"Junkerhaus" in Lemgo
Restaurierung von historischen Fenstern
Das Junkerhaus in Lemgo, heute restauriert und als Museum zu besichtigen, ist ein zweistöckiges Fachwerkhaus auf einem Backsteinsockel, das komplett mit einer filigranen Schnitzwerkarchitektur überzogen ist.
Dieses Gesamtkunstwerk ist das Wohnhaus des Künstlers Karl Junker (1850 - 1912). Er plante den Bau 1889/90, arbeitete beständig an der Ausstattung und bewohnte es bis zu seinem Tod. Karl Junker hatte nach der Tischlerlehre in seiner Heimatstadt Lemgo ein Kunst- und Architekturstudium in München absolviert. Im Jahre 1878 erhielt er den Rompreis der Münchener Akademie der Schönen Künste, der ihm einen einjährigen Studienaufenthalt in Italien ermöglichte. 1881 kehrte er nach Lemgo zurück.
Das Werk von Karl Junker ist beeinflußt durch Ideen und Stilrichtungen der Kunst um die Jahrhundertwende. Die Neigung zu überbordender Raumdekoration ist zeittypisch; die Formensprache zeigt Verbindungen zum Historismus und zum Jugendstil. Im Interesse für fernöstliche und "primitive" Formen klingt der Expressionismus an.
In der reichhaltigen Austattung des Hauses verdecken fließende Übergänge zwischen Möbeln, Einbauten und ornamentalen Wandgestaltungen völlig die architektonische Grundstruktur. An Wänden und Decken formen kräftige Profilleisten Kassetten; sie bilden zugleich den Rahmen für die Tafelbilder mit mythologischen und biblischen Themen.
Fenster
Die Restaurierung der ersten sieben abgängigsten Blendrahmenfenster stand Mitte des Jahres 2000 an.
Im Vorfeld wurde die Aufgabenstellung der Restaurierungsziele mit der Unteren Denkmalbehörde der Alten Hansestadt Lemgo und dem Westfälischen Amt fur Denkmalpflege Münster erarbeitet. Es wurde eine sorgfältige Bestandsaufnahme einschliesslich Schadenskartierung der Fenster erstellt und daraus ein Restaurierungsplan aufgestellt.
Oberstes Ziel der Restaurierungsmaßnahme war die größtmögliche Erhaltung der Originalsubstanz von Holzprofilen, Beschlägen, Verglasungen und der Originaloberfläche der Raumseite. Alle Arbeitsschritte wurden sorgfältig dokumentiert, von der durchgeführten Restaurierung Farbkartierungen angefertigt und abschließend eine Gesamtdokumentation der Arbeit erstellt.
So lagen Fensterflügel z.T. lose auf dem Dachboden. Einige Zierelemente waren marode oder fehlten. Die Zierelemente wurden vor Ort zugeordnet, dokumentiert, nummeriert und dann in die Werkstatt transportiert.
In der Werkstatt wurde eine Bestandsaufnahme und Schadenskartierung der historischen Fenster zur Erarbeitung des anschließenden Restaurierungskonzeptes durchgeführt.
Nach dem Restaurierungskonzept wurden die einzelnen Arbeiten, wie z.B. Ergänzung/Austausch der Hölzer und Beschläge mit der Denkmalschutzbehörde besprochen und festgelegt. Die Restaurierungen wurden mit traditionellen Holzverbindungen und Materialien ausgeführt. Die historischen Zylindergläser wurden in Leinölkitt eingesetzt. Die Oberfläche der Fensterelemente wurden mit Naturharzöl behandelt. Die einzelnen Arbeitsschritte wurden in einer Schlussdokumentation festgehalten.
Quelle: Kramp + Kramp, Lemgo
Bautafel
Architekten: Karl Junker, Lemgo (hist.)
Projektbeteiligte: Kramp + Kramp, Lemgo (Restaurierung Fenster)
Bauherr: Stadt Lemgo, Lemgo
Fertigstellung: 1891 (hist.), 2004 (Eröffnung als Museum)
Standort: Hamelner Str. 36, Lemgo
Bildnachweis: Kramp + Kramp, Lemgo