Fachhochschul-Bibliothek, Eberswalde

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Oberlichtbänder mit Siebdruck

Der Quader mit den Außenabmessungen 36 m x ca. 14 m x ca. 14 m wirkt streng und monolithisch, spielt aber gleichzeitig durch seine nahezu vollflächig mit Bildern bedeckte Oberfläche mit der Wahrnehmung des Betrachters. Herzog & de Meuron arbeiten hier mit Widersprüchen wie z.B. Ornament und barocke Bilderfülle gegen minimalistische Reduktion der grauen "Box", bedruckte Haut einer Oberfläche im Gegensatz zur Tiefe eines schweren Betons, hermetische und im städtebaulichen Kontext fast abweisende Geschlossenheit gegen Lochfassaden und transparente Glasstreifen.

Der dreigeschossige Erweiterungsbau enthält mit knapp 1.000 Quadratmetern Nutzfläche die Freihandbibliothek der gesamten FH inkl. Lehrbuchsammlung und Zeitschriftenauslage, ca. 120 Leseplätze mit Anschluß an Datenleitungen sowie die üblichen Nebenräume. Die Geschosshöhen betragen jeweils 4,10 m. Innenliegend befinden sich 2 Kerne mit Treppen, Aufzügen und WCs.

Fenster
Bis auf wenige, rhythmisch kontrolliert angeordnete Lochfenster besteht die gesamte Oberfläche aus über 1000 bedruckten, flächenbündigen Betontafeln und Glasscheiben. Die Lochfenster als "konventionelle" Alu-Fensterkonstruktionen aus Blendrahmen und Lüftungsflügel befinden sich in Augenhöhe der Leseplätze. Sie allein erlauben einen uneingeschränkten Aus- und Einblick der Nutzer. Die Oberlichtbänder dagegen sind als zweischalige Konstruktion festverglast und dienen einer umlaufend gleichförmigen Ausleuchtung der sonst geschlossenen Räume.

VSG-Glasscheiben, im Siebdruck-Coating-Verfahren ähnlich wie der "tätowierte" Fotobeton beschichtet, sind als vorgehängte Konstruktion mit offenen Fugen über punktförmige Abstandshalter an einer innenliegenden Stahl-Alu-Profilkombination befestigt. Diese hintere Konstruktionsebene ist innenseitig ebenfalls flächenbündig ausgeführt, so dass das wärmegedämmte Alu-Fensterband mit festverglastem - und unbedrucktem - Isolierglas perfekt in die glatte Wandebene übergeht. Als Kontrast dazu sind die Laibungen der Lochfenster überdimensioniert und betonen in ihrer Rahmenwirkung die "Löcher".

Der Düsseldorfer Künstler Thomas Ruff, der bereits seit 1991 mit Herzog & de Meuron zusammenarbeitet, sammelt seit langem Bilder aus Zeitungen: "Ich finde die grauen, gerasterten Zeitungsfotos schöne Dinge, die ich gern ausschneide." Er wählte aus seinem Archiv die Motive, die sich auf den Ort und die Lehrinhalte der FH Eberswalde beziehen sollen - deutsche Nachkriegsgeschichte, Forstwirtschaft, Natur, Architekur:

  • ein Foto des "Haus am Horn"
  • Mädchen auf einem Grasdach
  • Ausschnitt des Gemäldes 'Venus und Cupido' von Lorenzo Lotto
  • ein doppelrümpfiges Flugzeug
  • Flüchtende in der Bernauer Strasse
  • Ausschnitt des Gemäldes 'Vanitas' von Pieter Potter
  • Gemälde 'Humboldt und Bonpland am Orinoco' von Eduard Ender
Als weiterführende Lektüre empfiehlt sich der anlässlich der Ausstellung im CCA Montreal "Herzog & de Meuron: Archaeology of the Mind" erschienene Katalog, dem auch das Zitat von Thomas Ruff entnommen ist:
Philip Ursprung (Hrsg.),
Herzog & de Meuron - Naturgeschichte
Lars Müller Publishers Baden 2002,
ISBN 3-907078-84-5. -ju

Bautafel

Architekten: Herzog & de Meuron , Basel/CH
Projektbeteiligte: Thomas Ruff, Düsseldorf (Künstler, Fassade), DASAG, Eschershausen (Fotobeton)
Bauherr: Kultusministerium des Landes Brandenburg, Potsdam
Fertigstellung: 1997
Standort: Friedrich-Ebert-Straße 29/Campus Schicklerstraße, Eberswalde
Bildnachweis: Susanne Junker, Berlin

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