IKMZ der Universität Cottbus in Cottbus

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Bedruckte ESG-Glashaut vor Alu-Fenstern

Der erste Eindruck: Eine gigantische Alvar-Aalto-Vase ist als Ufo notgelandet. Der zweite Eindruck: Das Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum (IKMZ) ist eine Universitäts-Mediathek, die frischen und lebhaften Wind nach Cottbus bringt und richtig Lust auf mediengestütztes Lesen und Lernen macht. Herzog & de Meuron erhielten 1998 den Auftrag für den Neubau einer Bibliothek als Folge ihres 2. Preises im Campus-Masterplan-Wettbewerb.

Das IKMZ hat auf einer Hauptnutzfläche von 7.630 Quadratmetern Platz für bis zu 850.000 Bücher und Zeitschriften, derzeit bereits ca. 250.000 sogenannte Non-Book-Medien und 597 Lese- und verschiedene Arbeitsplätze. Das Gebäude hat eine Höhe von 32 m und ist als orthogonales Stahlbetonskelett mit insgesamt 10 Ebenen inkl. zahlreicher Lufträume und Galerien konstruiert. Dieses Skelett wird horizontal von einer aus einem Kreis-Cluster geometrisch gezirkelten Figur begrenzt, die sich in der Vertikalen als zweischalige Glashaut komplett um das Volumen zieht.

Fenster und Türen
Ein ebenfalls verglaster und zwei Geschosse hoher Schlitz ist aus dem Volumen herausgeschnitten und führt zu den damit innerhalb des Baukörpers angeordneten Eingangstüren der Mediathek und der Cafeteria.

Die Fassade besteht aus einer äußeren Schicht quadratischer und 4-punkt-gehaltener ESG-Scheiben, die von außen mit einem weißen pixeligen "Buchstabensalat" im Siebdruck beschichtet sind. Das gleiche weiße Pixelmuster ist auf die Innenseite der isolierverglasten Alu-Fenster der inneren Fassadenschicht aufgebracht. Zwischen beiden Fassadenschichten befinden sich das Gestänge der 4-Punkt-Halter und zusätzlicher Sonnenschutz. Weder die äußeren ESG-Scheiben noch die inneren Fenster sind gekrümmt, sondern grundsätzlich planeben. Die Fugen der somit polygonalen Außenhaut variieren einerseits in Abhängigkeit vom Radius und andererseits aus thermischen Gründen, da sie vor den Glasflächen der Fenster einen möglichen Wärmestau verhindern sollen. Erstaunlicherweise wirkt der Blick durch den doppelten Pixel-Buchstaben-Schleier nach außen relativ klar und keinesfalls unruhig oder gar aufdringlich "über-gestaltet".

Ca. 40 % der inneren Fassade sind massiv in Stahlbeton ausgebildet. Dieser Wechsel von geschlossenen zu transparenten Fassadenflächen ist tagsüber durch die homogen wirkende ESG-Glashaut nicht zu erkennen. Erst mit zunehmender Dämmerung und nachts entsteht ein differenzierteres Bild, das die gestaffelten Ebenen im Inneren zeigt.

Leider lassen sich die teils großformatigen Fenster im Mediathekbereich (1. OG - 7.OG) nicht öffnen, so dass die Belüftung mit Frischluft über eine RLT-Anlage erfolgt. Nur in der obersten Ebene, der Verwaltungsebene, können die Fenster zum Lüften geöffnet werden. Noch funktioniert dieses Raumluft-Prinzip nicht richtig, denn in den oberen Ebenen nimmt die Qualität der Luft merklich ab. Es bleibt zu hoffen, dass dies nur eine Kinderkrankheit dieses ansonsten beindruckenden Hauses ist. Auch ist allen Nutzern der Mediathek zu wünschen, dass die spektakuläre Glashaut gereinigt und gepflegt wird, um auch langfristig so schön zu schimmern und zu strahlen.

Bautafel

Architekten: Herzog & de Meuron, Basel/CH
Projektbeteiligte: Höhler + Partner, Cottbus/Aachen (AVA und Bauüberwachung); Pahn Ingenieure, Groß Gaglow (Statik); ARGE Ing.Büro Prof. Hänel, Cottbus und IKL & Partner, Leipzig/Berlin (Haustechnik); Albrecht, Memmert & Partner, Neuss/Neuenbaum (Fassade); Büro Endress, Frankfurt am Main (Brandschutz)
Bauherr: Land Brandenburg, vertreten durch das Finanz-Ministerium, vertreten durch das Liegenschafts- und Bauamt Cottbus
Fertigstellung: 2004
Standort: Karl-Marx-Straße/Nordstraße
Bildnachweis: Timor Damerow

Surftipps

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