Braun-Hauptverwaltung, Kronberg

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Doppelschalige Klimafassade als Elementfassade

Der "poetische Pragmatismus" der Architekten Schneider + Schumacher Bauten zu schaffen, die gleichermaßen Herz und Verstand ansprechen, kam den Wünschen des Bauherren entgegen, der Produktkonzeption von Braun mit dem Gebäude der Hauptverwaltung baulichen Ausdruck zu verleihen. Mit einer eindeutigen Geometrie und seinem unverkennbaren Charakter wurde das Gebäude zum klaren Bezugspunkt in einer städtebaulich heterogenen Umgebung. Die Form ist denkbar einfach: ein dreigeschossiges U als Grundriss, mit einem großen überdachten Innenhof und einem etwas kürzeren Schenkel, der mit der Überdachung die Eingangssituation bildet. Über eine Rampe gelangt der Besucher in die zentrale dreigeschossige Halle, die durch Luftpolsterkissen überdacht ist. Diese Pufferzone zwischen Innen- und Außenraum hat zusätzlich zu ihrer Funktion im Klimakonzept Aufenthaltsqualitäten. Sie dient der Erschließung und bietet Raum für Ausstellungen und Veranstaltungen.
Die Konstruktion aus Stahlbeton mit vorgespannten Decken bildet einen stützenfreien Raum, der unterschiedliche Bürokonzepte und Aufteilungen zulässt. Sowohl Zellen-, Kombi- als auch Großraumbüros sind möglich. Die Versorgung erfolgt durch einen Doppelboden, die Grundbeleuchtung ist in die Decke integriert.

Das Klimakonzept wurde in seinen Grundzügen bereits während des Ideenwettbewerbes zusammen mit den Ingenieuren Ove Arup entwickelt und später optimiert. Es beinhaltet eine Temperierung der Räume ausschließlich über die Deckenfläche. Die Heiz-/Kühldecke besteht aus im Putz verlegten Kapillarröhren und kann so ihre Speichermasse aktivieren. Das Atrium als Pufferzone ermöglicht solare Gewinne im Frühjahr und im Herbst. Im Sommer wird es über zu öffnende "Kissen" zum Außenraum. Im Winter wird es durch die Wärmeabgabe der Büroriegel auf eine Zwischentemperatur aufgeheizt. Seine Lüftung erfolgt durch natürlichen thermischen Auftrieb. Erdkanäle temperieren die Zuluft. Die individuell zu steuernde Fassade ermöglicht die natürliche Be- und Entlüftung der Büroräume. Nur die Innenzone wird mit einer Quell-Lüftungsanlage über Bodenauslässe mechanisch belüftet.

Fassade
An die Fassade wurden aufgrund der begrenzten Leistung der Deckentemperierung hohe Anforderungen gestellt. Das Konzept sieht eine doppelschalige Fassade vor, die sowohl guten Schall- als auch Wärmeschutz bietet. Vereinfacht ausgedrückt, ist ein geschosshohes Kastenfenster entwickelt worden (Entwicklungsarbeit über zwei Jahre, Patent M. Schumacher).

  • Die äußere Scheibe besteht aus großen senkrechten Elementen (Format ca. 1,45 x 3,45 m) aus Einscheibensicherheitsglas (ESG 12 mmm, im Eckbereich 15 mm), welche sich nach außen aufdrehen lassen. Die Scheiben sind mit je drei verdeckt liegenden Bändern am senkrechten Elementrahmen gehalten, die Öffnungsbetätigung erfolgt mit zwei verdeckt liegenden Kettenantrieben.

  • Die innere Fassade setzt sich pro Achse aus einem Isolierglaselement sowie einem schmalen vertikalen Holzflügel zusammen, der als Lüftungsflügel funktioniert.

  • Der Sonnen- und Blendschutz besteht aus Jalousien und liegt geschützt zwischen beiden Fassadenschichten. Im Sommer wird er durch das Öffnen der äußeren Scheibe zum außenliegenden Sonnenschutz.
Die äußere Fassade ist als "intelligente Fassade" ausgebildet: die komplexen äußeren Bedingungen werden über Sensoren ermittelt und an einen zentralen Gebäudecomputer geleitet. Dieser steuert entsprechend der vorhanden Ist-Werte die Fassade. Bei Lüftungsbedarf je nach Tages- und Jahreszeit bzw. je nach Wetterlage werden die Glasflächen bis ca. 15 cm nach außen geöffnet und der Baukörper zeigt sich "geschuppt". (Detailschnitte s. Anhang).
So komplex und technisch raffiniert die äußere Fassadenschicht reagiert, so einfach ist die Handhabung der inneren Fassade durch den Nutzer: Er kann wie gewohnt lüften und den Sonnenschutz bedienen. Sollte die äußere Fassade aufgrund der Klimaverhältnisse geschlossen sein, kann sie durch Öffnen des inneren Klappflügels über einen Kontaktschalter geöffnet werden.

Bautafel

Architekten: Schneider + Schumacher, Frankfurt am Main
Projektbeteiligte: Stefano Turi, Frankfurt (Projektleiter); Thomas Zürcher, Diane Wagner, Britta Heiner, Torsten Schult, Karoline Dina Sievers, Niko Alexopoulos (Mitarbeiter); Hochtief AG, Frankfurt (Generalunternehmer); Ove Arup, Berlin (Tragwerksplanung); Magnus Müller GmbH, Butzbach (Fassadenbau); WICONA Bausysteme GmbH, Ulm (Fassade)
Bauherr: Braun GmbH, Kronberg
Fertigstellung: März 2000
Standort: Frankfurter Str. 145, Kronberg, Taunus
Bildnachweis: Schneider + Schumacher, Frankfurt am Main

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