Kestner-Gesellschaft, Hannover
Fertigstellung: 1997
Standort: Goseriede 11, Hannover
Bildnachweis und Quelle: Interpane