Aus der Reihe, Salzburg/A
Festverglaste Fenster und wärmegedämmte Öffnungspaneele
Der Ausgangspunkt für dieses Haus war ein scheinbar unlösbarer Widerspruch: Einerseits bestand der Wunsch einer jungen Familie darin, im und mit dem Grünen zu wohnen. Andererseits gab es den Wunsch nach einem Wohnhaus mit großzügigen und offenen Räumen. Mit Hilfe einer loftähnlichen Raumatmosphäre sollte die herkömmliche Aufteilung in einzelne Funktionsbereiche aufgehoben werden. Ein gewisser finanzieller Rahmen war natürlich auch nicht zu überschreiten.
Die Architekten Horst und Christine Lechner entwarfen innerhalb einer Reihenhauszeile ein Wohnhaus mit einem Büro und einer Gästewohnung. Die tatsächliche Wohnnutzfläche beträgt knapp 150 m² auf einer Grundstücksfläche von nur 240 m². Als Baukosten wurden erstaunliche 1.300,00 EUR/m² Nutzfläche ausgewiesen.
Die Architekten antworteten auf die Wünsche der Bauherren-Familie, indem sie das Haus im übertragenenen Sinn als Tor in die Weite der umgebenen Landschaft konzipiert haben, und zwar mit fließenden transparenten Übergängen von außen nach innen und umgekehrt, wie eine großzügige begehbare "Wohn-Landschaft". Selbst Funktionsbereiche wie die Küche und das Bad liegen offen im Raum und werden nur bei Bedarf mit Schiebetüren als Sichtschutz abgetrennt.
Fenster/Türen/Glasfassade
Ein wesentliches Gestaltungselement ist dabei eine Glasfassade, in der raumhohe Glasfelder mit farbigen Paneelen wechseln. Diese Fassade ist nicht nur geometrisch sondern auch bauphysikalisch-baukonstruktiv sorgfältig und konsequent durchdacht. So sind die Glasfelder festverglast mit einem U-Wert von lediglich 0,5 W/m²K. Die knallroten Paneele sind dagegen zu öffnen. Sie wurden als wärmegedämmte Sandwichelemente aus wasserfestem Sperrholz von einer Zimmerei gefertigt. Die Umkehrung des sonst üblichen Prinzips von opaken und feststehenden Fassadenelementen zu transparenten und beweglichen Fenstern dient hier in intelligenter Weise zur Maximierung von Materialeigenschaften und damit zur Minimierung von Transmissionswärmeverlusten. Diese Rechnung ging auf, denn das Gebäude entspricht einem Niedrigenergiehaus mit einem Energiebedarf von weniger als 35kW/m²a.
Dieses Reihenhaus wurde von der Reiners-Stiftung ausgezeichnet, die sich der Förderung von Architektur und Baukunst insbesondere bei Einfamilienhäusern verschrieben hat. -bs
Bautafel
Architekten: Christine und Horst Lechner, Salzburg
Projektbeteiligte: Zimmerei Schwaighofer, Radstadt/A (Paneele); Franz Frauenschuh, Salzburg/A (Energiebedarfsberechnung)
Bauherr: privat, Salzburg/A
Fertigstellung: 2000
Standort: Kuchl, Salzburg/A
Bildnachweis: Dietmar Tollerian, Linz/A