Kragstuhlmuseum in Lauenförde

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Klarglas mit hoher Farbechtheit

Das Kragstuhlmuseum an der Weser ist das letzte Werk des britischen Architekten Peter Smithson (1923-2003). Gemeinsam mit seiner Frau Alison (1928-93) schuf er hier seit 1984 einen Landschaftspark, die Tecta-Produktionsgebäude und das Museum. Die Sammlung, zu der auch das Tecta-Archiv gehört, umfasst hunderte von Prototypen sowie Originalmodellen und -entwürfen der modernen Möbelgeschichte. Sie war als erste ihrer Art seit 1979 in der Burg Beverungen untergebracht.

Die technischen Konstruktionen des Museums und des weitgehend baugleichen, aber kleineren Servicegebäudes hat Peter Smithson als "einfache Schuppen" beschrieben: sichtbares Stahltragwerk, das innen komplett weiß und außen rot gestrichen ist. Eine Blende aus Edelstahlblech betont die Attika. Das für den Betrachter auffälligste Element des Museumsgebäudes sind die erhöhten Außenstützen, auf deren Spitzen jeweils ein Stuhl in eigenwilliger Position montiert ist. Diese expressive Installation, "The ten chairs of Lauenförde", korrespondiert mit einem 15 Meter hohen, ebenfalls roten Stahlfachwerkturm, der den Eingangsbereich zum Industrie- und Landschaftspark markiert. Der Grundriss bildet eine markante Zick-Zack-Figur, der einzelne Nischen entstehen lässt, in denen inhaltlich zusammenhängende Gruppen angeordnet sind. "Die Sprache der einzelnen Stühle wird so durch die jeweiligen 'Gefährten' unterstützt", beschrieb Smithson seine Intention.

Service- und Ausstellungsgebäude verbindet ein Gleis, das an die industrielle Vergangenheit des Areals und an die Produktionsanlagen erinnern soll. Es läuft zudem wie eine Führungslinie durch die Sammlung. Ein Draisine-artiger Wagen steht als Sitzmöglichkeit oder Spielort für Kinder mitten im Museum.

Fenster und Türen
Ganz im Sinne seiner Besuchern zugewandten Funktion präsentiert sich das Museum als allseitig verglaster Baukörper. In Fassade und Oberlichtband wurden zusammen fast 1.000 Quadratmeter Glas eingesetzt. So sind alle Bereiche der Ausstellung gut ausgeleuchtet.
Das hochselektive Glas "ipasol neutral 73/39" verknüpft hohe Lichtdurchlässigkeit (TL = 73 %) mit geringem Gesamtenergiedurchlassgrad (39 % nach DIN 67507; 42 % nach DIN EN 410). Der Ug -Wert beträgt 1,1 W/m²K DIN EN 673.

Die Sonnenschutzwirkung wird durch eine spezielle Beschichtung erreicht, die farblich praktisch nicht sichtbar auf dem Glas aufgebracht ist. Die Farbneutralität ermöglicht die weitgehend uneingeschränkte Durchsicht von außen in das Museum hinein. Vor allem aber erlaubt die klare Transparenz des Glases eine farbechte Betrachtung der Ausstellungstücke im Inneren.

Ein Oberlichtband sorgt in den zentralen Innenbereichen für ausreichendes Tageslicht. Die Südseite des Oberlichts ist geschlossen; so wird - wie bei einer Atelierbeleuchtung - nur Licht aus Norden eingefangen. Weil Sonnenschutz hier nicht erforderlich ist, kam im Lichtband das Warmglas iplus neutral S (Interpane) zum Einsatz.

Der Architekt Peter Smithson sah sein letztes Werk nicht mehr, er starb kurz vor Baubeginn im Alter von 79 Jahren. Der Museumsneubau wurde mit der Ausstellung "Marcel Breuers Traum vom schwerelosen Sitzen" eröffnet. Die Ausstellung zeigt unter anderem Breuers endlosen Stahlrohr-Hocker von 1925 oder das Unikat des Wassily-Sessels, der in seiner Urform mit rotem Segel-Canvas bespannt ist. Ati Gropius-Johansen, die Tochter des Bauhaus-Gründers Walter Gropius, reiste zur Ausstellungseröffnung aus den USA an und unterstrich so die jahrzehntelange Freundschaft der Familien Gropius und Breuer und die 30-jährige Zusammenarbeit mit Tecta.

Bautafel

Architekten: Alison & Peter Smithson, London
Projektbeteiligte: Witt Metall-Stahlbau GmbH, Beverungen (Glaseinbau); Fa. Elf, Holzminden (Stahlbau)
Bauherr: Tecta - Axel + Werner Bruchhäuser KG, Sohnreystraße 10, Lauenförde
Fertigstellung: 2003
Standort: Industrie- und Landschaftspark Sohnreystraße, Lauenförde
Bildnachweis und Quelle: Interpane

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