Agiplan-Hauptverwaltung, Mülheim

Bildergalerie | 1 | 2 | 3 |

Außenhülle aus Glasfeldern

Der europaweit tätige Bauherr Agiplan besitzt seit den siebziger Jahren in Mülheim/Ruhr einen Bürostandort, der jedoch durch das Wachstum und die Neuorganisation der Firma flächenmäßig nicht mehr ausreichte. Das Büro von Lord Foster löste die Aufgabe einer Erweiterung, indem es das vorhandene Gebäude zunächst auf Qualitätsmerkmale untersuchte und diese gezielt herausarbeitete, wie das rationale Stahlbetonskelett, welches die Proportion des Erweiterungsgebäudes vorgab. Foster ließ zur visuellen Nachvollziehbarkeit einen Teil der Fassadenverkleidung aus Aluminiumpaneelen entfernen, um die funktionale und orthogonale Radikalität des 70er-Jahre-Gebäudes erlebbar zu machen.
Der Neubau stellt sich als großer gläserner Schwung dar, der in ein ebenfalls gläsernes Atrium führt, das formal als Gelenk und funktional als neue öffentliche Eingangslobby alt und neu zusammenfasst. Unter Beibehaltung der Raster-Struktur, der Geschoss- und Gebäudehöhen verbinden im Atrium fast freischwebende Brücken mit Ganzglasbrüstungen die in beiden Gebäuden befindlichen Zellen- und Großraumbüros. Im EG sind die für alle Mitarbeiter zugänglichen Nutzungen wie Bibliothek, Kantine und Schulungsräume angeordnet.

Fenster
Als Kontrast zum Altbau - eine geschlossen wirkende Lochfassade mit Aluminiumpaneelen - besteht die gesamte Außenhülle des Neubaus aus Glasfeldern, die in ihren Abmessungen auf das Rastersystem abgestimmt sind. Es alternieren festverglaste Glasfelder als Brüstungen, Klappflügel zur natürlichen Belüftung und Paneel-Elemente aus transparenter Wärmedämmung.
Die TWD-Elemente werden aus senkrecht zur Oberfläche - und damit waagerecht liegenden - Röhrchen (Durchmesser ca. 3,5 mm) aus Plexiglas und ähnlichen Ausgangsprodukten erzeugt, die jeweils an den Schnittkanten durch einen Schweißvorgang geschlossen werden. Das Lichtverhalten dieser High-Tech-Elemente ist vergleichbar mit einem optischen Weichzeichner, der mit Hilfe der unzähligen Glasröhrchen das einfallende Sonnenlicht sowie das bei Nacht aus dem Gebäude herausstrahlende Kunstlicht weich filtert und streut.
Diese technoide Klarheit, die sich immer an der menschlichen Wahrnehmung und den Bedürfnissen der Nutzer orientiert, setzt Foster auch in der Detaillierung der Atriumwände fort, der Überkopf-Verglasung des Atriumdachs, der weit spannenden Freitreppen und den großzügigen Galerien, die neben den Brücken als kommunikative Verbindungsflure dienen.

Bautafel

Architekt: Foster and Partners, London/GB
Projektbeteiligte: Ingenieurbüro Dr. Meyer, RPK, Rüping Consult MDA Bysh
Bauherr: Agiplan
Fertigstellung: 1996
Standort: Zeppelinstraße 301, 45470 Mülheim an der Ruhr (zwischen A 52 und B1)
Bildnachweis: Nigel Young (Innenaufnahmen) und Klaus Ravenstein

Standort in Google Maps anzeigen